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Er besiegte einst Federer: Ex-Profi Daniel Brands startet als Trainer beim TC Würmsee

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Von: Simon Nutzinger

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Daniel Brands ballt die Faust.
Die Siegerfaust ballt Daniel Brands bei den Australian Open 2016. © Made Nagi

Einst stand er im Achtelfinale von Wimbledon, jetzt trainiert er junge Tennisspieler auf der Anlage des TC Würmsee. Daniel Brands' Weg nach Feldafing.

Feldafing – Helmut Garrecht dachte an einen Scherz, als er das erste Mal davon hörte. Daniel Brands möchte als Trainer arbeiten. Und jetzt wird es interessant: für den TC Würmsee. Also wirklich der Daniel Brands, dessen Spiele er so oft im Fernsehen verfolgt hatte, und wirklich der TC Würmsee, der als kleiner Tennisverein in Feldafing ansonsten ein eher unaufgeregtes Dasein fristet. „Kann einfach nicht sein“, dachte der TC-Vorsitzende. Kann es offenbar doch. Der 33-jährige Ex-Profi, der 2010 im Achtelfinale von Wimbledon stand, bietet künftig Trainingsstunden in Feldafing an – und lädt alle Interessierten für diesen Sonntag, 20. September, zu einer Schnuppereinheit ein.

„Ein Traum für uns als Verein“, unterstreicht Garrecht. Zustande kommt das Ganze wie so oft bei solchen Geschichten, die im ersten Moment nur schwer zueinander zu bringen sind, durch persönliche Kontakte. Philipp Werner, langjähriges Mitglied des TC Würmsee, und Brands sind befreundet, stehen regelmäßig gemeinsam auf dem Tennisplatz. Als Brands im Sommer 2019 seine Profikarriere beendete, danach den Trainerschein machte und auf der Suche nach einem geeigneten Verein für den Einstieg war, kam eines zum anderen. Werner schlug seinem Kumpel den TC Würmsee vor, Brands war von der Idee schnell begeistert, und fertig war der Plan. Ein Besuch in Feldafing genügte. Der Ex-Profi betont: „Die Plätze sind gut, der See ist gleich in der Nähe, und man kann in Ruhe trainieren – mir hat’s hier sofort gefallen.“

Applaus und persönlicher Erfolg stehen nicht mehr im Vordergrund

Dass der gebürtige Niederbayer, der mittlerweile mit seiner Freundin in München wohnt, die große Tennisbühne gegen die beschauliche Anlage in Feldafing tauscht, ist für ihn kein Problem. „Die Zeit als Profi war top, aber jetzt zählen andere Dinge“, sagt Brands. Applaus und persönlicher Erfolg stehen nicht mehr im Vordergrund. Er hat die Seiten gewechselt, möchte Sportler fordern und fördern. „Ich versuche, das, was ich die letzten 20 Jahre gesehen und gelernt habe, weiterzugeben.“

Auf welchem Leistungsniveau sich sein Gegenüber dabei befindet, ist für Brands gar nicht mal so wichtig. Schon klar: Je höher das Level, desto mehr lässt sich an Feinheiten arbeiten, desto diffiziler und spannender wird auch der Trainerjob. Doch für den Wahl-Münchner haben auch Einheiten mit Anfängern ihren Reiz. „Du kannst sehr schnell sehr viel bewirken – das kann richtig Spaß machen“, sagt er. Entsprechend wichtig ist ihm zu betonen, dass sein Trainingsangebot beim TC Würmsee jedem zur Verfügung steht. Ob Mann, Frau, Kind, ambitioniert oder reiner Hobbyspieler – ganz egal. „Ich bin offen für alles.“

2013 stand Daniel Brands auf Rang 51 der Weltrangliste

Mit wem auch immer Brands letztlich auf dem Platz stehen wird – eines ist klar: Zu erzählen hätte der Niederbayer einiges. Der 1,98 Meter große Modellathlet blickt auf eine ereignisreiche Karriere zurück. Zwischen 2007 und 2019 zählte er über viele Jahre zu den besten fünf Tennisspielern Deutschlands, rangierte in der Weltrangliste zwischenzeitlich auf Platz 51 und stand regelmäßig im Hauptfeld der vier Grand-Slam-Turniere.

