Ein Haus für die Orgel und andere Instrumente: Musikprofessor Harald Fellner in seinem Wohnzimmer mit den Plänen für seinen Musikraum, den er im Garten seines Hauses errichten möchte.
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Ein Haus für die Orgel und andere Instrumente: Musikprofessor Harald Fellner in seinem Wohnzimmer mit den Plänen für seinen Musikraum, den er im Garten seines Hauses errichten möchte.

Baugenehmigung abgelehnt

Musikprofessor erntet Kritik für Baupläne

  • vonSandra Sedlmaier
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Musikprofessor Harald Feller will in seinen Garten in Feldafing einen großen Raum für seine Musikinstrumente bauen. Die Gemeinde ist reserviert angesichts der Pläne und hat den Antrag auf Baugenehmigung abgelehnt.

Feldafing – Professor Harald Feller lehrt an der Hochschule für Musik in München und möchte sich neben sein Wohnhaus in Feldafing einen Musikraum zur privaten Nutzung bauen. Seinem Bauantrag hat der Bau-, Verkehrs- und Umweltausschuss nun aber das Einvernehmen verweigert. Mit der Begründung, dass die Abstandsflächen nicht eingehalten wurden. Gleichzeitig wurde aber deutlich, dass der Ausschuss den Musikraum nicht will – zum Teil aus ästhetischen Gründen, zum Teil, weil Konzerte mit entsprechendem Verkehr befürchtet werden. „Sollte das Landratsamt unser Einvernehmen ersetzen, werden wir nochmals gefragt“, erklärte Bürgermeister Bernhard Sontheim. „Dann können wir anders einsteigen.“

Der Antrag hört sich tatsächlich zunächst bombastisch an: „Errichtung eines Musikraumes mit eingebauter Orgel und Nebenräumen für einen Musikprofessor“, lautete der Tagesordnungspunkt 5 der Ausschusssitzung. Die Orgel gibt es schon, sie steht derzeit in Fellers Wohnzimmer. Das Gebäude soll eine Grundfläche von 177,60 Quadratmeter haben und 5,36 Meter hoch werden. Bürgermeister Sontheim vermisste die notwendigen Abstandsflächen. Auch die Abstandsflächen zur Bahn seien nicht eingehalten, von dort liege keine Genehmigung vor. „Unserer Meinung nach ist das gar nicht genehmigungsfähig.“

Feller, der am Dienstag als Zuhörer im Rathaussaal saß, verwunderte dies. „Die Architektin hat wegen der Abstandsflächen nochmals etwas nachgereicht“, sagt er auf Anfrage des Starnberger Merkur. Offenbar sei das nicht berücksichtigt worden.

Noch mehr aber überraschte ihn die Reaktion einiger Gemeinderäte. Nandl Schultheiß (CSU) beklagte, dass „eine Wahnsinnsfläche versiegelt wird“ und dass in dem neuen Gebäude Musikveranstaltungen geplant sein sollen. „Nicht mit Eintritt, aber gegen Spenden – dann ist es auch gewerblich, und dafür gibt es nicht ausreichend Parkplätze.“ Sontheim antwortete, dass es im Moment um die baurechtliche Beurteilung gehe. „Auf Gerüchte können wir nichts geben.“

Auch Michael Keltsch (AUF) war die Planung zu groß. „Das Gebäude ist für das kleine Grundstück schon eine Wucht“, sagte er. Er störte sich an der Form. „Das ist ein Haus für einen Orgelspieler, und das Gebäude sieht tatsächlich aus wie eine Orgel“, stellte er fest. „Aber muss das Haus eines Postboten aussehen wie ein Briefkasten? Das Haus eines Waldarbeiters wie eine Motorsäge?“ Später entschuldigte er sich für den „flapsigen Vergleich“, mahnte aber an, dass ein Gebäude auch zu seinem Ort passen müsse. Einzig Anton Maier (Grüne) räumte ein, dass ein Musikraum gewisse Anforderungen erfüllen müsse. „Den kann ich nicht in einen Kubus reinstecken.“

Die Geschmacksäußerungen im Ausschuss überraschten den Musikprofessor. „Es sollten doch sachliche Dinge geklärt werden.“ Feller hält den gerundeten Bauentwurf für gelungen. „Er hat mit Ästhetik und mit dem Goldenen Schnitt zu tun.“ Er wolle das Gebäude nicht nur für seine Orgel, sondern auch für sechs weitere Tasteninstrumente: ein Clavichord, zwei Cembali, eine kleine Truhenorgel, ein Flügel und ein Klavier. Deshalb müsse der Raum breit sein, sonst sähen die Instrumente aus wie aufgestapelt. Auch eine gute Akustik sei nötig, sagt der 69-Jährige. Er plant die Nutzung des Raums auch für seinen Ruhestand. „Der Raum soll schalldicht werden, ich will dort Aufnahmen machen können und forschen“, erklärt Feller. Und ja, ab und zu werde er Leute zu einer privaten Veranstaltung einladen. „Die Veranstaltungen werde ich nicht bewerben und nicht plakatieren.“ Feller hält den Musikraum für eine kulturelle Bereicherung für Feldafing. Er selbst bereichert das kulturelle Leben in Feldafing schon seit mehr als 30 Jahren als ehrenamtlicher Leiter des überregional bekannten Kirchenchors.

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