Feldafing
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Nach Feldafing an den Starnberger See fließen 260 000 Euro aus Berlin - für ein ökologisches Vorzeigemodell.

260 000 Euro aus Berlin

Bund fördert Energiequartier Feldafing: Planer will „zeigen, dass Energiewende funktioniert“

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Rund 260 000 Euro zahlt der Bund für Feldafings Energiequartier. Die Förderung ist auch das Startsignal für das ökologische Vorzeigemodell, das im Jahr 2022 fertig sein soll. Mit dem Projekt sind allerlei weitere Klimaschutz-Pläne verbunden.

Feldafing – Es ist ein radikaler Klimaschutz-Ansatz für kommunale Bestandsgebäude, der da in Feldafing konkrete Züge annimmt. Im Landkreis Starnberg gibt es kein vergleichbares Projekt und darüber hinaus auch nur wenige. 302 Tonnen CO2 sollen pro Jahr eingespart werden – etwa so viel, wie sieben durchschnittliche, vierköpfige Familien im Jahr durch Stromverbrauch, Heizen, Autofahren, Reisen und Konsum ausstoßen. Die Rede ist vom geplanten Energiequartier (wir berichteten).

Eine neue Energiezentrale im Keller der Turnhalle soll im Laufe des kommenden Jahres auch die Bücherei, das Betreute Wohnen an der Bahnhofstraße, das Wohnhaus Schluchtweg 9 sowie Feuerwehrhaus und Kindergarten am Dr.-Appelhans-Weg mit Wärme und Strom versorgen. Die Planungen werden nun noch konkreter, denn sie haben das Startsignal aus Berlin erhalten. Die Bewerbung der Gemeinde beim Förderprogramm „Kommunale Klimaschutz-Modellprojekte“ des Bundes war erfolgreich, 260 400 Euro fließen nach Feldafing.

„Die Gemeinde beweist damit einmal mehr ihre Vorbildfunktion als öffentliche Hand“, sagt der Wahlkreis- Bundestagsabgeordnete Michael Kießling (CSU). Bürgermeister Bernhard Sontheim freut sich: „Mit dem Zuschuss können wir ein umfassendes Energieversorgungskonzept umsetzen und damit einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Energieeffizienz leisten, ohne dafür Mehrausgaben zu haben.“ Und auch Arthur Dornburg aus Berg ist voller Vorfreude: „Jetzt können wir richtig loslegen“, sagt Dornburg, der die Münchner Firma Bluemove-Consulting leitet und im Auftrag des Feldafinger Kommunalunternehmens Pewu das ökologische Vorzeigemodell plant.

Kein Gaskessel, kein Erdgas-Einsatz - dafür zwei Blockheizkraftwerkskessel

Sein Konzept: kein Gaskessel und kein Erdgas-Einsatz mehr, stattdessen zwei neue, effiziente Blockheizkraftwerkskessel (BHKW) sowie Fotovoltaikanlagen auf den Dächern der Gebäude. Die ohnehin anstehende Sanierung der Turnhalle bietet die Gelegenheit dafür. Die Planungen sollten Hand in Hand gehen, erklärt er. „Für die richtige Wärmebilanz müssen wir wissen, wie der Gebäudezustand hinsichtlich der Dämmung sein wird.“ Zwar haben Dornburg und Co. vier Jahre Zeit, um das Fördergeld einzusetzen. Das erste BHKW könnte laut dem Planer aber schon nächstes Jahr in Betrieb gehen. Rund 900 000 Euro soll das Ganze kosten. Darin enthalten ist nicht nur die Energiezentrale, sondern auch die komplette technische Sanierung der Gebäude, die Heizkörper und die Lüftungsanlage.

Dornburgs Wunschvorstellung: Die PV-Anlagen auf den Dächern versorgen die Häuser mit Strom, damit möglichst viel Überschuss von den BHKWs bleibt. Denn mit dem Projekt gehen noch weitere Klimaschutz-Überlegungen einher, vor allem im Bereich Mobilität. So könnten eines Tages Elektro-Busse des Landkreises am Feldafinger Energiequartier aufgeladen werden. Weitere E-Ladesäulen im Umfeld und der gemeinsamen Tiefgarage von Turnhalle und Betreutem Wohnen könnten entstehen. Im Förderantrag hieß es außerdem: „Im Rahmen der Detailplanung wird optional der Einsatz von Wasserstoff geprüft.“ Im Allgäu betreut Dornburg ein Modellprojekt zur Wasserstoffproduktion und -nutzung in der Region. Er kennt sich also aus.

Überhaupt ist er gefragt in der Szene der nachhaltigen Gebäudebauer. Dornburg war unter anderem beim Kö-Bogen II in Düsseldorf involviert – ein Einkaufszentrum, dessen Hülle aus 30 000 Pflanzen besteht. Das Projekt in der Heimat ist für ihn relativ klein. Für regionale Heizungsbauer könnte es aber eine Nummer zu groß sein, das hätten erste Recherchen gezeigt. „Die bewegen sich eher in der Kategorie Einfamilienhaus“, sagt er. Die Ausschreibung der Arbeiten steht bevor, für den Planer ist aber schon jetzt klar: „Anhand des Energiequartiers kann man zeigen, dass die Energie- und Mobilitätswende funktioniert.“

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