+
Das Leichenhaus in Feldafing ist sanierungsbedürftig. Unter anderem soll es neu gestrichen werden. Dafür muss allerdings ein Restaurator zunächst den exakten Gelbton – also die Originalfarbe – herausfinden. 

Originalfarbe muss herausgefunden werden

Feldafings Leichenhaus wird saniert: Denkmalschutz bringt Herausforderungen mit sich

  • schließen

Der Gemeinderat bewilligt die Sanierung des Feldafinger Leichenhauses für rund 27 000 Euro. Das Einhalten des Denkmalschutzes bringt Herausforderungen mit sich. 

Feldafing – Risse in den Wänden, abgeblätterte Fenstersäulen, kaputte Fliesen: Das denkmalgeschützte, 1902 erbaute Feldafinger Leichenhaus leidet an Altersschwäche. Damit es saniert wird, hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig 27 500 Euro für den Haushalt bewilligt. Das gemeindeeigene Unternehmen PEWU hat einen Maßnahmenkatalog erstellt. „Von der Bausubstanz her steht das Haus noch gut da“, berichtet PEWU-Chef Andreas Keller. Doch wer sich die Details anschaut, sehe, dass einiges nicht mehr auf dem neuesten Stand ist.

Bestes Beispiel ist die Toilette, die laut Keller wohl aus den 1960er Jahren stammt. Bisher befindet sich im Leichenhaus ein Klo, für ein zweites wäre nach Aussage des PEWU-Geschäftsführers Platz. Die sanitären Anlagen werde man allerdings erst 2020 erneuern, die Summe im Gemeindehaushalt sei für andere Dinge vorgesehen.

Sichtbare Kabel sollen versteckt werden

Unter anderem für Verputzungsarbeiten: So sollen die Kabel für die Hauselektrik nicht mehr sichtbar an den Wänden laufen, sondern versteckt werden. Das gilt auch für die Rohre der Abwasserleitungen. Darüber hinaus sollen Schlitze von früheren Elektroinstallationen geschlossen werden.

Der Denkmalschutz bringt kleinere Herausforderungen mit sich: „Wir müssen die Fenster vorsichtig behandeln und wollen nicht groß eingreifen“, sagt Keller. Helfen soll eine Fachfirma, die zum Beispiel mit der Behandlung der alten Holzverkleidungen Erfahrung hat.

„Wenn die Gerüste schon stehen“, so Keller, soll das Leichenhaus auch gleich neu gestrichen werden. Das klingt einfacher, als es ist. Denn: Erst einmal müsse mithilfe eines Restaurators die Originalfarbe herausgefunden werden – also der entsprechende Gelbton der Fassade und das passende Weiß für die Fenster.

Plan fand sichim Nachlass von Engelbert Knittl

Dass das Haus mit dem kleinen Türmchen seit dem Bau nicht verändert wurde, beweist der Originalplan aus dem Jahr 1902. Gemeindearchivarin Martina Graefe konnte ihn vor kurzem in ihren Fundus aufnehmen. „Es ist ein großes Glück, dass wir ihn haben.“ Mit ihren Kollegen arbeitet sie seit Monaten den Nachlass von Engelbert Knittl auf. „Und das wird auch noch Monate dauern“, sagt Graefe. Knittl stammt aus einer Familie, die unzählige Villen und Häuser rund um den Starnberger See gebaut hat. Genau wie Stefanie Knittl, die ein Buch über die Arbeit ihrer Vorfahren geschrieben hat und die historischen Hintergründe deshalb genau kennt. Engelbert Knittl hat ihrer Aussage nach zum Beispiel das Leichenhaus in Pöcking gebaut. Jenes in Feldafing stammt allerdings von seinem Vorgänger Johann Biersack. Dessen Baugeschäft hatte Knittl im Jahr 1907 übernommen – und laut Stefanie Knittl damit auch den Plan von 1902.

Lesen Sie auch:

Halbe Million für Feldafinger Laufbahn: Der Bürgermeister hat wegen etwas anderem Bauchschmerzen

Der Jazzer unter den Bürgermeistern: Bernhard Sontheim feiert 60. Geburtstag

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Eine runde Sache
Ein arbeitsreiches Jahr liegt hinter der Nachbarschaftshilfe Wörthsee. Bei der Jahresversammlung präsentierte der Vorstand spannende Zahlen und wurde im Amt bestätigt. 
Eine runde Sache
Ein großes Spektakel
Der Gewerbeverein in Inning lädt für 19. Mai zum Marktsonntag. 
Ein großes Spektakel
Täterin wollte Mädchen auf S-Bahn-Gleis schubsen: Polizei suchte mit Fotos - mit überragendem Erfolg
Eine Planeggerin und eine Starnbergerin wurden am Ostbahnhof massiv körperlich bedrängt und verletzt. Die Polizei bat die Bevölkerung um Hilfe - mit Erfolg.
Täterin wollte Mädchen auf S-Bahn-Gleis schubsen: Polizei suchte mit Fotos - mit überragendem Erfolg
Hürden für Villino-Gedenkstätte
Die Sanierung des Villino zu einer Thomas-Mann-Gedenkstätte und dem Sitz der Artemed-Stiftung ist rechtlich offenbar schwieriger als gedacht. Das Landratsamt hat die …
Hürden für Villino-Gedenkstätte

Kommentare