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Nächste Petition zur Hans-Albers-Villa - Tutzinger wollen öffentlichen Zutritt

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Von: Tobias Gmach

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Die nächste Petition zur Hans-Albers-Villa kommt von Lucie Vorlickova (r.) und Stefanie Knittl. Auf zehn Seiten kritisieren die Frauen aus Tutzing unter anderem, dass das Seegrundstück mit Villa und Bootshaus laut TU-Konzept nicht ganzjährig geöffnet sein wird, sondern nur zu besonderen Anlässen. Öffentlicher Zutritt: TUM reichte Infos nach Vereine sollen sich an Finanzierung beteiligen
Die nächste Petition zur Hans-Albers-Villa kommt von Lucie Vorlickova (r.) und Stefanie Knittl. Auf zehn Seiten kritisieren die Frauen aus Tutzing unter anderem, dass das Seegrundstück mit Villa und Bootshaus laut TU-Konzept nicht ganzjährig geöffnet sein wird, sondern nur zu besonderen Anlässen. Öffentlicher Zutritt: TUM reichte Infos nach Vereine sollen sich an Finanzierung beteiligen © Dagmar Rutt

Nur wenige Tage im Jahr soll die Hans-Albers-Villa öffentlich zugänglich sein, wenn die TU München sie bezogen hat. Deshalb haben sich zwei Tutzingerinnen mit einer Petition an den Landtag gewandt. Aus ihrer Sicht sind die Pläne des Freistaats und der Uni reine Augenwischerei.

Garatshausen – Der Hans-Albers-Rundweg in Garatshausen ist gar kein Rundweg – sondern eine Sackgasse. Der Pfad führt, nicht mal 100 Meter weit, zu zwei Bänken und einer Infotafel. Darauf: die Historie der Hans-Albers-Villa (bis 1978), die hinter einem Zaun in Sichtweite steht. Für den leidenschaftlichen Spaziergänger ist der angebliche Rundweg reine Augenwischerei. Für die Tutzingerinnen Lucie Vorlickova und Stefanie Knittl trifft dies auch auf die Nutzungspläne der Technischen Universität München (TUM) zu, deren „Junge Akademie“ auf Wunsch des Freistaats in die ehemalige Villa des Starschauspielers einziehen soll (wir berichteten).

Vorlickova ist ehemalige Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin, Knittl Referentin für Denkmal und Sanierung im Tutzinger Gemeinderat. Die Frauen haben eine zehnseitige Petition im Landtag eingereicht. Das erste Ziel im Wortlaut: „Wir bitten den Bayerischen Landtag, dafür Sorge zu tragen, dass der vom Hans-Albers-Weg östliche Teil des Anwesens (also das Seegrundstück) durch den Freistaat der Öffentlichkeit zu gewöhnlichen Tagesöffnungszeiten frei zugänglich gemacht wird.“

Das müsste eigentlich längst geschehen sein. 1971 kaufte der Freistaat Villa und Gelände von Albers’ Lebensgefährtin Hansi Burg. Die Befreiung von der Grunderwerbssteuer begründete er damals damit, dass der Erwerb „für öffentliche Erholungszwecke“ erfolge. So steht es im Kaufvertrag, der dem Starnberger Merkur vorliegt. Doch seit 50 Jahren passiert nichts dergleichen – obwohl etwa der Kulturverein Garatshausen und der Verein Respect & Remember Europe (R&R) sich seit Jahren mit Petitionen und Unterschriftensammlungen für die öffentliche Zugänglichkeit des Anwesens einsetzen.

Albers-Villa-Petition: 27 000 Quadratmeter großes Areal soll öffentlich zugänglich werden

Der nächste Vorstoß kommt also von zwei Tutzingerinnen. Zu einem Zeitpunkt, an dem sich tatsächlich Veränderungen auf dem zweigeteilten, insgesamt 27 000 Quadratmeter großen Areal anbahnen. In erster Linie sollen TUM-Elite-Studenten Haus und Anwesen für Projekte nutzen, im Konzept ist von „besonders begabten und engagierten Studierenden“ die Rede. Es biete sich „die einmalige Gelegenheit, die Akademie durch ein neu konzipiertes Kreativitäts- und Bildungsprogramm auf ein erweitertes Wirkungsniveau zu heben“.

Den Punkt „Zugangsmöglichkeiten für die Allgemeinheit zum Objekt“ reichte die TUM erst nach Aufforderung des Bayerischen Wissenschaftsministeriums in einem Ergänzungsteil nach. Darin geht es auch um die Historie des Anwesens, um Albers und Burg, die Einbindung des Kulturvereins R&R, der Künstlergruppe „KulturArt am See“ und der Kulturvermittlung „KunstRäume am See“. Die beiden Tutzinger Akademien hatte die TUM schon im ersten Teil als Partner erwähnt.

