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Sensibler Bereich: Zugang zu den Schließfächern hinter Feldafings Geschäftsstellenleiterin Kira Lang haben nur autorisierte Kunden. Hinter diesem kleinen Tresor ist der große Tresor mit dem Geld – zeitschlossgesichert.

Bankerin dreimal überfallen

Wie im Film? „Da muss ich immer lachen“

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Die Wahrscheinlichkeit, als Banker dreimal überfallen zu werden, ist so hoch wie die, vom Blitz... naja, die Feldafinger Sparkassenleiterin Kira Lang hat es erlebt.

Feldafing – Kira Lang steht in der Schalterhalle einer großen Mainzer Bankfiliale. Zusammen mit ihrer Kollegin, ebenfalls Auszubildende, baut sie einen Info-Stand auf. Ihre Kollegin sagt: „Es wäre mal interessant, einen Überfall mitzuerleben.“ Zehn Minuten später steht ein vermummter Mann vor Lang und sagt: „Überfall.“ Sie sieht eine Pistole unter seinem Mantel, er möchte Geld. Ohne etwas zu sagen, geht Lang zu einem Kollegen, der dem Räuber Geld aushändigt. Was da wirklich passiert ist, hat sie erst zwei Tage später realisiert.

2011 war das, Lang war noch im ersten Ausbildungsjahr. Bis sie 2015 nach Tutzing kam, wurde sie im heimischen Rheinland-Pfalz in anderen Filialen noch zwei weitere Male überfallen. Seit Dezember ist sie Geschäftsstellenleiterin der Kreissparkasse Feldafing. Ob die neuen Kollegen von ihrer Geschichte wissen? „Man spricht über sowas nicht so sehr“, sagt Lang. „Viele Mitarbeiter darf man darauf gar nicht ansprechen.“ Jeder geht anders mit dem um, was Lang „Berufsrisiko“ nennt. Auch verhält sich jeder Mitarbeiter nach einer solchen Extremsituation anders. Nachdem der Täter die Mainzer Filiale verlassen hatte, ging Lang eine Zigarette rauchen. Ein Kollege rannte dem Räuber hinterher. Zwei Straßen weiter wurde er von Polizisten gestellt. „Was mein eigenes Leben angeht, bin ich nicht so die Risikofreudige“, sagt Lang. „Der Schutz des Menschen ist am Wichtigsten.“

Immerhin: Das geklaute Geld ist versichert

Auch beim zweiten Überfall sah sie sich einer Waffe gegenüber. Ein Kundengespräch artete aus, der Mann zog plötzlich ein Messer und wollte Geld. Er bekam es. Geschnappt wurde er erst Monate später, weil er sich beim Überfall geschickt von den Kameras weggedreht hatte. Auch beim dritten Überfall zögerte Lang nicht. „Das lief innerhalb von zwei Minuten ab.“ Es war Faschingszeit. Der Täter kam als Clown verkleidet, mit Supermarkttüte. Lang kannte das Gefühl: „Wenn er vor dir steht, läuft ein Film ab. Man macht das, was er sagt, möchte es so schnell wie möglich beenden.“ Immerhin: Das geklaute Geld ist versichert. Und doch haben die drei Überfälle Lang in ihrer Arbeit verändert. „Ich bin nicht ängstlich. Aber man wird gründlicher, will kein Risiko eingehen.“

Lang kennt die Filme, in denen sich Bank-Mitarbeiter bei Überfällen zu echten Helden aufschwingen, etwa den Alarmknopf drücken. „Wenn dir der Täter gegenübersteht, wirst du den niemals drücken“, sagt sie aber. „Da bewegt man sich auf des Messers Schneide.“ Auch würden Täter eher leise agieren und nicht lauthals „Überfall“ schreien. Es gehe auch nie um konkrete Summen. „Man gibt ihm das, was da ist.“ Und einen Zentralschlüssel habe der Bankdirektor auch nicht in seinem Tresor. „Da muss ich immer lachen – das ist absolut realitätsfremd.“

„Aller guten Dinge sind drei“

Selbst als Geschäftsstellenleiterin brauche sie immer zusätzlich einen Kollegen, um an den schlüssel- und codegesicherten Tresor zu kommen. In Feldafing sei die Polizei zwar nicht innerhalb von zwei Minuten da, wie bei einer städtischen Filiale. Dafür gibt es aber ein Zeitschloss, das Geld aus dem Tresor nur verzögert freigibt. „Da bekommt keiner 50 000 Euro innerhalb von einer Minute.“ Daher betont Lang: „Unsere Filiale in Feldafing ist genauso gesichert wie eine in Starnberg oder München.“ Das Thema sei ihr nicht präsent. „Sonst würde mir die Arbeit keinen Spaß mehr machen.“

Die meisten Bank-Mitarbeiter gehen in Rente, ohne einen Überfall erlebt zu haben. „Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort“, sagt Lang und hofft: „Aller guten Dinge sind drei.“

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