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„Notfalls heben wir ihn in die Parklücke rein“: Thomas Dietl aus Unterbrunn mit seinem Trabant von 1976. Die Stereoanlage ist Sonderausstattung.

"Der Trabi hat Kultstatus"

Unterbrunn - Mehr als drei Millionen Trabis sind zu DDR-Zeiten vom Band gelaufen - der letzte an diesem Samstag vor 20 Jahren. In Unterbrunn gibt es noch zwei „Sammlerstücke“. Hier ihre Geschichten:

„Der VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau stellt die Produktion der Traditionsmarke Trabant ein“ – diese dürren Worte in einer Pressemitteilung haben am 30. April 1991 eine Ära beendet. Wie kaum eine andere Automarke stand der im DDR-Sprachgebrauch „Trabi“ genannte Wagen für gesellschaftlichen Aufstieg, wurde als ostdeutscher Volkswagen gefeiert und galt für viele Familien mit mittlerem Einkommen als Einstieg in die automobile Welt. Später wandelte sich das Bild: Der Trabi wurde zum Sinnbild für die stagnierende DDR-Wirtschaft. Da es aber so viele dieser Autos gab, ist der Zweitakter nie ganz aus dem Straßenverkehr verschwunden, bis heute nicht. Im Gegenteil: Schon Anfang der 90er-Jahre bildeten sich die ersten Trabi-Fanclubs.

Auch in Unterbrunn sind Trabi-Fans zu finden, die stolz auf ihre Raritäten sind. Thomas Dietl zum Beispiel hat sich in wochenlanger Arbeit ein knallrotes Trabi-Cabrio hergerichtet. Rote Sitzbezüge zieren das kleine Fahrzeug, aus dem Kofferraum ragt eine überdimensionale Stereoanlage. „Ich finde es einfach lustig, mit dem Auto im Sommer durch die Gegend zu fahren“, sagt der 32-Jährige, der seinen Trabi vor sechs Jahren für 1400 Euro in Nordrhein-Westfalen erstanden hat und ihn hauptsächlich während der warmen Monate nutzt.

Anfallende Reparaturen erledigt Dietl selbst, das Beschaffen sämtlicher Ersatzteile übers Internet sei ein Leichtes, und als gelernter Schlosser beweist er auch entsprechendes Geschick beim Einbauen. Sein „Spaßmobil“, wie er das Cabrio liebevoll nennt, ist älter als er, Baujahr 1976. Und so blieben auch die großen Schäden in der Vergangenheit nicht aus. Dietl musste bereits das komplette Getriebe wechseln, und der Motor stand schon zur Reparatur an.

Hilfe erhält Thomas Dietl dabei von einem weiteren Unterbrunner Trabi-Fan. Auch Hermann Geiger hat sich ein ausrangiertes Ost-Fahrzeug gekauft, das mit Baujahr 1974 sogar noch älter ist als das seines Freundes. „Ich habe mein olivgrünes Cabrio im Jahr 1990 gleich nach der Wende für 500 Mark erstanden“, erinnert sich der 55-Jährige noch gut. Bereits jetzt habe sich der Wert des Wagens verzehnfacht, verkaufen ist allerdings keine Option für Geiger. „Dann hätte ich ja keinen mehr“, sagt der Sammler, der auf seinem Hof in Unterbrunn noch viele andere Oldtimer stehen hat und außerdem ein Heimatmuseum betreibt.

Ihm macht es Spaß, so ein besonderes Fahrzeug zu besitzen. Stolz zeigt Geiger den Original-Sanitätskasten sowie das DDR-Schild am Heck, aus dem der Vorbesitzer durch Überpinseln zweier Buchstaben einfach ein „D“-Schild gemacht hat. Und sogar ein Foto des ehemaligen DDR-Staatschefs Erich Honecker ziert immer noch das Armaturenbrett, schließlich durften die Cabrios im Osten nur Militär-Angehörige und Förster fahren.

Auch die Frauen von Dietl und Geiger wissen die seltenen Exemplare zu schätzen. Sie sind scharf darauf, an die „Revolverschaltung“ des Oldtimers zu dürfen. Und wenn dann im Sommer am See kein Parkplatz zu finden ist – kein Problem. „Der Trabi ist so leicht, weil die meisten Teile ja aus Presspappe sind – den heben wir einfach in die Parklücke rein“, sagt Geiger lachend und macht es gleich vor. Mit ihrem kleinen Auto kommen die beiden Unterbrunner groß raus. „Es hat Kultstatus“, betont Geiger, und seine Augen leuchten begeistert.

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