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Die Cello-Botschafterin vom Starnberger See

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Von: Tobias Gmach

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Seit 26 Jahren fest verbunden: Raphaela Gromes und das Cello. Sie spielt es, seit sie vier Jahre alt ist.
Seit 26 Jahren fest verbunden: Raphaela Gromes und das Cello. Sie spielt es, seit sie vier Jahre alt ist. © Stefan Imielski

Sie trat schon in Gefängnissen und Waisenhäusern auf. Musikkritiker prophezeien ihr eine Weltkarriere. Kraft schöpft die 30-jährige Cellistin Raphaela Gromes in ihrer Heimat am Starnberger See. Am Freitag spielt sie mit hochkarätigen Kollegen im Pöckinger Beccult.

Feldafing/Pöcking – Das Tourleben als Musikerin, sie hat es endlich zurück. Dass der Starnberger Merkur Raphaela Gromes an einem Freitagmittag telefonisch in ihrer Wohnung in Feldafing erreicht, ist ein glücklicher Zufall. „Ich bin gestern aus der Schweiz zurückgekommen, heute Nachmittag geht es schon wieder nach Berlin“, erzählt die 30-Jährige. Das neue Album der Cellistin, „Imagination“, will schließlich live präsentiert werden, und nebenbei spielt sie in hochkarätiger Kammermusik-Besetzung „Große Symphonik in kleiner Besetzung“. So lautet der Titel des Konzerts am Freitag im Pöckinger Beccult. Dann ist die Frau, die Musikkritiker die „wohl erfolgreichste deutsche Cellistin der Gegenwart“ nennen und der sie eine Weltkarriere prophezeien, in der Heimat zu hören.

Seit sechs Jahren wohnt Gromes wieder am Starnberger See. Aufgewachsen ist sie in Freising. Aber weil ihr Vater an der Starnberger Musikschule unterrichtete, lernte sie die Region kennen – und lieben. „Der See mit den Schwänen und den Alpen im Hintergrund. Dort zu leben, das war ein Kindheitstraum für mich.“ Der wurde ihr dann auch erfüllt: Eines ihrer ersten Konzerte als Jugendliche veranstaltete der Kunst- und Musikverein Starnberger See. Und er wird auch das am Freitag veranstalten. Die Verbindung zur Basis, sie steht.

Musik von „Der Herr der Ringe“ und „Star Wars“ auf Kammermusik-Album

Nach dem Studium in Leipzig und München zog es Gromes wieder zurück. „Ich bin viel auf Tour, da brauche ich einen Ort der Ruhe, um mich wieder aufzuladen. Ich suche mir auch Inspiration in der Natur“, sagt sie. So geschehen beim Album „Imagination“. Das mystisch-magische Licht bei einer Wanderung im Wald machte ihr Lust auf Märchenwelten – und auf Poppers Elfentanz, Tschaikowskys Dornröschenwalzer und Mendelssohns Sommernachtstraum. Aber auch modernen Filmmusik-Komponisten wie Howard Shore („Der Herr der Ringe“) oder John Williams („Star Wars“) räumte Gromes einen Platz auf dem Kammermusik-Album ein.

Auch wenn das Genre ein anderes ist – in einer Sache hat die 30-Jährige etwas mit Johnny Cash gemeinsam: Sie trat im Gefängnis auf. An ein Konzert in einer bayerischen Justizvollzugsanstalt hat sie gemischte Erinnerungen. Das Szenario: Zwei Frauen vor 100 Männern, unter ihnen auch Vergewaltiger. „Zunächst habe ich mich etwas unwohl gefühlt – zumal der Gefängnisdirektor mich und eine Geigerin als Augenschmaus vorgestellt hat“, erzählt sie. „Aber wir haben uns dann einfach in die Musik gestürzt. Die waren total begeistert, so einen Applaus hatten wir noch nie bekommen. Am Ende haben wir fünf Zugaben gespielt.“

Gromes will klassische Musik zu jenen bringen, die keinen Zugang haben

Gromes sei es ein Anliegen, die klassische Musik zu jenen zu bringen, die keinen Zugang dazu haben. Die Botschafterin der SOS-Kinderdörfer spielte unter anderem in der Mongolei, im Libanon und in Südkorea, gab Waisenkindern Musik-Workshops und weckte das Interesse, ein Instrument zu lernen. Das sei ihr auch heuer im Juli gelungen, als sie Flüchtlingskinder aus Afghanistan, Syrien, Pakistan und Nigeria in das Walderlebniszentrum Grünwald einlud. „Musik kann ein Anker sein in einer schweren Kindheit, sie kann beflügeln und das Leben verändern“, sagt Gromes.

Ihr musikalisches Leben in aller Kürze: Sie war vier, als sie das Cello (ein kleines) als Kind zweier Cellisten das erste Mal in die Hand nahm. Sie war neun, als sie mit der Mutter alle zehn Wagner-Opern an der Berliner Staatsoper besuchte. Sie ist 30 und hat jede Menge Preise abgeräumt: den des Deutschen Musikwettbewerbs, den der deutschen Schallplattenkritik, den Opus Klassik. Wenn die Pandemie es zulässt, will Gromes wieder „reisen und Konzerte auf der ganzen Welt spielen“. Am allerliebsten auch eines Tages in der Carnegie Hall in New York. „Das ist ein großer Musikertraum.“

Das Konzert in Pöcking

Cellistin Raphaela Gromes spielt am Freitag ab 20 Uhr im Beccult zusammen mit dem Klavierduo Tal & Groethuysen und Geiger Sergey Malov Werke von Mendelssohn und Bartholdy (Symphonie Nr. 1), Schubert (Symphonie in h-Moll) und Beethoven (Symphonie Nr. 5). Einlass ist ab 19 Uhr, der Eintritt kostet 35 Euro. Mitglieder des veranstaltenden Kunst- und Musikvereins Starnberger See zahlen 30 Euro. Tickets gibt es per E-Mail an info@kmv-starnberger-see.de oder im Friseursalon Reinhard Spöttl in Feldafing.

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