„Land unter“ - Gewitterfront rollt über Deutschland - Autofahrerin muss aus Geröllmassen gerettet werden

„Land unter“ - Gewitterfront rollt über Deutschland - Autofahrerin muss aus Geröllmassen gerettet werden
+
Wer den Wetterbericht in der Tagesschau verfolgt, sieht auch Bilder von Oberpfaffenhofener Satelliten. Das Unternehmen OHB baut sie dort.

Minister Aiwanger besucht Raumfahrt-Firma

Die Erdbeobachter aus Oberpfaffenhofen: Unternehmen baut Satelliten für Klimawandel-Analyse

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
    schließen

Der Satellitenbauer OHB mit Sitz in Oberpfaffenhofen hat einen äußerst begehrten EU-Auftrag erhalten: Das Unternehmen hilft bei der CO2-Analyse aus dem All – und so bei der Ursachenforschung zum Klimawandel. Besuch bei einer Raumfahrtfirma, die sogar über das Sonnensystem hinaus blickt.

Oberpfaffenhofen – In den Fluren des Unternehmens OHB System in Oberpfaffenhofen* riecht es nach Desinfektionsmittel, Kickerkästen sind mit rot-weißen Bändern abgeklebt. Doch die coronabedingten Hygienevorkehrungen im Bürotrakt sind nichts gegen die in der Satellitenwerkstatt. Jeder kleinste Staubpartikel könnte die sensiblen Konstruktionen ruinieren. Deshalb gibt es die so genannten Reinräume, in denen die Luft dutzendfach gefiltert wird. Deshalb laufen Ingenieure und Feinmechaniker dort mit dicken Schutzanzügen herum. Von einem Büro aus darf man als Besucher durch ein großes Schaufenster in eine der Hallen blicken. Aber bitte nicht fotografieren: In der Liga, in der OHB spielt, muss man sich gegen Betriebsspionage wappnen. Zu sehen sind Teile einer ultrahochauflösenden Erdbeobachtungskamera, die noch im Bau ist. Das zwei mal zwei Meter große Etwas besteht aus diversen Gehäusen und Kabelsalaten. Ein Versuchsaufbau? „Nein, nein, das ist die Flughardware, die nächstes Jahr in den Orbit geht“, sagt Entwicklungsleiter Dr. Stefan Bedrich. Es handle sich um Elemente eines Wettersatelliten, der von Französisch-Guayana aus seinen Weg ins All nehmen soll.

Wetter-, Klima- und Umweltbeobachtung sind das Hauptgeschäft des Raumfahrtunternehmens – zumindest das der rund 530 Mitarbeiter am Standort Oberpfaffenhofen. Im Hauptsitz in Bremen werden vor allem Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo gebaut. 22 Stück sorgen dafür, dass verunglückte Schiffe im Ozean geortet werden können, dass Flugzeugpiloten der perfekte Landeanflug gelingt oder einfach nur dafür, dass Autofahrer von A nach B kommen. Dieser Tage hat sich die Europäische Raumfahrtagentur ESA im Rahmen des Erdbeobachtungsprogramms Copernicus erneut für OHB als Hauptauftragnehmerin entschieden. Die Mission diesmal: Satelliten herstellen, die das klimaschädliche Treibhausgas CO2 in der Atmosphäre messen und so zur Analyse des Klimawandels beitragen.

Von der OHB-Arbeit machte sich am Montag Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ein Bild (l.). Er unterhielt sich mit OHB-Chef Marco Fuchs über sämtliche Satelliten.

