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Schätzen die Ruhe und den Ausblick: Joanna Twardy (r.) und ihr Sohn Lenard (vo.) zeigen ihren Freunden Joanna, Antoni (2) und Martin aus Polen den Starnberger See.

Kioske im Fünfseenland

Fast wie aus der Zeit gefallen

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Der schönste Tag am See ist nichts, wenn einem der Magen knurrt und die Kehle austrocknet. Ein Glück, dass es im Fünfseenland so viele tolle Kioske gibt. Die schönsten und spannendsten stellen wir in unserer Sommerserie vor. Heute: der Kiosk im Freibad Garatshausen.

Garatshausen Am Kiosk von Klaus Eisele scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Allein schon wegen dieses Bierpreises: Die Halbe Augustiner in der Flasche kostet 1,75 Euro. Es ist ruhig, der Betrieb ist an diesem schönen Donnerstagmittag übersichtlich, ein paar Familien mit Kindern und viele Rentner sind da. Wir sind im kommunalen Strandbad in Garatshausen und hier ist alles aufs Wesentliche reduziert. Vieles gibt es nicht: Musikbeschallung, Trampolin für Kinder, frisch gemixte Cocktails. Es gibt absolut keinerlei Schnickschnack. Das ist das große Plus dieses Kiosks. Denn er bietet das unverfälschte Konzentrat: Getränke, Würstl, Pommes, Kaffee und Kuchen. Alles, was man für einen gelungenen Tag am See braucht.

Die Liegefläche im gemeindlichen Freibad in Garatshausen, wie es auf der alten Badeordnung von 1991 genannt wird, ist übersichtlich. Es gibt eine gekieste Fläche mit mehreren Tischen und Stühlen für die Gäste, drei Stege und vor allem: diesen wunderbaren Ausblick. Auf den Starnberger See, auf Tutzing und die Bergkette.

Frühstück mit Kaffee von Klaus

„Einmal Menü 1 bitte!“ Christine Ziep steht am Tresen und lächelt den Pächter an. „Guten Morgen, Christine“, antwortet der ruhig und aufgeräumt, dreht sich um und holt ein Päckchen aus der Tiefkühltruhe, das er in die Mikrowelle legt. „Pommes mit Wiener“, erklärt Christine Ziep. Sie ist aus Tutzing und hat gerade ihren Urlaub im Garatshauser Freibad verbracht. „Wir sind eine ganze Clique, wir sind immer am selben Platz, dort unten links. Am Wochenende frühstücken wir hier, bringen das Essen mit und holen uns beim Klaus den Kaffee.“ Es sei einfach schön hier. „Das ist wie am Gardasee.“

Der Kiosk im Garatshauser Freibad wird von vielen Stammgästen besucht.

Dass es so schön ruhig ist, ist mit Sicherheit auch der Badeordnung geschuldet, die die Gemeinde Feldafing 1991 erlassen hat. Darunter die Regel, dass man keine Seife oder Waschmittel benutzen und keine Tiere mitbringen darf. Zelten, Ballspielen, am Steg anlegen, Grillen oder offenes Feuer sind verboten. Und auch „der laute Betrieb von Kofferradios und Tonwiedergabegeräten“. Unterzeichntet von Bürgermeister Günter Gerhardt.

Schlemmergäste aus Polen

Seit Erlass der Badeordnung hat sich nicht viel getan. Das ist ganz im Sinne der Gäste und von Eisele, der den Kiosk im Freibad in dritter Generation betreibt. „Mein Großvater hat ihn 1953 übernommen, dann mein Vater und jetzt ich.“ Viel reden will er gar nicht über sein Geschäft. „Ich brauche keine Publicity.“

Ein paar Autos von auswärts stehen auf dem Parkplatz, ansonsten sind es Einheimische wie Christine Ziep oder die Familie Twardy. Mutter Joanna ist mit dem knapp einjährigen Sohn Lenard und Freunden aus Polen da. „Von Traubing, wo wir wohnen, ist Garatshausen das nächste Strandbad“, sagt Joanna Twardy. Eine Gruppe braungebrannter Männer sitzt beim Bier an den grünen Tischen. Ein Stammtisch, der im Freien tagt. Ein Stück Heimat, das sich nicht verändert.

Das steht auf der Speisekarte

Das kulinarische Angebot am Kiosk von Klaus Eisele ist wie das Strandbad: konzentriert auf das Wesentliche. Dabei sind die Preise sensationell. Die Tasse Kaffee kostet 1,30 Euro, der Tee auch. Die Halbe Augustiner oder Andechser Helles liegt bei 1,75 Euro. Antialkoholisches ist günstiger. Für die kleine Cola (0,33 Liter) verlangt der Kiosk-Pächter 1,50 Euro. Ein großes Wasser (0,5 Liter) liegt bei 1,45 Euro.

Zu essen gibt es eine Auswahl an Würstl – Wiener oder Bockwurst oder Knackwürste –, die 2 Euro kosten. Ein Paar Knackwürste kostet 2,60 Euro, wer eine Semmel dazu möchte, legt nochmal 35 Cent zusätzlich auf den Tisch. Für die Portion Pommes bezahlen die Gäste 2 Euro. Zum Kaffee gibt es jeden Tag einen Kuchen. Dessen Preis beginnt bei 1,80 Euro und variiert, je nach Angebot. Und Eis und Kekse gibt es natürlich auch. Der Eintritt ins Strandbad Garatshausen ist frei.

Unsere Kiosk-Serie im Sommer.

Bisher erschienen sind die Kioske in Possenhofen und Steinebach.

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