+
Bierbestellung: Zwei Doppelbock für Michi Jirsa (l.) und Franz von Hunoltstein. Foto: Andrea Jaksch

Viel Applaus für dieses Ensemble

Feldafinger Theatergruppe: Von wegen Endstation

Feldafing – „Endstation“ für die Feldafinger Theatergruppe? Da muss man sich keine Sorgen machen. Selbst wenn sich Regisseur Franz Schrödl nach über 20 Jahren verabschiedet und mit der „Endstation“ von Josef Daser riesige Fußstapfen hinterlässt – es wird weiter geliebt, intrigiert, gekämpft, gegrantelt, geflucht und gesoffen auf der Bühne.

Schrödl hat aus der aktuellen Produktion des Großweiler Autors ein Feldafinger Stück gemacht: krachert, spritzig, heimatbezogen, kritisch und hautnah am Publikum. Da wird schon mal ein Schnapserl von der Bühne gereicht und kommentiert mit: „Ja moanst i sauf a Wassa do herobn?“

Ein aktueller Prolog (Franz von Hunoltstein) auf stilsicherer Bühne (Franz Schrödl) und mit stets passender Maske (Claudia Kögl, Christl Brückmann) führt ein in ein zeitloses Thema: Man will den Einheimischen Grund abluchsen, um Spekulationsobjekte zu verwirklichen – und die meisten lassen sich um den Finger wickeln. Die einen wittern das große Geld, die anderen die feschen Madln, die nächsten den sozialen Aufstieg. Wäre da nicht der eine Renitente, es hätte bös ausgesehen in Feldafing um 1860, als mit der Eisenbahnlinie bis Possenhofen die Eifersucht auf das florierende Gewerbe größer wird.

„Jetzt hot da Teifi an Sack aufgmacht“: Besser könnte man den Geschäftemacher nicht beschreiben. Mephistophelisch agiert Harry Straßner, dazu arrogant und völlig skrupellos. Er will „zu den oberen Zehntausend von Fedafing“ gehören. Dafür braucht er das Anwesen des Spediteuers und Gastwirts. Winni Englisch ist der Spielball der Interessen, ambivalent, mal radikal, mal schwach, zerstritten mit dem Stiefsohn, unter der Fuchtel und Fürsorge der Kellnerin (facettenreich und auf den Punkt: Carmen Schimmelpenninck). Die „Luschtbarkeit“ bringt ihn fast zu Fall: Die neue Haushälterin und „Stadtpritschn“ (Daniela Fuchs) umgarnt ihn – von ihrem Mann, dem Geschäftemacher darauf angesetzt. Was sagt der Stiefsohn? „Alkohol erleichtert die Qualen des irdischen Daseins.“ Franz von Hunoltstein brilliert nicht nur in den Suffszenen, sondern im Männertrio der Komiktalente: Michl Keltsch als rotzfrecher, agiler Fuhrknecht trägt das Herz auf der Zunge. Und Michi Jirsa braucht nicht mal Worte, um – völlig schmerzfrei als „Zuagroaster, Migrant, dorada Depp“ – das Publikum zum Brüllen zu bringen.

Franz Schrödl wird sich beim  Jubiläum des Feldafinger Strandbades mit der Wiederholung des Fliegenden Holländer verabschieden. Aber im Hintergrund wird er wohl weiter „seine“ Truppe unterstützen. Freia Oliv

„Endstation“: Weitere Aufführungen 4. bis 9. April, Theaterkeller Feldafing.    fo

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mann überfallen, Täter auf der Flucht
Unbekannte haben in Pöcking am Sonntagabend einen Mann überfallen und ihm 1000 Euro gestohlen haben. Eine Fahndung ist eingeleitet.
Mann überfallen, Täter auf der Flucht
Baum trifft Vater und Kind: Polizei sucht Zeugen
Schwere Unwetter haben am Freitagabend im Landkreis Starnberg mehrere Verletzte gefordert. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz.
Baum trifft Vater und Kind: Polizei sucht Zeugen
Vorfahrt missachtet
Kleine Ursache, große Wirkung: Weil ein 42-Jähriger die Vorfahrt missachtete, krachte es am Freitagabend bei Gilching.
Vorfahrt missachtet
Gauting muss sein Ökokonto auffüllen
Wegen des geplanten Gewerbegebiets beim Unterbrunner Holz muss die Gemeinde Gauting ihr Ökokonto auffüllen. Damit beauftragte der Umweltausschuss ein Planungsbüro. Wie …
Gauting muss sein Ökokonto auffüllen

Kommentare