Terror im beschaulichen Gauting: Am 1. Februar 1985 ermordete ein Terrorkommando der RAF den Manager Ernst Zimmermann in seinem Haus in Gauting. Die Witwe des MTU-Chefs, Ingrid Zimmermann, lebt bis heute dort. Fotos: FKN

Mörder immer noch unbekannt

Gauting - Die RAF-Terroristen kamen als Briefboten: Am Sonntag jährt sich der Mord an Ernst Zimmermann in Gauting zum 30. Mal. Die Mörder sind bis heute unbekannt.

Zum 30. Mal jährt sich an diesem Sonntag der RAF-Terroranschlag auf Ernst Zimmermann, Vorstandsvorsitzender der Maschinen- und Turbinenunion (MTU). In seinem Privathaus an der Wessobrunner Straße in Gauting hatte ein junges Pärchen den Manager am 1. Februar 1985 mit einem Kopfschuss kaltblütig hingerichtet. Die etwa 85-jährige Witwe Ingrid Zimmermann, die gefesselt im Nebenraum saß, leidet noch heute an den Folgen, sagt Gautings Alt-Bürgermeister Ekkehard Knobloch, der Kontakt zur Familie hält. Bis heute wurden die Täter nicht gefasst.

Gegen 7.15 Uhr klingelt eine „Briefbotin“ an der Tür. Zimmermann solle den Erhalt des Briefes mit seiner Unterschrift bestätigen. Seine Ehefrau Ingrid lässt die Frau ins Haus. Dort steht plötzlich ein junger Mann mit einer Maschinenpistole im Anschlag. Das Pärchen fesselt die Eheleute, führt Zimmermann ins Schlafzimmer und richtet den MTU-Chef hin. „Niemand aus der Nachbarschaft hat etwas gehört oder gesehen“, schrieb der Starnberger Merkur. Zur Tatzeit hielt sich kein Mensch in den gegenüberliegenden Büroräumen auf. Noch am selben Tag bekannte sich die Rote Armee Fraktion (RAF) zu dem Mordanschlag.

Typisch für die RAF der „dritten Generation“ war, dass die Täter keine Fingerabdrücke oder andere Spuren hinterließen. „Das war eine hundsgemeine Geschichte, die nach brutalem Liquidieren aussieht“, kommentierte der damalige Planegger Polizeichef Dieter Hager, heute Altbürgermeister von Krailling. Unmittelbar nach dem Mord kam Hager am Tatort vorbei - er fuhr seine Tochter zur Grundschule. Übers Autotelefon habe er die Dienststelle informiert. Die Polizei legte ein enges Kontrollnetz um Gauting - vergeblich, die Täter entkamen wohl erst zu Fuß, dann per Auto.

Das Ehepaar Zimmermann habe sehr zurückgezogen und ohne Glamour in Gauting gelebt, erinnert sich Knobloch. Für Ingrid Zimmermann sei es „immer sehr belastend“ gewesen, wenn ihr die Kriminalpolizei Fotos von festgenommenen Verdächtigen vorlegte. Nach dem Terroranschlag habe sie kaum noch Menschen in ihr von Kameras überwachtes Haus gebeten. Nur zum Altbürgermeister, ihrer Nachbarin und einer langjährigen Freundin, der ehemaligen „rechten Hand“ ihres Mannes, habe die Witwe noch Vertrauen. Zu einer Gedenkfeier fühle sich sie gar nicht mehr in der Lage.

Die Bundesanwaltschaft lässt bis heute durchs Landeskriminalamt ermitteln. Der Fall sei nach wie vor offen, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage. Stille Hoffnung der Ermittler ist, dass durch neue Verfahren sich beispielsweise DNA-Spuren auch nach 30 Jahren noch auswerten lassen. Denn Mord verjährt nie.

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