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Politisch engagierter Komponist: Der gebürtige Thüringer Jakob Stillmark ist mit Musik aufgewachsen. Zuletzt kandidierte er in Feldafing als Bürgermeister für die SPD. 

Musiker Jakob Stillmark

Er komponiert lieber gleich für das große Orchester

Vater Opernsänger, Mutter Cellistin: Dass Jakob Stillmark Musiker werden würde, war irgendwie logisch. Dass die Werke des jungen Komponisten auf renommierten Bühnen aufgeführt werden, hat er sich hart erarbeitet.

Feldafing – Im Wahlkampf hat er sich als Bürgermeisterkandidat für die Feldafinger SPD stark gemacht und es geschafft, dass sie erneut im Gemeinderat vertreten ist. Jetzt freut er sich, dass wieder mehr Zeit ist, sich seinem Beruf zu widmen. Jakob Stillmark ist Komponist, 25 Jahre jung, noch unverheiratet und ohne Kinder. Sein täglich Brot verdient er als Klavier- und Qigonglehrer.

„Ich bin mit Musik aufgewachsen, vor allem mit Kirchenmusik, Bach-Kantaten, dem Weihnachtsoratorium, der Johannes Passion. Ständig wurde zu Hause Musik gehört. Das sind meine Kindheitserinnerungen“, erzählt der 1994 in Gera (Thüringen) geborene Sohn eines Musikerpaares. Sein Vater ist der Opernsänger Albert Zetzsche, seine Mutter ist Cellistin. Manchmal war Jakob Stillmark als Kind genervt. „Ständig Kirchenmessen und Konzerte hören. Das, was die Eltern machen, ist nicht immer toll“, erinnert er sich.

Üben ohne Druck

Und natürlich hat er schon als Kind ein Instrument gespielt. Erst Klavier, dann zwischenzeitlich Waldhorn, aber „vom ständigen Üben-Müssen war ich relativ verschont“. Schon mit neun Jahren hatte Stillmark Kompositionsunterricht – und zwar von Ernst-August Klötzke, Leiter der Musik-Theater-Werkstatt am Hessischen Staatstheater Wiesbaden. Als Schüler erlebte Stillmark die Uraufführung seiner Werke. „Ich hatte einen tollen Musiklehrer, der die Aufführungen meiner Stücke dann tatsächlich durchgezogen hat.“

Der Musikpädagoge muss vom Talent seines Schülers sehr überzeugt gewesen sein, denn die ersten Kompositionen waren im Schulbetrieb nicht so leicht umzusetzen. Keine Kammerspiele für nur vier Streicher, sondern gleich die große Besetzung mit 40 Instrumenten und zwanzig Stimmen. Stillmark wollte den großen Orchesterklang der Romantik und Spätromantik selbst schreiben.

Nach der Schule zur Talentschmiede 

Nach der Schule bewarb er sich bei der Halberstädter Orchesterwerkstatt und wurde genommen. Eine Talentschmiede für junge Komponisten aus ganz Deutschland. Sie ermöglicht, mit Profimusikern zusammen den eigenen Werken den letzten Schliff zu geben, bevor sie vom Nordharzer Städtebundorchester uraufgeführt werden. Stillmark gewann bei dieser Gelegenheit den Preis der deutschen Orchesterstiftung für die „beste Komposition“.

Dann fing er sein Studium an der Münchner Musikhochschule an, wo er das Fach Komposition bei der experimentell aufgeschlossenen Professorin Isabel Mundry belegte. Von da an nahm er regelmäßig an internationalen Festivals und Meisterkursen teil. Seine Werke wurden in der Reihe „Junge Solisten“, „hartmann 21“, bei der Münchener Biennale, in den Münchner Kammerspielen und am Staatstheater Darmstadt aufgeführt. Er flog nach Shanghai, um mit dem dortigen Ensemble eines seiner Stücke einzustudieren und chinesische Volkslieder neu zu interpretieren. „Da wurde meine musikalische Herkunft infrage gestellt. Durch das Fremde lernte ich, die eigene Musik neu zu hören und frischer zu erleben“, sagt er.

Ausgangspunkt ist immer eine Klangidee

Stillmark lässt sich vielseitig inspirieren – beim Spazierengehen, Musikhören, Gesprächen mit Kollegen, Lesen oder von bildender Kunst. Aber auch von Philosophie. Nelson Goodman, Dieter Mersch und Martin Seel, ein Vertreter der dritten Generation der Frankfurter Schule, liefern den Stoff für seine Musik. Oder aber auch die Internationale, die von so vielen Gruppierungen gesungen wurde. Ausgangspunkt sei immer eine Klangidee, mit der der Komponist Sinnliches und Rationales ansprechen, Gefühle musikalisch erfassen und eine Klangfläche aus Tönen und Orchesterströmen bauen will – „wie ein Fluss, der wächst und in eine Klangwolke hineinfindet“.

30 Stücke hat Stillmark inzwischen geschrieben, vom Klavierlied bis zu 35-Minuten-Solokonzerten. Momentan arbeitet er an einem Duo für Akkordeon und Flöte. Er hofft, im Sommer doch noch der Einladung zur Finalrunde des Komponistenwettbewerbs nach Bangkok folgen zu dürfen. Aber auch der steht wegen der Corona-Pandemie noch in den Sternen.

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