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Das Bundeswehrgelände in Feldafing ist 31 Hektar groß.

Alles auf einen Blick

Bundeswehr-Areal in Feldafing: Das sind die weiteren Pläne der Gemeinde

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Die Feldafinger verfolgen die Pläne für das Kasernengelände mit großem Interesse. Weit mehr als 100 Anregungen und Fragen aus der Bürgerschaft, zusammengefasst auf 33 Seiten, behandelte der Gemeinderat am Dienstag in einer knapp dreistündigen Sondersitzung.

Feldafing – Die Feldafinger machen sich viele Gedanken zur Konversion und zur künftigen Gestaltung des Kasernenareals. Aus den Bürgeranfragen und -einwendungen waren Gestaltungswille und Aufbruchstimmung herauszulesen, aber auch Ängste, die mit der Entstehung eines völlig neuen Viertels einhergehen. Die Bürger denken über die Finanzierung nach, über mögliche Wohnformen und die verkehrliche Gestaltung, damit das neue Quartier keine Trabantenstadt wird. Das Rathaus hatte den ermittelten Bedarf für das Areal – Wohnen, Gewerbe, Kultur, Sport und ein Fünf-Sterne-Hotel – im Juli nochmals öffentlich vorgestellt. Am Dienstag behandelte der Gemeinderat die Anregungen der Bürger. Alle wurden beschlossen oder zur Kenntnis genommen, fast alle einstimmig.

Weit mehr als 100 Anregungen erreichten das Rathaus. Zum Teil stammten ihre Anregungen aus der Bürgerversammlung im Juli, zum Teil hatten sich Bürger schriftlich im Rathaus gemeldet. Auch der umfangreiche Antrag der Grünen zum Kasernenareal vom Mai wurde berücksichtigt. Die Rathausverwaltung und die beteiligten Planungsbüros hatten für die Vorbereitung der Sitzung die Anregungen thematisch zusammengefasst. So las Bürgermeister Bernhard Sontheim am Dienstagabend in einer Sondersitzung 33 Seiten vor – es war ihm wichtig, dass jede Einwendung öffentlich zur Sprache kam. „Stellt Euch auf eine lange Sitzung ein“, sagte Bürgermeister Bernhard Sontheim zu seinen Ratskollegen. „Ich finde, das sind wir den Bürgern schuldig.“

Zeitplan

Der Zeitplan beschäftigt die Bürger – schließlich ist der Zeitpunkt der geplanten Übergabe des Areals in den vergangenen Jahren immer weiter nach hinten gewandert. Zuletzt im August, als das Verteidigungsministerium angekündigt hat, einen Teil des Feldafinger Kasernengeländes bis 2027 weiter nutzen zu wollen. Sontheim unterstrich, dass die Gemeinde die Bürgerbeteiligung, die im Rahmen der Vorbereitung einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme für das Gebiet der Fernmeldeschule stattfand, ordnungsgemäß zu Ende führen wolle. „Auch wenn die Bundeswehr auf einem Teil des Areals weiter bleibt, verändert sich ja nicht grundsätzlich die Situation.“

Die Frage nach dem Zeitplan und einer eventuellen weiteren Verzögerung beantwortete dies nicht. Eigentlich wolle die Bundeswehr Ende 2020 abziehen, so Sontheim. Ob das klappt, hängt von den Verhandlungen ab, wie die teilweise Weiternutzung des Geländes erfolgen kann. Über diese Verhandlungen wollte der Rathauschef keine Auskunft geben. „Wir haben absolutes Stillschweigen vereinbart, damit man auch über gspinnerte Ideen reden kann. Ergebnisse soll es im Frühjahr geben.“

Ist die Gemeinde nun an den ermittelten Bedarf von Wohnen, Gewerbe, Kultur und gehobener Hotellerie gebunden? Ja, antwortete der beratende Rechtsanwalt Florian Rixner, das sei der ermittelte Bedarf. „Nur daran können wir uns orientieren. Sonst werden wir angreifbar.“

Zweifel an Luxushotel

Zweifel hatten Bürger und auch CSU-Gemeinderat Roger Himmelstoß an der Notwendigkeit eines Fünf-Sterne-Hotels. „Ich fände es gut, wenn wir uns begrifflich nicht so einengen würden“, sagte Himmelstoß. „Besser wäre: ein Beherbergungsbetrieb im gehobenen Bereich – für ein Fünf-Sterne-Business-Hotel fehlen uns die Einkaufsmöglichkeiten wie eine Maximilianstraße in München, und für ein Freizeithotel die Fläche für ein Resort.“ Planerin Dr. Heike Piasecki sagte, dass die fünf Sterne durch die gehobene Lage begründet seien. Sontheim ergänzte: „Wir ermitteln nicht den Betreiber, wir ermitteln die Marktsituation.“

