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Doppelgespann: Stefan Seerieder (l.) und „Hermann“ Zillner bieten Ausflüglern, Gruppen und Hochzeitsgesellschaften Überfahrten zur Roseninsel an.

Fahrten zur Roseninsel

„Ein besonderer Ort, der Magie ausstrahlt“

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Ab 1. Mai fahren Bernhard Zillner und Stefan Seerieder mit ihrer Zille wieder Gäste zur Roseninsel. Für das Team ist es die zweite Saison nach der Ära von Norbert Pohlus. 

Pöcking – Bei seinen ersten Fahrten im Mai 2016 war Bernhard Zillner nervös. Zwölf Meter ist seine Zille lang, etwa drei Tonnen schwer. Beim Anlegen kann es da schnell eng werden, die Strömung ändert sich gerne mal. Der Gondoliere, den alle „Hermann“ nennen, berichtet: „Viele Dinge waren neu für mich. Das ist ja kein Beruf, den man erlernen kann.“ Mittlerweile kennt der Pöckinger die Schwierigkeiten auf der Strecke vom Glockensteg zur Roseninsel auswendig.

Mit seinem Partner Stefan Seerieder übernahm er im vergangenen Jahr die Nachfolge von Norbert Pohlus. Der transportierte über 30 Jahre lang Gäste zur einzigen Insel im Starnberger See. Seerieder und Zillner haben ihre erste Saison gemeistert. Bis zu 30-mal am Tag fuhren sie Gäste vom Ufer zur Roseninsel. „Wir genießen das Drumherum, den Blick auf die Berge und die Insel“, schwärmt Zillner. Ob sich das Vergnügen nicht irgendwann abnutzt? Da muss Zillner lachen. „Monotonie kommt da nicht auf. Ich habe davor 30 Jahre lang im Büro gearbeitet.“

Die eine im Pettycoat, der andere im Frack 

Die Arbeit als Fährmann „macht mir viel Freude. Die unterschiedlichsten Leute kommen auf die Insel“. Besonders interessant seien dabei die Hochzeitsgesellschaften. „Manche kommen dann im Petticoat, andere mit Frack und Zylinder.“ 70 Hochzeitsgesellschaften kommen etwa in der Saison von 1. Mai bis 15. Oktober. Wenn die Paare den schönsten Tag ihres Lebens feiern, darf kein Fehler passieren. „Da war ich bei den ersten Fahrten nervös. Aber meistens ist das Paar noch nervöser.“

Wenn Zillner dann über die Geschichte der Roseninsel erzählt, beruhigt das die Fahrgäste. Und sie bekommen zu hören, wie bedeutend der Ort ist. „Das ist nicht nämlich irgendein Standesamt in einer Münchner Nebenstraße.“ Vor allem aber kommen einzelne Ausflügler, Schulklassen oder Gruppen wie die vom Gartenbauverein. „Im Mai und Juni kommen viele wegen des Rosengartens“, erzählt Zillner. „Die Rosen sind zum Teil 200 Jahre alt und duften ganz toll.“

Besucher aus allen Erdteilen

Wieder andere planen den Besuch am Starnberger See ein, weil die Roseninsel wie auch Schloss Neuschwanstein einfach zur Geschichte von König Ludwig gehört. „Aus allen Erdteilen kommen Besucher, in allen Altersklassen. Und jede Gesellschaft hat was Interessantes zu bieten.“ Egal ob aus Australien, China, Mexiko, oder Bayern: Gerne hört sich Zillner die Geschichten an. „Schade ist nur, dass die Gesichter viel zu schnell kommen und wieder gehen.“ Fünf Minuten dauert die Fahrt auf der 170-Meter-Strecke nur. Zillner ist sie schon als Kind geschwommen. „Ich habe den See schon immer geliebt.“ Und besonders die Roseninsel. „Ein ganz besonderer Ort, der Magie ausstrahlt.“ Die Insel strahle auf die Menschen eine große Ruhe aus – auch in der heute so hektischen Zeit.

Neues Angebot für behinderte Fahrgäste

Damit das auch Leute genießen können, die die Abfahrt am Glockensteg nicht mehr gut erreichen, haben Seerieder und Zillner heuer ein neues Angebot. Am Telefon hören sie immer wieder Erzählungen von älteren Menschen, die als Herzenswunsch ein letztes Mal die Roseninsel sehen wollen. Besucher mit mobilen Einschränkungen und Rollstuhlfahrer, für die der Weg zum regulären Fähranleger zu beschwerlich ist, können daher an bestimmten Terminen von der Slipanlage des Hotels und Restaurants „Forsthaus am See“ abgeholt werden.

An folgenden Terminen warten die Gondolieri mit ihrem Fahrgastschifferl einmal im Monat und bei Nachfrage um 11 Uhr dort (Rückfahrt von der Insel ist um 13 Uhr): 30. Mai, 27. Juni, 25. Juli, 9. August, 13. September und 11. Oktober. Um Voranmeldung wird dringend gebeten: Kontakt@roseninsel.bayern.

Die Kosten für Hin- und Rückfahrt betragen pro Person 4 Euro. Ansonsten gelten die üblichen Fahrtzeiten, nachzulesen auf www.roseninsel.bayern. Zillner sagt: „Wir fahren auch bei Regen – nur bei einer Sturmwarnung nicht.“ Wobei der Fährmann mittlerweile selbst das wohl meistern würde.

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