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Interessiert ließen sich die Teilnehmer der Coworking-Veranstaltung am Montag durch das Kasernengelände in Feldafing führen. Nach der Aufgabe des Standorts könnte hier gemeinsam gearbeitet werden.

Kaserne Feldafing

Hipster-Hippies statt Soldaten?

Feldafing - „Coworking“: Ist das die neue Arbeitswelt? Da gibt es ein großes Miteinander vieler Menschen, keiner ist mehr für sich allein. So ein Modell ist nun auch fürs Feldafinger Bundeswehrgelände im Gespräch.

„Zusammenarbeiten“ könnte man sagen. Aber heutzutage wählt man eher englische Bezeichnungen – also „Coworking“. So werden neue Formen des Arbeitslebens genannt, bei denen junge Unternehmer, Künstler und andere Freiberufler in meist größeren Räumen ihren Beschäftigungen nachgehen. Menschen, die sonst in ihren eigenen vier Wänden allein wären, werden so Teile von Gemeinschaften.

Eine Veranstaltung der Starnberger Wirtschaftsfördergesellschaft gfw im Bürgersaal des Feldafinger Rathauses war am Montag ganz diesem Thema gewidmet. Aus gutem Grund: Auf dem mehr als 30 Hektar großen Bundeswehrgelände könnte man nach dem Abzug der Soldaten vielleicht so ein Modell entwickeln, sagte gfw-Chef Christoph Winkelkötter.

Das Militärareal wurde auch gleich zu Beginn besichtigt, und Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim zeigte sich angetan: „Ich denke, dass Coworking eine erhebliche Rolle spielen wird.“ Kenner waren eingeladen worden, unter ihnen Betreiber bereits existierender Coworking-Projekte.

Immer mehr von denen sprießen förmlich aus dem Boden, berichtete Klaus-Peter Stiefel vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart, Mitautor einer Studie „Faszination Coworking“. Auch im Landkreis Starnberg und seiner Umgebung gibt es schon etliche solcher Modelle, so „Friendsfactory“ in Starnberg, das „Impact Plaza“ in Wörthsee, das „Institut für Form und Farbe“ in Herrsching, das Atelierhaus Krailling, das Tonstudio Schloss Seefeld, das „Denkerhaus“ und das „Gewerkhaus“, beide in Dießen.

Angebote und Strukturen sind unterschiedlich. So legen die einen den Schwerpunkt stark auf die Kunst, so etwa die Reismühle Gauting oder die Kunstbaracke in Gräfelfing. Andere spannen den Bogen weiter zu ganz verschiedenen Branchen.

Mittlerweile gibt es sogar bei manchen Unternehmen mit „Raumüberschuss“ Überlegungen, Arbeitsplätze für andere anzubieten, so etwa bei Ulenspiegel Druck in Machtlfing, wie Geschäftsführer Christoph Merk bestätigte. Auch die Preise sind nicht einheitlich. Mal werden für einen Arbeitsplatz 200 Euro monatlich verlangt, mal das Doppelte, sagte Stiefel – und manchmal koste es gar nichts. So etwas kann sich Bürgermeister Sontheim auch auf dem Bundeswehrgelände vorstellen – unterstützt von der Gemeinde.

Unterschiedliche Auffassungen gibt es auch über die sinnvollste Art der Arbeit. Oft wird für soviel Gemeinschaft wie möglich plädiert, um Inspiration, Gedankenaustausch und neue Netzwerke zu ermöglichen. Er habe viele interessante Menschen kennengelernt, sagte Benedict Padberg, Betreiber des Wörthseer Impact Plaza. Sontheim fühlte sich ein wenig an den „Love-and-Peace“-Ansatz der 1960er Jahre erinnert.

Die anderen halten jedoch Rückzugsmöglichkeiten für notwendig – ganz „spießig“, wie in den guten alten, ganz normalen Büros. Für diese Richtung plädierte ausgerechnet einer, den man zu den Vorreitern der Coworking-Bewegung zählen kann: Gregor Gebhardt, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Friendsfactory AG in München, die an mehreren deutschen Standorten für derartige Projekte bekannt ist. In Starnberg betreibt sie neben dem Hotel Vier Jahreszeiten 40 Büros, in denen zurzeit etwa 120 Leute tätig sind. Sie alle trinken gern hin und wieder zusammen Kaffee, sagte Gebhardt, gehen aber anschließend lieber wieder zurück in ihr Büro.

Dass alle zusammen an einem langen Tisch arbeiten, folgerte er, „funktioniert nicht.“ Hier Stress mit der Freundin, dort Gespräch mit Steuerberater oder Kunden – in all solchen Fällen sei es wichtig, allein zu sein.

Manche der Coworking-Modelle haben aber überhaupt keine geschlossenen Büros. „Was, wenn ein oder zwei Stinkstiefel dabei sind?“ fragte Bürgermeister Sontheim. Fraunhofer-Experte Stiefel nüchtern: „Damit muss man umgehen können.“

Von Lorenz Goslich

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