1. Startseite
  2. Lokales
  3. Starnberg
  4. Feldafing

Brigadegeneral Rainer Simon über die Bundeswehr-Pläne am Standort Feldafing

Erstellt:

Von: Tobias Gmach

Kommentare

Was ist möglich am Bundeswehr-Standort Feldafing? Über dem Lageplan der Kaserne diskutieren der Kommandeur der IT-Schule der Bundeswehr, Brigadegeneral Rainer Simon (r.), und sein Stellvertreter, Oberst Michael Bock. Sicher ist: Die Bundeswehr bleibt in Feldafing.
Was ist möglich am Bundeswehr-Standort Feldafing? Über dem Lageplan der Kaserne diskutieren der Kommandeur der IT-Schule der Bundeswehr, Brigadegeneral Rainer Simon (r.), und sein Stellvertreter, Oberst Michael Bock. Sicher ist: Die Bundeswehr bleibt in Feldafing.  © bundeswehr

Die sicherheitspolitische Entwicklung der vergangenen Jahre stellt die Bundeswehr vor völlig neue Herausforderungen – auch am Standort Feldafing-Pöcking.

Feldafing – Was am Standort Feldafing geplant ist und warum die Gemeinde Feldafing kaum mehr auf eine Konversion zu hoffen braucht, darüber spricht der Standortälteste, Brigadegeneral Rainer Simon, im Interview.

Herr Simon, wie ist der Status quo am Bundeswehr-Standort Feldafing?

Die Schule Informationstechnik der Bundeswehr (ITSBw) bildet an vier Standorten Soldatinnen und Soldaten der Informationstechnik und Fernmelder aus. Neben der zentralen Kaserne in der General-Fellgiebel-Kaserne in Pöcking und in den Liegenschaften in Graben und Kleinaitingen wird auch in Feldafing weiterhin ausgebildet. Viele der bis Anfang 2020 genutzten Gebäude in Feldafing stehen derzeit leer. Damals zogen die meisten Abteilungen in unser neues Lehr- und Verwaltungszentrum nach Pöcking. Andere Bereiche werden weiter für Ausbildung genutzt. Die Belegungszahlen variieren stark und sind von den angebotenen Lehrgängen abhängig.

Für Feldafing wurden ein Ausbau und „Infrastrukturprojekte“ angekündigt. Wann werden diese realisiert?

Große Teile der Infrastruktur sind aus den 1930er-, den späten 1950er- sowie den 1960er-Jahren und total veraltet oder marode. Als Grundlage für künftige Baumaßnahmen erarbeiten wir aktuell ein Nutzungskonzept. Beispielsweise werden wir die so genannten Sturmblockhäuser zu Büro- und Funktionsräumen umbauen. Aber nur im Inneren, da diese Bauten besonderen Denkmalschutzauflagen unterliegen. Alte, nicht mehr instandsetzungsfähige Gebäude werden wir durch Neubauten ersetzen. Diese Infrastrukturprojekte lassen sich nicht in kurzer Zeit realisieren. Planung, Genehmigung und Finanzierung von Baumaßnahmen der Bundeswehr sind mit vielen Unwägbarkeiten verbunden und zeitlich nur schwer abschätzbar. Sollten wir alle Baumaßnahmen zur Optimierung und Erweiterung noch in diesem Jahrzehnt abschließen können, wäre das traumhaft.

In welchen Bereichen hat die Bundeswehr am Starnberger See zusätzlichen Ausbildungsbedarf? Was sind die Ursachen?

Wir stellen eine ständig ansteigende Nutzung von Informationstechnik im täglichen Leben fest. Stichworte wie „Internet der Dinge“, der Wunsch, dauernd „online“ zu sein, ständig kommunizieren zu können und auf alles Wissen dieser Welt jederzeit zugreifen zu können, bestimmen unseren Alltag. Dies sehen wir auch im Zusammenhang mit vielen Krisen auf der Welt und ganz besonders am Krieg in der Ukraine. Diese Entwicklungen haben Auswirkungen auf unsere Streitkräfte, auf die wir mit entsprechenden Systemen und Ausbildung reagieren. Die Spanne reicht dabei von Funkgeräten im gesamten Frequenzspektrum über Richtfunktechnik bis zu Satellitenkommunikationssystemen. Im Bereich der informationsverarbeitenden Systeme bilden wir von Grundlagen der Netzwerk- und Computertechnik bis zu Softwareprodukten und Führungsinformationssysteme aus. Cyber- und Informationssicherheit gehören natürlich ebenso dazu.