Verkehr

Viele Anfragen drehten sich um den Verkehr. Ob es wirklich zwei Kreisverkehre in dem neuen Quartier brauche, ob die Zusatzbelastung für die Staatsstraße nicht zu hoch sei. Ja und nein, so die Stellungnahme der Verwaltung. Zwei Kreisel seien wichtig, um im Falle einer Störung den Verkehrsfluss im Viertel zu gewährleisten. Die Auslastung der Staatsstraße liege bei 5500 bis 6000 Fahrzeugen, sie könne bis zu 18 000 aufnehmen. „Das wäre dann echt heftig für Garatshausen“, merkte Ortssprecherin Imke Schmid an.

Skepsis war aus der Anfrage über Kosten und Nutzen des geplanten Skywalks herauszuhören. Angaben dazu konnte die Verwaltung noch nicht machen. Diese Nord-Süd-Wegeverbindung für Radler und Fußgänger sei barrierefrei, sagte Sontheim und nannte die Stadt Wassertrüdingen als Vorbild. „Die haben es geschafft, einen behindertengerechten Weg mit sechs Prozent Steigung zu bauen.“ Der Golfplatz werde bei der Planung berücksichtig. Weitere Ideen aus der Bürgerschaft waren ein zentrales Parkhaus – das möglich wäre – und ein weiterer S-Bahn-Halt – das ging nur, wenn der jetzige aufgegeben würde.

Wohnen und Gewerbe

Der Forderung nach flächenschonendem Geschoßwohnungsbau begegnet die Gemeinde. „Schwerpunkte der Entwicklung sind die denkmalgerechte Umnutzung des erhaltenswerten Gebäudebestands – die Sturmblockhäuser – und in Ergänzung dazu flächensparende, generationenfreundliche Bauformen“, sagte Sontheim. Dagegen wandte sich Maximiliane Gerber (BGF), die für Einzel- und Doppelhäuser plädierte.

Wie viele Menschen irgendwann im neuen Viertel wohnen, konnte die Verwaltung nicht sagen. Aufgrund desôL Wachstums bestehe bis 2035 ein Bedarf von 566 Wohneinheiten. Und bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum werde auch über Formen wie Genossenschaftswohnbau nachgedacht.

Eine Anfrage forderte, Fehler wie im Wielinger Gewerbegebiet mit „unverhältnismäßig großer Bebauung“ zu vermeiden und nur sanftes Gewerbe, kleine Handwerksbetriebe und Einzelhandel zuzulassen.

Klimaschutz

Wichtig war dem Gemeinderat die Klimaneutralität. Dr. Franziska Matthies-Wiesler (AUF) forderte eine deutliche Formulierung dieses Ziels, dem Sontheim gerne folgte. „Ich werde alles tun, damit wir vielleicht sogar ein Modellgebiet daraus machen können.“

Vereine und Soziales

Die Vereine und örtlichen Gruppierungen sollen Flächen auf dem Areal bekommen, konkret wurden Nachbarschaftshilfe, sechs Indoor-Tennisplätze, ein Schützenheim und Imker sowie ein Jugendzentrum genannt. Diese Wünsche würden berücksichtigt, so die Verwaltung. „Die Finanzierung einer Tennishalle obliegt dem Verein, nicht der Gemeinde“, unterstrich Sontheim.

Dem Wunsch nach Erhalt der Schwimmhalle erteilte der Gemeinderat eine Absage – zu teuer. Gewünscht werden auch Treffpunkte für Menschen aller Altersstufen. und die Stärkung der Naherholung statt des Ferntourismus.

Kosten und Geschichte

Ein Hinweis auf die Geschichte des Areals mit seiner NS-Vergangenheit war einigen Bürgern wichtig. Ein anderer fragte nach, warum die Sturmblockhäuser erhalten bleiben müssten. Weil sie denkmalgeschützt sind.

Ein Bürger schlug vor, dass eine Stiftung die Konversion finanziell begleiten könnte. Ein anderer wollte wissen, ab wann die Gesamtkosten einsehbar seien. „Irgendwann“, sagte Rixner. „Das können wir jetzt nicht festlegen.“

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