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Ein Kühlschrank für Generationen: Seit 1956 hatte Ingeborg Straub (Mitte) ihren Kühlschrank. Umweltberater Herbert Schwarz (l.) übergibt die Fördersumme symbolisch. Walter Kellner (2.v.l.) vom Energiewendeverein freut sich mit.

Klimaschutz-Aktion

Der Kühlschrank ihres Lebens

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Wer hat den ältesten Kühlschrank im Landkreis Starnberg? Das wollte das Landratsamt wissen - und fand einen sehr alten bei  Ingeborg Straub in Feldafing.

Feldafing – Keine zwei Minuten dauert es, dann ist der Bosch-Kühlschrank im Laderaum des Bauhoflieferwagens und vom Hof von Ingeborg Straub in Feldafing verschwunden. „Sollte ich jetzt noch eine Träne verdrücken“, fragt die 84-Jährige und lacht.

Nach 61 Jahren gibt sie ihren Kühlschrank ab. Sie bewarb sich bei der Tauschaktion von Landratsamt und Energiewendeverein. Es kam heraus, dass Straub das älteste Gerät im Landkreis besitzt. Daher erhält sie nun 500 Euro für die Anschaffung eines neuen Kühlschranks. Der steht bereits angeschlossen in ihrer Küche.

Der alte stand im Keller und lief bis zuletzt. Er war vor allem bei sommerlichen Familienfesten gut mit Getränken gefüllt. Früher aber musste er dauerhaft Essen und Getränke für eine fünfköpfige Familie aufnehmen, wie Ingeborg Straub erzählt. „Wir sind nach der Hochzeit in eine Stadtwohnung nach Schwabing gezogen, da haben wir ihn direkt gekauft.“ 450 Mark hatte er gekostet. „Im Verhältnis zu unserem Einkommen war er eigentlich teuer.“ Acht Jahre später zog die Familie nach Feldafing. Nach 25 Jahren gab es eine neue Küche, der alte Bosch-Kühlschrank wanderte als Zweitgerät in den Keller.

Endstation Wertstoffhof

220 Volt, 50 Hertz, 100 Watt, 61 Jahre. Zwischendurch dachte Straub nie daran, ihn auszutauschen. Auch mit Werbeangeboten beschäftigte sie sich nicht. „Da habe ich nicht mehr den Nerv dazu.“ In all den Jahrzehnten ging nur der Türgriff kaputt, den Straubs Vater ersetzte. „Die Garantie ist ja schon abgelaufen“, scherzt die Fränkin. „Der schönste ist er auch nicht mehr.“ Das alte Gerät landet auf dem Wertstoffhof. Hochzeit, erste Wohnung, erstes Haus – es hat Straub bei wichtigen Stationen ihres Lebens begleitet.

Sie freut sich dennoch über ihren neuen Kühlschrank. 600 Euro hat er gekostet. Besondere Erwartungen hat die 84-Jährige nicht: „Er muss eigentlich nur in die Küche passen.“ Sie wusste die Langlebigkeit ihres alten Gerätes aber durchaus zu schätzen. Wenn es bei Gesprächen mit Bekannten um neue Technik ging und wie schnell doch neue Geräte heutzutage kaputtgehen, erzählte sie gerne von ihrem alten Kühlschrank.

Neues Gerät verbraucht viel weniger Strom

Der verbrauchte aber acht Mal so viel Strom wie ihr neuer, schätzt Walter Kellner. Der Vorstand vom Energiewendeverein sagt: „Das ist noch nicht die große Energiewende – aber es fängt im Kleinen an.“ 148 Landkreis-Bürger hatten sich für die Tauschprämie beworben. Zwei Wochen lang wühlten sich Bosch-Mitarbeiter durch Archive – das genaue Alter von Straubs und anderen Geräten aus den 50ern war aber nicht herauszubekommen. Deshalb gibt es noch drei weitere Gewinner mit Kühlschränken aus den 50ern. „Mit so vielen Bewerbern haben wir nicht gerechnet“, gibt Umweltberater Herbert Schwarz vom Landratsamt zu. Die meisten hätten sich mit Kühlschränken aus den 70er oder 80ern beworben. Einer meldete sich mit einem Gerät aus den 2000ern. Klingt neu. Aber: „Da wäre es auch schon aus Wirtschafts- und Energiesicht sinnvoll, zu wechseln.“

Ohne die Tauschaktion hätte der älteste Kühlschrank des Landkreises wohl noch einige Familienfeste mitgemacht, wie Straub sagt: „Er ist ja noch gelaufen.“

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