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Drei Verantwortliche und der Enigma-Schatz (v.l.): Manfred Kienzle, Hauptmann Wolfgang Schmidt und Oberst Gerald Schreiber präsentieren im Themenraum Kryptologie die legendäre Chiffriermaschine. Das Zimmer ist einer von 13 Themenräumen, die die Bundeswehr nun verstärkt der Öffentlichkeit zugänglich machen will.

Feldafing

Bundeswehr macht Schätze öffentlich

Die Schule Informationstechnik der Bundeswehr in Feldafing hat in den vergangenen Jahrzehnten knapp 3000 Exponate der Fernmeldegeschichte gesammelt. Die Geräte, Uniformen und Dokumente aus mehr als 130 Jahren will die Bundeswehr nun in den Fokus der Öffentlichkeit rücken.

Feldafing – Es ist ein Schatz, der sich da in Feldafing befindet – „einmalig in Deutschland“, sagt Oberst Gerald Schreiber, stellvertretender Kommandeur der Schule Informationstechnik der Bundeswehr in Feldafing. Der Schatz besteht aus Telefonen und Fernschreibern, aus Funk- und Fernmeldegeräten, aus den legendären Enigma-Chiffriermaschinen, aus großen Gefechtsstandkabinen, aus Uniformen, Fahnen und Orden. Viele der Geräte sind voll funktionsfähig, was den Schatz noch bemerkenswerter macht. Aber er liegt im Verborgenen – was vielleicht auch am eher spröden Namen der Schatzkammer liegt: „Lehrsammlung für Nachrichten-, Fernmelde-, Informationstechnik“ steht über dem Sturmblockhaus Vb auf dem Gelände der General-Fellgiebel-Kaserne.

Rund 1000 Besucher haben sich die Sammlung in diesem Jahr angeschaut, nur jeder Vierte von ihnen war Zivilist. Ein paar Ingenieure waren darunter, Gymnasiasten aus Weilheim, die Teilnehmer zweier Kurse der VHS Starnberger See. Zwar bedeuten diese 1000 Besucher Rekord – aber den will die Bundeswehr nun ausbauen.

Die Bundeswehr will für die Ausstellung werben

„Wir wollen proaktiv für die Ausstellung werben“, sagt Hauptmann Wolfgang Schmidt (52), der sich seit sechs Jahren um die Sammlung kümmert. Ihm zur Seite steht Manfred Kienzle (76) aus Tutzing. Der gelernte Radio- und Fernsehtechnikermeister hat selbst vier Jahrzehnte lang an der Bundeswehrschule gelehrt und ist bis heute gefragt, wenn es darum geht, alte Geräte wieder zum Laufen zu bringen. So war es auch Kienzle, der gleich drei ausgestellte Enigma-Maschinen restauriert hat. Jene legendären Chiffriermaschinen aus dem Zweiten Weltkrieg gehören zu den bedeutendsten der insgesamt knapp 3000 Stücke umfassenden Sammlung, von denen 2000 mittlerweile erfasst sind. Dabei reicht die Palette vom ältesten Gerät, einem Wandfernsprecher von Siemens & Halske aus dem Jahr 1885, bis zum Mobiltelefon. „Ich bin stolz auf die Sammlung“, sagt Kienzle.

Die Anfänge gehen in die 1960er Jahre zurück

Die Anfänge gehen bis in die Mitte der 1960er Jahre zurück, als der damalige Hauptmann Falley den Grundstock für die Lehrsammlung legte. Richtig Schwung in die Sache kam aber erst durch Hauptmann Schmidt. Die Geräte stellenweise aus Kellerräumen hervorholen, sie erfassen, auf Vordermann bringen, in thematische Zusammenhänge bringen, schließlich Ausstellungsräume zusammenstellen – darum kümmert sich der 52-Jährige. „Aus einer Ansammlung von Geräten ist eine Sammlung geworden“, freut sich Schmidts Vorgesetzter, Oberstleutnant Igor Asl. 13 Themenräume hat Schmidt angelegt, darunter auch einige über die Standortgeschichte. Ein Raum behandelt die Geschichte des Displaced-Persons-Camps, in dem nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem befreite KZ-Häftlinge untergekommen waren. Ein anderer würdigt den Namensgeber der Kaserne, General Erich Fellgiebel, der zu den Widerstandskämpfern des 20. Juli 1944 gehörte.

Wer sich für eine Führung durch die Lehrsammlung für Nachrichten-, Fernmelde-, Informationstechnik der Bundeswehr in Feldafing interessiert, kann sich bei Hauptmann Schmidt unter (0 81 57) 2 73 25 71 melden.

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