So sieht es heute aus: Auf dem 15 000 Quadratmeter großen Gelände ist der alte Klinikbau zu sehen, links ist das alte Feuerwehrhaus, das ebenfalls überplant werden könnte. 
+
So sieht es heute aus: Auf dem 15 000 Quadratmeter großen Gelände ist der alte Klinikbau zu sehen, links ist das alte Feuerwehrhaus, das ebenfalls überplant werden könnte. 

Verworrene Debatte, versöhnliches Ende

Feldafinger Klinikareal: Wohnprojekt findet in die Spur

  • Tobias Gmach
    VonTobias Gmach
    schließen

Ein neuer Gemeinderatsbeschluss bereitet den Weg zum geplanten Wohnquartier auf dem ehemaligen Feldafinger Klinikareal. Ob am Ende knapp 100 oder mehr und auch bezahlbare Wohnungen entstehen, darüber wird noch verhandelt.

Feldafing – Ein gescheiterter Architekturwettbewerb, eine Klage des Projektentwicklers gegen das Landratsamt, viele Gespräche mit wenig Ertrag: Das von der C7-Gruppe geplante Wohnquartier auf dem ehemaligen Klinikareal ist eines der wichtigsten Ortsentwicklungsprojekte in Feldafing – aber auch ein sehr zähes. Mehr als drei Jahre nach dem ersten Kontakt zwischen C7 und Gemeinde gibt es nun immerhin den Gemeinderatsbeschluss, das Bauleitplanverfahren einzuleiten. Er fiel am späten Dienstag gegen Mitternacht – in nichtöffentlicher Sitzung nach einer fast zweistündigen Diskussion im öffentlichen Teil.

Mindestens 96 Wohnungen in vier Häusern sollen auf der 15 000 Quadratmeter großen Fläche in der Ortsmitte entstehen. C7-Sprecher Fridolin Lippens spricht von „wertigen Wohnungen und keinen Riesenapartments“. Faktisch bezahlbaren Wohnraum wird es aber nur geben, wenn die Gemeinde dem Unternehmen und der Eigentümerfamilie Appelhans (sie besitzt noch 30 Prozent der Fläche) mehr Baurecht einräumt. Genau darum geht es nun in den Verhandlungen. Lippens und Co. sehen Potenzial für acht Häuser auf dem Areal. Bürgermeister Bernhard Sontheim bekräftigte am Tag nach der Sitzung gegenüber dem Merkur: „Wir wollen weiter vernünftig mit C7 zusammenarbeiten.“ Lippens sieht das Projekt nach dem Ratsbeschluss „auf dem richtigen Weg“, auch wenn er betont: „Wir haben im gemeinschaftlichen Vorgehen mit der Gemeinde viel zu viel Zeit verloren und viel zu wenige Ergebnisse erzielt.“

Ausschlag zum Beschluss folgte in nichtöffentlicher Sitzung des Gemeinderats

Nun riecht es also nach einem versöhnlichen Kompromiss. Danach hatte es in der öffentlichen Sitzung aber nicht ausgesehen. Nicht nur der Sprecher des Investors beobachtete im Rathaussaal: „Die Diskussion ging zwischendurch ins Nirwana.“ Juristen der Gemeinde und von C7 beauftragte Architekten erklärten lange und breit die Zwänge des Projekts, das so schleppend vorangeht. Einen wirklichen Erkenntnisgewinn brachten den meisten Gemeinderäten erst die Ausführungen von Dr. Gerhard Spieß, Fachanwalt für Verwaltungsrecht und Berater der Gemeinde, im nichtöffentlichen Teil. „Das hat den Ausschlag zum Beschluss gegeben“, sagte Sontheim gestern. Thomas Schuirer (AUF) hatte beantragt, die Entscheidung hinter verschlossenen Türen zu fällen. Laut Sontheim wollte sich der Rat noch ein paar nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Informationen geben lassen.

Im Detail wurde dann entschieden, das Bauleitverfahren auf Basis des ersten, genehmigten Vorbescheids einzuleiten – auch damit es nun schneller vorangeht. C7 ist beim Grundstückskauf vertragliche Verpflichtungen eingegangen und muss bis Ende 2023 mit dem Bauen beginnen. „Wir wollen nicht, dass dem Unternehmen wirtschaftlicher Schaden entsteht“, sagt Sontheim. Aber er will auch nicht, dass die Gemeinde nun von Grund auf neu plant, nicht rechtzeitig fertig wird und damit für die Tonne arbeitet.

Projektentwickler haben gegen eine Entscheidung des Landratsamts vor dem Verwaltungsgericht geklagt

Der städtebauliche Wettbewerb (wir berichteten) war zwar ein Ärgernis für alle Beteiligten, aber offenbar nicht ganz für die Tonne. Das Siegerbüro Breining und Buchmaier hatte gemeldet, nicht am Projekt weiterarbeiten zu wollen. Eine Inspiration war sein Entwurf aber schon. Die Pläne der von C7 beauftragten „Master-Plan“-Architekten weisen Ähnlichkeiten auf, die Gebäude sind allerdings so angeordnet, dass dazwischen eine durchgängige Fläche entsteht.

Was am Dienstag auch vermeldet wurde: Die Projektentwickler haben gegen eine Entscheidung des Landratsamts vor dem Verwaltungsgericht geklagt. Die Kreisbehörde hatte wie auch die Gemeinde einen zweiten Vorbescheid und damit eine Erhöhung der Gebäude abgelehnt. Der allgemeine Tenor zur Klage: kein großer Aufreger, sondern mehr ein rechtlich logischer Schritt aus Sicht von C7, um eine Option zu wahren. Zur Sicherheit beschloss aber der Gemeinderat, sich anwaltlich vertreten zu lassen, sollte es zu einem Gerichtsverfahren kommen – und zwar von Gerhard Spieß.

Mehr zum Thema