Hansanord-Verlag-Inhaber Thomas Stolze in seinem Büro in seinem Wohnhaus in Feldafing.
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Glücksfall „Soko Erle“: Im Hansanord-Verlag von Thomas Stolze ist der Bericht des Polizeipressesprechers über einen Mordfall in Baden-Württemberg erschienen. 13 000 Exemplare wurden bislang verkauft.

Unternehmen in Feldafing

Der Bestseller aus dem Ein-Mann-Verlag

  • vonSandra Sedlmaier
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Ein kleiner Verlag in Feldafing hat mit einem Bericht einen „Spiegel“-Bestseller produziert. Das war ein Höhepunkt in der Geschichte des jungen Hansanord-Verlags, dem Ein-Mann-Unternehmen von Verleger Thomas Stolze.

Feldafing – Eine junge Frau verschwindet am helllichten Tag beim Joggen. Ein Großaufgebot der Polizei sucht nach ihr – und stellt fest, dass sie ermordet wurde. Die Suche nach dem Täter gestaltet sich schwierig, die Sonderkommission Erle gibt alles – und findet am Ende den Mörder. Der Bestseller „Soko Erle“ von Wolfgang Roth, der im Feldafinger Hansanord-Verlag erschienen ist, liest sich wie ein Krimi, ist aber keiner. Es ist der Bericht des Polizeisprechers, der den Mordfall Carolin G. am Kaiserstuhl in der Nähe von Freiburg begleitet hat. Das Buch ist ein Ermittlungsbericht, gut geschrieben, ohne Effekthascherei und daher umso beeindruckender. Das fanden rund 13 000 Menschen, die das Buch seit seinem Erscheinen vor knapp einem Jahr gekauft haben. Damit bescherten sie dem Hansanord-Verleger Thomas Stolze seinen ersten Bestseller.

„Es war ein sehr, sehr langer Weg“, sagt der 46-jährige Feldafinger, der sein Unternehmen von seinem Zuhause an der Johann-Biersack-Straße aus führt. „Die ersten zehn Jahre waren ein reiner Überlebenskampf.“ Stolze ist der Hansanord-Verlag. Er sucht Themen, sichtet Exposés, die er bei Gefallen an freiberufliche Lektoren weitergibt. Er verhandelt mit Autoren, mit Druckereien, und er konzipiert die Marketing-Touren für seine Bücher. Dabei kommt ihm sein Studienabschluss als Marketing-Kommunikationswirt zugute.

Bis 2007 arbeitete Stolze bei Verlagen in München, dann wagte er die Selbstständigkeit – und musste gleich einen Misserfolg einstecken. Die Biografie des Fernsehkochs Max Inzinger im Bündel mit dessen 100 besten Rezepten verkaufte sich nur schleppend, unter anderem, weil der Autor nicht zu einer Lesereise nach Deutschland kommen konnte: „Er saß in Südafrika, als sich herausstellte, dass er polizeilich gesucht wird wegen des laufenden Insolvenzverfahrens.“

Das Buch wurde deshalb leider nicht populärer, aber Stolze hat viel aus diesem Projekt gelernt. Etwa, dass man nur eine kleine Stückzahl drucken lässt. „Mit dem Digitaldruck ist es heute möglich, dass man ein Buch in 7 bis 14 Tagen nachdrucken kann“, sagt Stolze. „Daher gehe ich lieber immer vorsichtig mit 2000 Stück in den Druck und hoffe, dass ich diese gut abverkaufe, und reagiere dann schnell, wenn ich von diesen 2000 nur noch 200 im Lager habe.“ Schlimmstenfalls sei ein Buch zwei, drei Tage nicht lieferbar. „Ich finanziere ja alles vor“, gibt er zu bedenken. „Den Autor, die Grafiken, den Druck. Und erst bei Erscheinen des Buchs fange ich an, wieder Geld einzusammeln.“

Das funktioniert inzwischen immerhin so gut, dass er und seine Familie mit drei Kindern davon leben können. Das große Geld machen die Autoren übrigens auch nicht: „Die meisten schreiben in ihrer Freizeit. Sie werden prozentual am Gewinn beteiligt.“

Stolze ist wichtig, dass die Autoren die Geschichte so entwickeln können, wie sie es für richtig halten. Deshalb landete eine Autorin bei ihm, die über den Selbstmord ihrer Tochter schrieb. „Die Autoren sollen zu ihren Geschichten stehen, ich kann zur Wirtschaftlichkeit stehen.“ Stolze freut sich, dass diese Haltung Polizeisprecher Roth von der „Soko Erle“ auf den Hansanord-Verlag aufmerksam werden ließ. Beide, Autor und Verlag, profitieren jetzt: Das Hörbuch ist in Vorbereitung, gerade verhandelt Stolze über die TV-Rechte.

Bei der Auswahl der Themen verlässt sich Stolze auf sein Gefühl: „Ich mache das, was ich selber gerne lesen würde.“ Das sind Regionalkrimis, Biografien oder Romane wie die aus dem Milieu des Orchesters „Fips Fleischer“. „Das Fips-Fleischer-Orchester war das im Osten, was James Last im Westen war“, erzählt Stolze. Hansanord ist übrigens das Viertel, in dem er in Frankfurt (Oder) aufgewachsen ist.

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