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Lauter fesche junge Damen und Herren: Die Schüler des Tutzinger P-Seminars zur Bohème am Starnberger See organisierten einen Abend mit eleganten Kleidern, Musik und Geschichten von anno dazumal. 

Nostalgisches Sommerfest in Feldafing

Aufleben der Münchner Bohème

Mit ihrem Projekt ließen die Schüler des P-Seminars am Gymnasium Tutzing die Münchner Bohème wieder aufleben. Bei einem Künstlersommerfest warfen sie sich stilecht in Schale.

Feldafing – Erika Borchard, die Direktorin des Hotels Kaiserin Elisabeth, genoss am Mittwochabend sichtlich den eleganten Anblick der vielen jungen Damen, die im Park in ihren langen Sommerkleidern aus der Zeit um 1900 lustwandelten. „Es freut uns immer sehr, wenn hier junge Leute sind“, sagte sie und erzählte, dass sie gerne die Hotelküche den Schülern des Tutzinger Gymnasiums überlassen hatte, die dieses Jahr im Rahmen des P-Seminars unter Leitung von Margit Kleber ein nostalgisches Künstlersommerfest auf die Beine gestellt und auch aufgekocht haben.

Eltern, Lehrer und Gäste genossen einen wunderschönen Abend lang ein filmreifes Sommerfest ganz im Stil der Zeit um 1900, als Thomas Mann im Hotel und im Villino zu Gast war. Darüber berichtete auch in einem Kurzvortrag der Kunsthistoriker Dr. Alexander Kunkel aus München. Die damalige Kleidung der arrivierten Gesellschaft, die sich die Schülerinnen aus einem Kostümfundus besorgt hatten – bodenlange Kleider mit Spitzen und Rüschen, wunderschöne Hüte und kunstvolle Frisuren –, sah sehr edel aus. „Erstaunlich, dass die Mädchen gleich einen ganz anderen Gang haben und Haltung zeigen“, begeisterte sich ein Gast.

Die Schüler stellten ein vielfältiges Programm zusammen

Wie begeistert die Schülerinnen bei der Sache waren, das zeigte das vielfältige und stimmige Programm, das die Schüler selbst zusammengestellt haben, wie Margit Kleber betonte. Der Abend war aber auch wirklich perfekt. Auf dem Plattenteller des Grammophons aus Thomas Manns Zeit drehte sich eine Schellackplatte mit Caruso-Aufnahmen, es wurden historische Motorräder aufgefahren, es gab einen stilvollen Sektempfang, eine Kulturpromenade im Park, bei der Gedichte rezitiert wurden, Charlotte Götz sang mit Hingabe den Alabama-Song von Bert Brecht. Chiara Bürkner tanzte ein Solo aus dem Schwanensee, musikalisch begleitet von Stephan Beck am Klavier und Julia Herde am Cello.

Die lukullischen Genüsse hatten die Schüler in der Hotelküche gekocht: ein köstliches Menü mit feiner Spargelsuppe, zartem Kalbsbraten und einer Bayerischen Creme, dessen aromatisierte Erdbeeren einen Stern verdient hätten. Serviert wurde stilecht von den Burschen in Kellnerjacken, und die Tische waren mit Wiesenblumensträußen dekoriert. Auch das Lehrerkollegium hat mitgemacht. Direktor Bruno Habersetzer gab Anekdoten aus seiner Jugend im Undosa-Bad so lebendig zum Besten, dass den älteren Gästen gleich der Duft der damals üblichen Sonnencreme Tiroler Nussöl in die Nase stieg. Zum Abschluss stellten sich alle Gäste zur Münchner Française auf – die ist ziemlich verwirrend, bietet aber höchstes Vergnügen.

ASTRID AMELUNGSE-KURTH

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