Am besten erging es ihm hierbei in Wimbledon. 2010 rauschte Brands regelrecht durch die erste Woche des legendären Rasenturniers, stand nach Siegen über Igor Andrejew, Nikolai Dawydenko und Victor Hanescu vollkommen überraschend im Achtelfinale. Als letzter verbliebener Deutscher war der eher zurückhaltende Brands plötzlich im Fokus der Medien und Tennisfans in der Heimat. „Schon eine besondere Situation“, sagt er. Doch gegen den späteren Finalisten Tomas Berdych endete das Märchen. Brands schied in vier Sätzen aus. „An dieses Match und diesen Tag denke ich trotzdem noch gerne zurück.“

Daniel Brands (3.v.l.) im Davis-Cup-Team mit (v.l.) Teamchef Carsten Arriens, Tommy Haas, Philipp Kohlschreiber und Florian Mayr.
Daniel Brands (3.v.l.) im Davis-Cup-Team mit (v.l.) Teamchef Carsten Arriens, Tommy Haas, Philipp Kohlschreiber und Florian Mayr. © Arne Dedert

Als Höhepunkt seiner Laufbahn bezeichnet Brands jedoch ein anderes Erlebnis. Juli 2013 war es, als ihm im schweizerischen Gstaad sein größter Sieg gelang. Der Gegner: niemand geringeres als Roger Federer. Doch von vorne. Schon zwei Wochen zuvor war der Rechtshänder in Hamburg erstmals auf den Tennis-Superstar getroffen. „Oh Mann, war ich da nervös“, räumt Brands heute ein. „Plötzlich spielst du gegen dein Idol.“ Doch er holte sich trotz der verdienten Niederlage zumindest einen Satz. Psychologisch Gold wert für die Neuauflage 14 Tage später. „Ich wusste, dass ich ihn mit meinem aggressiven Spiel vor Schwierigkeiten stellen kann.“ Zudem war die dünne Luft im auf 1300 Meter gelegenen Platz in Gstaad ideal für den Stil des Niederbayern. „Da werden die Bälle extrem schnell, das liegt mir.“

Also machte Brands, was er am besten kann. Hart aufschlagen und die Ballwechsel mit riskanten Angriffsschlägen kurz halten. Der Plan ging auf. Zwar konnten es weder der verdutzte Federer noch die vielen enttäuschten Fans im Stadion, die ihren Nationalhelden triumphieren sehen wollten, so wirklich glauben. Doch am Ende sprach die Ergebnistafel eine eindeutige Sprache. 6:3 und 6:4 für Brands – er hatte den womöglich besten Tennisspieler der Geschichte in dessen Heimat in die Schranken gewiesen. Darauf, sagt er, sei er „schon ein wenig stolz“. Typisch bodenständig. Typisch Brands.

Einen Mann mit solch einer Vita nun in seinen Reihen zu wissen, ist für Helmut Garrecht noch immer nicht so recht zu fassen. „Da hatten wir einfach richtiges Glück“, sagt der TC-Chef und lacht. Es ist nämlich wirklich kein Scherz: Daniel Brands und der TC Würmsee – das gehört künftig zusammen.

Anmeldung zum Schnuppertraining

Wer beim Schnuppertraining mit Ex-Profi Daniel Brands am Sonntag, 20. September, auf der Tennisanlage des TC Würmsee in Feldafing dabei sein möchte, kann sich per E-Mail anmelden an training@danielbrands.de. Eine Mitgliedschaft beim TC Würmsee ist nicht erforderlich.

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