Haben die Pläne Auswirkungen auf die Standorte Pöcking und Feldafing?

Bevor wir ein neues Gerät oder System in die Truppe einführen können, müssen die Soldaten zuerst einmal daran ausgebildet werden. Das wiederum setzt voraus, dass wir unsere Ausbilder zuvor geschult und die Geräte verfügbar haben. Die Herausforderung besteht in der Planung: Wie viele Lehrgangsteilnehmende müssen zu welchem Termin welchen Lehrgang abgeschlossen haben? Daher müssen wir stets flexibel planen und auch ändern, um der Nachfrage gerecht werden zu können.

Die Gemeinde Feldafing rechnete fest mit der Konversion der Fernmeldeschule, bis es im August 2019 hieß, die Bundeswehr benötige den Standort doch bis 2027. Wie wird sie bei den Planungen mit ins Boot genommen?

Bei der „alten“ Entscheidung zur Aufgabe der Liegenschaft in Feldafing waren die Veränderungen im sicherheitspolitischen Umfeld der letzten Jahre nicht absehbar. Damals dachte man, Deutschland und die Nato-Staaten wären nur von Freunden und Partnern umgeben. Die Neubewertung der Lage in Berlin war zwingend erforderlich, die Entscheidung, Feldafing als Standort zu erhalten, unausweichlich. Wir sind in Kontakt mit der Gemeinde Feldafing, tauschen uns aus und helfen, wo immer möglich. Sei es beim Impfzentrum, dem Ausweichstandort für die Mittelschule Tutzing oder der Mitnutzung der Straße in der Kaserne.

Gibt es gemeinsame Pläne mit der Gemeinde Feldafing?

Im Zuge der getroffenen Entscheidung zur Weiternutzung wurde auch festgelegt, dass der nördliche Teil der Liegenschaft an die Gemeinde Feldafing abgegeben wird. Für diesen Bereich haben wir jetzt schon eine Mitnutzung vereinbart, gerade für die Phase der Bauarbeiten am Siemens-Schulungszentrum.

Ist die Aussage, dass das Gelände bis 2027 gebraucht wird, noch gültig? Oder plant die Bundeswehr unbefristet?

Den sicherheitspolitischen Entwicklungen der vergangenen Jahre folgten Entscheidungen zur Bundeswehrstruktur. Daraus leiteten sich neue Forderungen an die Ausbildung ab – gerade in unserem stetig wachsenden Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik. Die ehemals getroffene Entscheidung zu einer vorgezogenen Teilabgabe der Liegenschaft Feldafing und Gesamtabgabe in 2027 wurde aufgehoben. Das Verteidigungsministerium beschloss eine unbefristete Weiternutzung der Kaserne. Das haben wir vergangenes Jahr dem Freistaat, dem Landkreis und den Gemeinden mitgeteilt.

Die Mittelschule Tutzing hat im September Räumlichkeiten auf dem Kasernengelände bezogen. Gibt es weitere Überlegungen, der Gemeinde oder Dritten Liegenschaften zu überlassen?

Grundsätzlich dienen unsere Liegenschaften natürlich dem Zweck, Infrastruktur für die Ausbildung der Soldatinnen und Soldaten zur Verfügung zu stellen. Dennoch sehe ich die Nöte in unseren Garnisonsgemeinden. Und es gab ja schon mehrfach Gebäude-Mitnutzungen in den Kasernen in den vergangenen Jahren. Wenn sich ein Bedarf ergibt, sind wir gerne bereit, entsprechende Optionen zur Unterstützung zu prüfen. Zurzeit sind mir aber keine weiteren Anfragen bekannt.

Interview: Tobias Gmach

Auch interessant

Kommentare