Bayerns Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger findet das Unternehmen so spannend, dass er am Montagnachmittag persönlich vorbeischaute. Es gehöre zu seinem Job, sämtliche Branchen zu besuchen, sagte er im Foyer. OHB sei ein Aushängeschild für den Raumfahrt-Standort Bayern. Mit CEO Marco Fuchs habe er sich über sämtliche Satelliten unterhalten – bis hin zu denen, die Meteoriteneinschläge verhindern. Fuchs bekräftigte, dass sich der Wechsel von München nach Oberpfaffenhofen – in Nachbarschaft des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ausgezahlt habe. Und was gefällt Aiwanger so an der Arbeit von OHB? „Ich bin ein Feind elitärer Zirkel. Hier ist der Nutzen für die Alltagswelt und die Allgemeinheit sehr greifbar.“

Von der Mission CHIME, ebenfalls Teil von Copernicus, sollen Landwirtschaft und Umweltschutz profitieren. Die genaue Nachzeichnung der globalen Landoberfläche soll Aussagen zu Pflanzengesundheit oder Ertragsvorhersagen ermöglichen. Die Tüftler in Oberpfaffenhofen stellen in ihren Reinräumen die Technik dafür auf die Beine: so genannte hyperspektrale Instrumente.

Die Erde besser verstehen - mit Umweltsatelliten

Für ein besseres Verständnis des Systems Erde sorgen auch die Umweltsatelliten EnMAP, die OHB im Auftrag des DLR realisiert. Das von der Erdoberfläche zurückgeworfene Sonnenlicht wird analysiert, um globale Datensätze über Zustand und Veränderungen in ökologischen Systemen zu gewinnen.

Eine weitere Erkenntnis des OHB-Besuchs: Wer den Wetterbericht in der Tagesschau verfolgt, sieht auch Bilder von Oberpfaffenhofener Satelliten. Doch in dem Unternehmen wird schon lange weitergedacht – genauer gesagt, über unser Sonnensystem hinaus. Das erfährt, wer Entwicklungschef Bedrich fragt, ob er einen Lieblingssatelliten habe. „Mein absolutes Highlight ist der Plato“, sagt er dann. Benannt nach dem altgriechischen Philosophen, soll er für die Menschheit noch völlig fremde Planeten erkunden. „Da sind die Anforderungen noch höher“, erklärt Bedrich. Aber seine Leute arbeiten daran mit vielen anderen für die europäische Agentur ESA. Der Start sei 2027 geplant.

Lesen Sie auch:

„Homeoffice“ mit Draht ins All: Seit Monaten tüftelten Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen an Versuchen, die auf der Internationalen Raumstation ISS durchgeführt werden sollten. Von Toulouse aus hätten sie die Arbeiten begleitet. Covid-19 jedoch machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Reisen war unmöglich, die ganze Sache drohte zu platzen. Die Standortnachbarn des Raumfahrtkontrollzentrums jedoch halfen aus: Sie richteten dort ein Homeoffice der ganz besonderen Art ein.

*tz.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Sprayer toben sich an Erlinger Schule aus - „Da blutet einem das Herz“
Wände, Türen und sogar Metallboxen wurden an der Erlinger Schule von Sprayern verschmiert. Bürgermeister Georg Scheitz ist sauer und hofft auf die Bevölkerung.
Sprayer toben sich an Erlinger Schule aus - „Da blutet einem das Herz“
Lego-Boxen für den Boden - zum Schutz des Grundwassers
Die Arbeiten an der Lagerfläche für den Bau des B 2-Tunnels machen sichtbare Fortschritte, ein Teil ist bereits in Betrieb. Hintergrund für die aufwendigen Boxen und …
Lego-Boxen für den Boden - zum Schutz des Grundwassers
SARS-CoV-2: Ein neuer Fall am Mittwoch
Die Lage in der Corona-Pandemie im Landkreis Starnberg bleibt unsicher. Am Mittwoch kam ein Fall dazu, ein Reiserückkehrer.
SARS-CoV-2: Ein neuer Fall am Mittwoch
Regen, Wärme, Sonnenschein: Ernte stimmt Bauern zufrieden
Nach zwei besonders trockenen Jahren könnte heuer die Ernte wieder etwas besser ausfallen. Das Getreide wird schon dieser Tage eingeholt, auch beim Blick auf Mais und …
Regen, Wärme, Sonnenschein: Ernte stimmt Bauern zufrieden

Kommentare