Feiertag auf dem Air Tech Campus: Zahlreiche Ehrengäste feierten mit (vorne v.l.) Prof. Christian Juckenack (Bewo) sowie Conrado Dornier und Martine Tiefenthaler-Dornier die offizielle Einweihung des Empfangsgebäudes.
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Feiertag auf dem Air Tech Campus: Zahlreiche Ehrengäste feierten mit (vorne v.l.) Prof. Christian Juckenack (Bewo) sowie Conrado Dornier und Martine Tiefenthaler-Dornier die offizielle Einweihung des Empfangsgebäudes.

Neues Empfangsgebäude am Sonderflughafen

Oberpfaffenhofens Tor zur Welt

  • Hanna von Prittwitz
    VonHanna von Prittwitz
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Die Betreiber des Sonderflughafens Oberpfaffenhofen haben gestern ihr Empfangsgebäude eingeweiht. Es bietet Ruheräume für Flugpersonal, vor allem aber Büroflächen. Und es setzt fort, was mit dem Flugzeughersteller Dornier an dieser Stelle 1937 begann.

Oberpfaffenhofen – „Entscheidend ist nicht, wo man sitzt, sondern wo man hinschaut“, schwärmte Professor Christian Juckenack, Vertreter des Flughafeneigentümers Bewo, vom neuen Empfangsgebäude. Kurz vor der offiziellen Einweihungsfeier des Gebäudes am Sonderflughafen, dem Air Tech Campus Oberpfaffenhofen (ATC), führte er begeistert durch die neuen Hallen. Das stattliche Gebäude am Kreisel zwischen OHB und Asto-Park ragt fünfgeschossig in den Himmel, oben bietet es eine Dachterrasse und Konferenzräume, von denen der Blick über den Flughafen hinweg in die Ferne schweifen kann. Unten wartete gestern Vormittag die Gästeschar – rund 100 Menschen samt Blaskapelle.

Das Empfangsgebäude ist schon länger fertig und bis auf ein Stockwerk vermietet. Im Erdgeschoss befinden sich ein Empfangsbereich und Aufenthaltsräume für Flugpersonal. All dies können Firmen auch buchen, wenn sie vom Sonderflughafen aus zu Geschäftsflügen aufbrechen. Wegen der Pandemie war die Einweihung erst jetzt möglich – „und längst überfällig“, wie Juckenack sagte. Unter den Gästen, die sich rund um das gläserne Foyer scharten, waren neben den Geschäftsführern zahlreicher ansässiger Unternehmen, Architekten und Politprominenz auch Mitglieder der Familie Dornier, vertreten durch das Ehepaar Martine Dornier-Tiefenthaler und Conrado Dornier, Sohn von Claudius Dornier. Dieser konzipierte einst das Flugboot Seastar, das nun von Conrado neuaufgelegt wird – auf dem ATC. Und damit wiederum dort, wo 1937 der Grundstein für die Firma Dornier gelegt wurde.

2017 hatte die Bewo AG den Sonderflughafen gekauft. „Seither ist es Ihnen gelungen, Dornröschen aus dem jahrelangen Schlaf zu retten und ihm Leben einzuhauchen“, sagte Conrado Dornier. „Ich verneige mich mit tiefem Respekt vor dieser Aufbauleistung.“ Dornier ist in Argelsried groß geworden, er erinnerte daran, dass der Flughafen und die Faszination dafür immer zu seinem Leben gehört hätten. Er nannte aber auch die Probleme, die damit entstanden seien, dass sich die landwirtschaftliche Umgebung zur Wohnstätte entwickelt habe. Dennoch: Die Wiederbelebung des Areals sei die „Verwirklichung eines Wunschtraums“.

Professor Anke Kaysser-Pyzalla, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), das sich direkt nebenan befindet und mit dem ATC Synergien pflegt, ließ sich per Video zuschalten. Seit 2017 sei „eine besondere Dynamik in der Region entstanden“, sagte sie. „Das Empfangsportal ist symbolisch für die positive nachhaltige Entwicklung.“ Vizelandrat Matthias Vilsmayer freute sich über die Zusammenarbeit der Bewo mit Landkreis und Gemeinden. „Das Miteinander ist sehr erfreulich.“

Peter Adrian, Dr. Ingo-Hans Holz und Professor Stephan Bone-Winkel, Geschäftsführer der Bewo, beleuchteten die ersten Jahre nach dem Kauf des Flughafens und auch die Zukunft des 2,7 Millionen Quadratmeter großen Areals. „Es war eine Herausforderung, auch für die Banken“, sagte Adrian. Die Fläche solle so entwickelt werden, dass es auch verträglich sei für die Umwelt. Bone-Winkel sah da „dünnes Eis und eine große Verantwortung“. Holz sprach von einem „Mehrgenerationenprojekt mit Langfristperspektive“. Schließlich habe die Bewo mehr als 100 Millionen Euro in rund 20 Bauten mit 80 000 Quadratmeter Fläche investiert – ohne staatliche Hilfen. „1000 neue Arbeitsplätze konnten wir dazugewinnen.“

Alle drei sahen grundlegende Veränderungen in der Antriebstechnologie bis 2030. „Man wird die Flugzeuge kaum noch hören“, sagte Adrian. Schon jetzt seien Flugzeuge vom Start bis zur Landung autonom unterwegs, und man stehe kurz vor dem Probebetrieb eines Remote-Towers, von dem aus Lotsen auch für andere Flughäfen agieren könnten.

Der Einweihungsakt verlief dann so, wie es sich auf einem Flugplatz gehört: Auf Kommando schickte eine lange Riege an Ehrengästen fröhlich weiße Papierflieger in den Himmel.

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