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Das Energiequartier nimmt Gestalt an

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Von: Sandra Sedlmaier

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Vor dem neuen Heizungsverteiler, der noch nicht angeschlossen ist: Pewu-Chef Andreas Keller, der die Arbeiten für das Energiequartier koordiniert, und Heizungsfachmann Wendelin Vogt.
Vor dem neuen Heizungsverteiler, der noch nicht angeschlossen ist: Pewu-Chef Andreas Keller, der die Arbeiten für das Energiequartier koordiniert, und Heizungsfachmann Wendelin Vogt. © Andrea Jaksch

Es wird ernst mit dem Energiequartier Feldafing. Im Untergeschoss der Turnhalle wird die Heizung ausgetauscht. Zwei neue Blockheizkraftwerke werden ab Herbst sechs Gebäude mit Wärme versorgen – wenn sie wie geplant im September geliefert werden.

Feldafing – Eigentlich ist es ein normaler Heizungstausch, der in der Feldafinger Turnhalle erfolgt. Und doch ist es deutlich mehr: Es ist der Einstieg in eine neue Ära der Energieversorgung für Feldafing. Das Energiequartier wird neben der Turnhalle fünf weitere Gebäude versorgen: das Betreute Wohnen, den Kindergarten, die Bücherei, das Alte Polizeihaus und das Feuerwehrhaus. Feldafing wird dadurch deutlich energieautarker und vor allem ist die Investition ein wichtiger Schritt in Richtung CO2-Neutralität.

Seit vergangener Woche wird an der neuen Heizung gearbeitet. Die alte ist schon ausgebaut, rotlackierte Metallteile, mal mehr, mal weniger verbeult, liegen vor dem Heizungsraum neben der Tiefgarage. Dahinter haben die drei Mitarbeiter der Firma H+V Energietechnik aus Nordkirchen bei Münster die neuen Pufferspeicher schon eingebaut. Sie werden später die überschüssige Wärme speichern und bei Bedarf abgeben.

Im Heizungsraum ist viel Luft, weil die alte Anlage raus ist und die neuen Blockheizkraftwerke noch nicht da sind. Der Heizungsverteiler ist schon an der Wand befestigt, mit entsprechender Beschriftung: „Fußbodenheizung EG + OG“ steht da etwa oder „Lüftungsanlage 2. Obergeschoss Wärmemengenzähler“. Noch ist nichts angeschlossen, doch bis Ende der Woche soll das erledigt sein, wie H+V-Chef Wendelin Vogt sagt.

Nachdem es im Moment keine Heizung gibt, sorgt eine Ersatzheizung unter anderem dafür, dass im Betreuten Wohnen das Wasser warm ist. Die mobile Wärmepumpe ist so groß wie ein Anhänger, sie steht nördlich der Turnhalle und holt sich die Wärme aus der Luft. „Die stand zuletzt im Ahrtal und hat ein Hotel beheizt“, berichtet Vogt. Das dortige Blockheizkraftwerk, das seine Firma eingebaut hatte, wurde bei der Hochwasserkatastrophe überschwemmt.

Die Firma hatte sich im Zuge der zweiten Ausschreibung beim gemeindeeigenen Planungsunternehmen um den Auftrag beworben. In der ersten Runde hatte sich niemand gemeldet. Auch das ein Grund, warum sich das Projekt immer wieder verzögert hatte, wie Pewu-Mitarbeiterin Teresa Janik sagt. „Wegen der Förderungen war es ganz wichtig, sich an alle Richtlinien zu halten.“ Die Förderung für das Energiequartier ist ordentlich. 260 000 Euro kommen vom Bund, insgesamt soll das Projekt 900 000 Euro kosten. Der erste Gemeinderatsbeschluss zur Gründung des Energiequartiers fiel im Juli 2019, seitdem arbeiten Pewu und Energieberater Arthur Dornburg daran.

Im September, so hoffen Vogt und das Pewu, sollen die Blockheizkraftwerke geliefert werden. Dann kommt Vogt mit seinen Mitarbeitern wieder aus Nordrhein-Westfalen angereist, um die 1,45 Meter hohen Würfel mit einer Größe von einem Meter auf 2,40 Meter einzubauen. Vogt hat gerade einen Vorgeschmack bekommen, wie es laufen kann. Er brauche zehn Schieber, doch der einschlägige Großhändler habe nur acht. „Zwei konnte ich mitnehmen, sechs bekomme ich noch“, sagt er. „Wahnsinn, dass man so kleinen Sachen hinterher laufen muss.“

Kleine Sachen für das große Ganze. Die nächsten Schritte für das Energiequartier sind die Installation von Fotovoltaik-Anlagen, um den Strom für die Blockheizkraftwerke zu produzieren. Bis dahin werden sie mit Gas beheizt, wie Pewu-Chef Andreas Keller sagt. Das Turnhallen-Dach sei vermutlich statisch nicht geeignet, und beim Alten Polizeihaus sei noch nicht klar, ob der Denkmalschutz mitmache. Doch auf Betreutem Wohnen und Bücherei seien PV-Anlagen geplant. Und am Bauhof ein PV-Feld – dann ist der Feldafinger Weg zur CO2-Neutralität deutlich kürzer geworden.

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