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Traumbüros in Feldafing: Sylvia und Dr. Andreas Bienert im lichtdurchfluteten Erdgeschoss der Diamantschleiferei, in dem momentan mehrere Büros, Co-Working-Stationen und Gemeinschaftsräume eingerichtet werden.

Diamantschleiferei

Der Investor, der Sozialismus und das Baurecht

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Der Zankapfel steht mitten in der Koempelstraße in Feldafing, einer schmucken Wohnsiedlung. In der ehemaligen Diamantschleiferei will die Firma Pronesta seit Jahren Wohnung einrichten. Bislang scheiterte sie bei der Genehmigung. Nun soll ein neuer Anlauf genommen werden.

Feldafing – Der riesige, sonnendurchflutete Raum ist komplett leer. Farbige Markierungen deuten an, wo künftig Trockenbauwände aufgestellt werden sollen. Aber noch herrscht die Ruhe vor dem Sturm, als Dr. Andreas Bienert und seine Frau Sylvia durch das Erdgeschoss der ehemaligen Diamantschleiferei in Feldafing führen. Ein einsamer Mitarbeiter pinselt Wände und Decken weiß, während Bienert erklärt, was hier entstehen soll.

„Wir bauen hier die besten Büros im Landkreis Starnberg“, verspricht er und führt zu einem Designertisch, der im komplett leeren Raum steht. Farbpaletten liegen hier, Muster für den Dielenboden, frische Blumen. Bienerts Firma Pronesta hat das leerstehende Werk im Jahr 2013 erworben. Und führt seitdem einen endlosen Kampf um die Umnutzung.

„Ursprünglich wollten wir im gesamten Gebäude Wohnungen einrichten. Mit dem alten Gemeinderat waren wir uns darüber einig, nach der Wahl führte dann auf einmal kein Weg mehr hin“, sagt Andreas Bienert. Das sieht Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim ganz anders: „Herr Dr. Bienert kann oder will nicht verstehen, dass es nicht der Gemeinderat war, der sein ursprüngliches Bauvorhaben nicht genehmigt hat, sondern dass es schlichtweg aufgrund des Baugesetzbuches keine Möglichkeit gab, diese seine Pläne in Form eines B-Planes umzusetzen“. Wäre das Vorhaben in der ursprünglich beantragten Form genehmigt worden, „musste befürchtet werden, dass durch sein Bauvorhaben das Baurecht in der Umgebung deutlich ansteigt, was der Gemeinderat aus nachvollziehbaren Gründen unter allen Umständen vermeiden wollte.“ Bedeutet konkret: Wenn man Bienerts Firma erlauben würde, in der ehemaligen Fabrik in Größenordnungen Geschosswohnungsbau zu betreiben, könnten auch die Nachbarn daraus das Recht ableiten, mehr Wohnfläche zu beanspruchen. Und das will die Gemeinde nicht.

Bienert schuf derweil 2014 Tatsachen, als er das Gebäude der Regierung von Oberbayern zur Unterbringung von Asylbewerbern zur Verfügung stellte. Später übernahm der Landkreis die Einrichtung und quartierte bis Januar dieses Jahres insgesamt 110 Flüchtlinge in Feldafing ein. Mittlerweile ist das Gebäude leergezogen und Bienert wagt einen neuen Anlauf. Im Erdgeschoss will er Büros einrichten, aber auch so genannte Co-Working Stationen. Einen gemeinsam genutzten Empfang, eine gemeinsame Küche, einen gemeinsamen Konferenzraum. Wer mag, der könne sich auch einfach zeitweise nur einen Schreibtisch im Gemeinschaftsbereich mieten, so der Investor. Im Juni sollen die ersten Unternehmen einziehen. Parallel dazu hat er allerdings bei der Gemeinde einen neuen Vorschlag zur Änderung des Bebauungsplanes eingereicht.

Im Obergeschoss will er insgesamt 16 kleine Ein- oder Zweizimmerwohnungen einrichten. „Ich habe meine sozialistische Ader entdeckt“, sagt Bienert und schaut dabei ernst. Es gehe ihm darum, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Rund 500 Euro soll eine der Einzimmerwohnungen kosten. Wohlgemerkt: 500 Euro für 23 bis 25 Quadratmeter Wohnfläche. Dafür gäbe es dann eine gemeinsam nutzbare begrünte Dachterrasse und Ladestationen für Elektrofahrräder im Hof. Dazu würden zwei große Loftwohnungen im Dachgeschoss und die ehemalige Dienstwohnung, die über mehrere Etagen geht, kommen.

Wenn denn der Gemeinderat und die Bauaufsicht dem neuen Plan zustimmt. „Wir haben das an unseren Architekten gegeben, der wird das prüfen“, meinte gestern dazu Bürgermeister Bernhard Sontheim. Mehr wollte er zu diesem Thema aber derzeit nicht sagen.

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