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Prosit zur Einweihung: Christoph Winkelkötter von der gwt, Feldafings Bürgermeister Ber nhard Sontheim, Vize-Landrat Tim Weidner, Michaela und Markus Finger sowie Managing Director Dr. Eike Hoppmann von Packsys (v.l.) feierten am Donnerstagabend das Ende der Bauarbeiten.

Wirtschaft

Packsys feiert Einweihung: „Ohne Unternehmen keine Steuern“

Das neue Wielinger Gewerbegebiet füllt sich. Die Firma Packsys zieht gerade ein, das Tutzinger Unternehmen Steinmüller will folgen. Die Neubauten im ländlichen Raum wurden bei der Einweihung verteidigt.

Wieling – Eine junge Frau ist am Donnerstag tagsüber einfach hineinspaziert. Sie fährt oft am neuen Firmengebäude des Unternehmens Packsys in Wieling vorbei, erzählte sie – und würde sich gern bewerben. „Die werde ich einstellen“, sagte Markus Finger, der Chef, am Abend. Da wurde der Neubau mit 160 Gästen eingeweiht – und Mitarbeiter sucht der Spezialist für pharmazeutische Verpackungen sowie Dosiersysteme ohnehin.

Es war eine Einweihung mit Baustellen-Charakter. Kritische Stimmen zu diesem Bauwerk neben der ansonsten ländlichen Wielinger Bebauung kennen alle. Christoph Winkelkötter, der Chef der Starnberger Wirtschaftsfördergesellschaft gwt, warnte vor voreiligen Urteilen.

Packsys-Chef Markus Finger kündigte eine ländliche Gestaltung mit Holzsatteldach und viel Begrünung an. Eine „lockere Bebauung“ habe seine Gemeinde zunächst angestrebt, gab Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim zu. Aber nicht nur städtebauliche, auch andere Aspekte spielten eine Rolle, so Arbeits- und Ausbildungsplätze oder Gewerbesteuer. Wenn Unternehmen, die für Expansion keine Flächen fänden, eines Tages „weg“ seien, gebe es keine Gewerbesteuer mehr, sagte Winkelkötter.

In Tutzing gibt es dafür einige Beispiele. Die dort früher ansässige Druckerei Molnar wollte erst nach Wieling, dann hat sie sich wegen Verzögerungen für Wielenbach entschieden. Als nächste will das Unternehmen Steinmüller Tutzing verlassen und nach Wieling umziehen. Von 16 000 Quadratmetern des neuen Gewerbegebiets hat Packsys die Hälfte erworben. Wenn Steinmüller einzieht, sind noch knapp 2000 Quadratmeter Platz für eine oder zwei weitere Firmen.

Für die jahrelangen Verzögerungen machte Sontheim gerade auch Behörden mitverantwortlich. Das Wasserwirtschaftsamt habe erst bei einer wichtigen Besprechung „durch Abwesenheit geglänzt“ und dann größte Bedenken vorgebracht. Winkelkötter habe es geschafft, dass Packsys im Landkreis geblieben sei, sagte Finger. Auch Sontheim ist manchen unbürokratischen Weg gegangen.

Noch Stunden vor dem ersten Spatenstich gab es keine Baugenehmigung, weil eine Brücke keinen Teerbelag hatte und das Landratsamt Schadenersatzforderungen befürchtete. Sontheim unterschrieb kurzerhand eine Erklärung zur Haftungsübernahme. „Hut ab vor der Gemeinde Feldafing“, sagte Finger. „Im Gegensatz zu Starnberg“, wo Packsys bisher ansässig war, bilde Feldafing eine Einheit und sei nicht zerstritten. Es sei traurig, dass eine erfolgreiche Firma Starnberg verlässt, sagte Vizelandrat Tim Weidner. Aber er sei froh, dass sie dem Landkreis die Treue hält.

Der Neubau trifft laut Finger auf eine positive Firmenentwicklung. 2017 sei für Packsys „ein sensationelles Jahr“ mit Rekordzahlen. Der Jahresumsatz wird mit 15,5 Millionen Euro angegeben. Auch über die 41 Mitarbeiter äußerte sich Finger begeistert. Bis zu 65 Mitarbeiter können es in Wieling werden. Zwischen fünf und zehn Millionen Euro soll der Bau gekostet haben. Neben Großraumbüros, Reinraum, Hochregal mit 3800 Stellplätzen und einer Photovoltaik-Anlage gibt es Sozialbereiche mit Kicker und Relaxzonen.

Selbst die Toilette erwähnte Finger. Dort werde es Musik geben, nur deren Stil sei noch nicht klar: ACDC? Helene Fischer? „Atemlos...“, kommentierte Weidner schmunzelnd. Sontheim plädierte für Jazz oder auch Rammstein – wenn er auch nicht genau wisse „was da dabei rauskommt“.

Von Lorenz Goslich

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