Das Seegrundstück mit Villa und historischem Park – für die Petentinnen das eigentliche Albers-Anwesen – soll dem Konzept nach nur an wenigen Tagen im Jahr geöffnet sein, etwa am Tag des offenen Denkmals, im Zuge der Veranstaltungsreihe „Science meets Arts“, eventuell für kleinere Konzerte oder wenn die Junge Akademie einmal im Jahr ihre Projekte vorstellt. Im Ergänzungsteil heißt es zudem: Die TU München werde den kooperierenden Vereinen anbieten, im Villenpark jährlich ein Sommerfest in Eigenregie durchzuführen. Ein neuer „Hans-Albers-Hansi-Burg-Park“ soll auf der 16 000 Quadratmeter großen, bisher vom Freistaat verpachteten Wiese nebenan entstehen – auf der Pferde weiden und zuletzt noch Schafe grasten. Dort sollen Kulturpfade die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner erzählen. Ganzjährig für jedermann zugänglich.

Vorlickova und Knittl fordern in ihrer Petition einen dauerhaften Erhalt der Wiese und deren Aufnahme in das FFH-Gebiet Natura 2000 Starnberger See. Das Seegrundstück mit Albers-Villa und Bootshaus möge saniert, täglich zugänglich und für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden – wie etwa die Roseninsel unter der Regie der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung. Die Tutzingerinnen plädieren für Ausstellungen, Musik- und Filmabende mit Gesprächen, etwa zur Ortsgeschichte oder zu Schauspieler Albers – „gerne auch in Kooperation mit unterschiedlichsten Veranstaltern, aber nicht einer vorab beschränkten Anzahl von kleinen Vereinen“.

Stefanie Knittl: „Für einen Park, den auf dieser Streuwiese keiner haben will, sollen keine Steuergelder verschwendet werden.“

Woher das Geld für den neuen „Hans-Albers-Hansi-Burg-Park“ genau kommen soll, lässt die TUM im Gegensatz zur Villen-Sanierung („zweckgebundene Mittel“ der Universitätsstiftung, „ausschließlich private Gelder“) offen. „Hierzu werden mit der Gemeinde und den beteiligten Vereinen Gespräche geführt werden müssen“, heißt es. Die TUM werde sich „in dem für sie machbaren Umfang beteiligen“. Stefanie Knittl bemerkt dazu kritisch: „Für einen Park, den auf dieser Streuwiese keiner haben will, sollen keine Steuergelder verschwendet werden“.

Lucie Vorlickova bezeichnet die folgenden beiden Sätze im Ergänzungsteil des Konzepts als Frechheit: „Herr Sontheim hat in einem Gespräch und auch schriftlich geäußert, dass die Schaffung des erwähnten Parks von Seiten der Gemeinde uneingeschränkt befürwortet wird. Der Kulturverein Garatshausen hat sich in einem Gespräch entsprechend geäußert.“ Die uneingeschränkte Befürwortung der Gemeinde ist tatsächlich eine gewagte Behauptung – wo es doch bisher keine Sitzung geschweige denn einen Beschluss des Feldafinger Gemeinderats zu den TUM-Plänen gab. Bürgermeister Bernhard Sontheim will sich dazu gegenüber dem Starnberger Merkur erst äußern, wenn die TUM ihr Konzept im Gemeinderat vorgestellt hat. Und was Dr. Andreas Kapphan, Vorsitzender des Kulturvereins Garatshausen, zu den Plänen sagt, klingt nicht nach uneingeschränkter Befürwortung: „Wir sind erfreut, dass es überhaupt so gekommen ist. Aber das ist nicht ausreichend. Wir werden weiterhin für die Öffnung kämpfen.“ Kapphan kündigte weitere Gespräche mit Sontheim und Prof. Arnulf Melzer, dem TUM-Bevollmächtigten des Präsidenten für Fundraising, an.

Vorlickova und Knittl betonen, dass der Kulturverein nun selbst als Beteiligter im Projekt mit drin hängt. Gerade deshalb sei eine neue Petition von außen so wichtig. Dem TUM-Konzept liegen Schreiben der lokalen Kulturakteure bei, in denen sie ihre Kooperationsbereitschaft ausdrücken. Der Verein R&R, der auf dem Anwesen gerne einen deutsch-jüdischen Erinnerungsort einrichten würde, kritisierte die Pläne dagegen in einem offenen Brief an TUM-Präsident Prof. Thomas Hofmann.

Staat machte falsche Angaben über die vorgesehene Nutzung einer Liegenschaft

Für die Tutzingerinnen ist die ganze Sache eine Farce: Den vom Wissenschaftsministerium für die TUM angemeldeten Staatsbedarf halten sie für „konstruiert“. Deshalb ist das zweite Ziel der Petition, dass die entsprechenden Beschlüsse des Landtags nicht umgesetzt werden. Wie aus dem Konzept hervorgeht, wurde die TUM aktiv vom Ministerium aufgefordert, den Bedarf zu melden.

Die ehemalige Steuerberaterin Vorlickova blickt in der Petition abgesehen von den aktuellen Vorgängen weit in die Vergangenheit – in den Kaufvertrag mit dem Passus „Erwerb für öffentliche Erholungszwecke“. Ihr Kommentar an die Adresse des Freistaats: „Würde ein Unternehmen oder eine Privatperson absichtlich falsche Angaben über die vorgesehene Nutzung einer Liegenschaft machen, um die Grunderwerbsteuer zu umgehen, würde dies wohl als Straftat gewertet werden: nämlich als Steuerhinterziehung.“

Die komplette Petition kann man online auf der Seite www.albersfueralle.de lesen.

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