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Schlange stehen für Kaffeehaus-Flohmarkt

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Küchensieb, Bastkörbe und Müslischalen: Valentine Lanio und ihre Eltern Michael und Ulrike Lanio (v.l.) finden beim Flohmarkt im Café Max II einiges.
Küchensieb, Bastkörbe und Müslischalen: Valentine Lanio und ihre Eltern Michael und Ulrike Lanio (v.l.) finden beim Flohmarkt im Café Max II einiges. © Andrea Jaksch

So stilvoll die Kuchen von Kerstin Klug sind, so stilvoll schickt sie auch ihr Café Max II im Feldafinger Bahnhof in die Schlussgerade: mit mehreren Haltepunkten vor der Endstation zu Weihnachten und am Wochenende mit einem ersten Stopp beim Ausverkaufs-Flohmarkt.

Feldafing - Vogelkäfige, Teller, Vasen, Gartentische: Von groß bis klein und von dekorativ bis praktisch reichten die Gegenstände, die Kerstin Klug zusammengestellt hat. Während Gartenmöbel vor dem „Königsbahnhof“ auf Käufer warten, erinnert der Innenraum am Samstagvormittag fast an die Deko-Abteilung eines Möbelgeschäfts, so dicht und groß ist das Angebot.

Am geschickten Arrangement merkt man Klug an, dass sie schön öfter einen Künstler- und Kreativmarkt rund um den Bahnhof veranstaltet hatte. „Und dabei ist dies noch lang nicht alles“, kommentiert die Café-Pächterin, „am Sonntag lege ich noch mal weitere Objekte dazu – auf einmal hätten die gar nicht alle Platz gehabt.“ Die Aktion findet so große Beachtung, dass der Einlass an vielen Stunden des Wochenendes limitiert werden muss, um den Abstandsregeln zu genügen. Oft ist Schlange stehen angesagt.

„Wir wollten eigentlich auch etwas im Café essen, aber es war zu viel los“, berichtet Valentine Lanio. Für den Flohmarkt warten sie und ihre Eltern Ulrike und Michael Lanio geduldig auf Einlass. Die Tutzingerin ersteht einige Müslischalen und Nudelteller. „Ich hab’ sie gekauft, weil sie so gut zum vorhandenen Geschirr passen.“ Sie hoffe, mit dem Kauf auch die Betreiberin zu unterstützen. „Denn mit dem Kuchenbacken macht sie ja weiter.“

In der Rolle der aktiven Mama kommt Gabriele Höltke zum Bahnhof. „Meine Tochter ist gerade von München nach Feldafing gezogen“, berichtet die Tutzingerin. Weil die Tochter sich um ihr Baby kümmern müsse, habe sie auf dem Flohmarkt Fotos der interessanten Objekte gemacht und digital weitergeleitet, zur Prüfung auf Gefallen. „So habe ich einen Gartentisch mit Stühlen für meine Tochter mitgenommen.“

Beim Einladen sei ihr geholfen worden, lobt Höltke – und ist doch nicht ganz zufrieden, denn sie hält das Gastro-Angebot für unverzichtbar: „Ein Bistro im Bahnhof wäre wichtig, besonders eines, wo sich junge Mütter mit Kinderwagen ungezwungen treffen können, mit Ruhe und Ambiente“, sagt die 63-Jährige. Mit der Schließung des „Max II“ bestehe die Gefahr, dass es in Feldafing und Tutzing, abgesehen von Speiselokalen und Bäckereien am Straßenrand, nur noch „tote Hose“ gebe, wenn man sich nachmittags gemütlich verwöhnen lassen wolle.

Yvonne Plenk aus Feldafing ist der gleichen Ansicht: „Wenigstens ein Eiscafé hier wäre schon schön“, sagt die junge Mutter, „halt im Winter mit Lebkuchen und Glühwein für die Mamas.“ Plenk kommt zum Flohmarkt, gehört aber zu den eher sporadischen Gästen. Anders Silke Thomann und Martin Ludwig: „Wir waren einmal die Woche hier, mindestens am Donnerstag, dem Musikabend“, sagen die Feldafinger. Sie seien „sehr traurig, dass das Café jetzt aufhört“, betonen sie, und entscheiden sich für einen Gartentisch.

Ein besonders gemischtes Gefühl hat Brigitte Hornberg. Die Tutzinger Neubürgerin ist gerade erst am See zugezogen und hätte das „Max II“ gerne noch im Vollbetrieb erlebt. Mit ein paar Flohmarkt-Artikeln könne sie sich jetzt gleich einrichten, was natürlich positiv sei, doch unterstreicht sie: „Ich find’s schade, dass ich das Café nie in seiner Blütezeit gesehen habe.“

Immerhin ist das „Max II“ noch zwei Monate lang zu erleben, denn bis 19. Dezember führt Kerstin Klug den Betrieb mit dem Kernbestand an Geschirr fort. Am Ende werde wohl ein weiterer Flohmarkt stehen, sagt sie – dann auch mit der Eckbank und mit den Regalen. „Nur die Innen-Sitzgarnituren bleiben im Haus, denn die waren von der Gemeinde.“  

Andreas Bretting

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