Die ehemalige Klinik am Dr.-Appelhans-Weg: Seit November 2019 steht das Gebäude leer.
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Die ehemalige Klinik am Dr.-Appelhans-Weg: Seit November 2019 steht das Gebäude leer. Am Samstagnachmittag haben sechs Jugendliche weite Teile der verbliebenen Inneneinrichtung zerstört, Wände besprüht und Waschbecken und Klos herausgerissen.

Fünfstelliger Schaden in ehemaligem Krankenhaus

Massive Verwüstung in leerer Klinik

  • vonSandra Sedlmaier
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Jugendliche haben am Samstag in der ehemaligen Klinik am Dr.-Appelhans-Weg in Feldafing gewütet. Die Eigentümer sprechen von einem Schaden im fünfstelligen Bereich. Vier der jungen Täter sind bekannt, nach zwei weiteren sucht die Polizei.

Feldafing – Ein Meer von Glassplittern am Boden, heruntergeschlagene Lampen, herausgerissenes Einbaumobiliar, zerstörte Waschbecken und Kloschüsseln, dazu Graffiti an den Wänden – und das Ganze über alle Stockwerke hinweg: Der Anblick, der sich den Eigentümern der ehemaligen Feldafinger Klinik am Dr.-Appelhans-Weg am Samstag geboten hat, war brutal. „Ich war schockiert, mit was für einer Intensität die durch das Gebäude durch sind“, sagt C7-Geschäftsführer Fridolin Lippens. Die Firma C7 ist Miteigentümer des Areals.

Was sich am Samstag am Dr.-Appelhans-Weg abspielte, klingt wie aus einem Film. Die neben der Klinik wohnende Eigentümerfamilie Appelhans/von Stillfried hatte am Samstagnachmittag die Polizei alarmiert, nachdem sie im leer stehenden Gebäude Geräusche wahrgenommen hatte. Die Polizei rückte mit mehreren Streifenwagen an, die Beamten umstellten das Gebäude und drangen in die Klinik ein. „Im Untergeschoss wurde ein 15-jähriger Tutzinger angetroffen, der gerade dabei war, das noch vorhandene Mobiliar zu zerstören“, sagte ein Polizeisprecher. „Er versuchte zunächst zu flüchten, was jedoch nach etwa 150 Meter sein Ende fand. Drei weitere Personen, zwei zwölfjährige Mädchen aus Starnberg und Feldafing sowie ein 14-jähriger Feldafinger, wurden beim Verlassen des Klinikgeländes durch die Absperrungskräfte der Polizei in Empfang genommen.“ Zwei weitere Jugendliche, die nach ersten Ermittlungen ebenfalls an den Beschädigungen beteiligt waren, konnten laut Polizei flüchten. Der Polizeisprecher geht davon aus, dass deren Identität noch geklärt werden kann.

Die jungen Menschen hinterließen ein Feld der Verwüstung. In 120 Zimmern hätten sie mit Spraydosen Graffiti gesprüht, so die Polizei. Miteigentümer Lippens ist überrascht von dem Ausmaß der Zerstörungswut der Jugendlichen. „Es wurden Schaukästen zerstört, eingebaute Möbel, die eine Wiederverwendung erfahren sollten, kaputtgemacht, Feuerlöscher von einem Geschoss ins nächste getragen und dort entleert.“ Auch vor Kloschüsseln und Waschbecken hätten die Jugendlichen nicht halt gemacht. „Das war Schwerstarbeit“, stellt er im Gespräch mit dem Starnberger Merkur fest. „Da brauchte es eine hohe Vandalismus-Bereitschaft und viel Energie. Diese Taten sind nicht zu entschuldigen, das war kein Kavaliersdelikt.“ Im Polizeibericht ist die Rede von 50 000 Euro Sachschaden. Ob das genau zutrifft, weiß Lippens nicht. „Es handelt sich mit Sicherheit um einen fünfstelligen Betrag. Das wird der Gutachter klären.“

Es war nicht das erste Mal, dass Jugendliche in die verlassene Klinik einstiegen. Das Gebäude steht seit November 2019 leer. Die Zufahrten sind abgesperrt, aber der weitläufige, parkartige Garten lasse sich nicht mit einem Zaun abriegeln, sagt Lippens. Ihm und seinen Miteigentümern ist klar, dass das leere Gebäude mitten im Ort einen Anziehungspunkt für Jugendliche darstellt. Im vergangenen Jahr habe es ebenfalls Graffiti-Sprühereien gegeben, aber nicht so massive Zerstörungen. Damals habe man die Sache ohne Polizei geregelt, berichtet der Eigentümer. „Das werde ich aber nie wieder tun. Die Einsicht der Erziehungsberechtigten war sehr gering.“ Ob es sich im aktuellen Fall um dieselben jungen Leute wie beim ersten Mal handelt, kann Lippens nicht sagen.

Die vier Jugendlichen wurden zur Polizeiinspektion nach Starnberg gebracht und dann ihren Erziehungsberechtigten übergeben. Diese seien „nicht gerade erfreut“ gewesen, so der Polizeisprecher. Lippens hofft, dass die Eltern mit ihren Kindern reden. „So etwas ist nicht witzig, das hat Folgen“, unterstreicht er. „Ab 14 kommt das Jugendstrafrecht ins Spiel.“ Und der Staatsanwalt.

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