Der Bürgermeister vor dem Schmuckstück der Gemeinde: Bernhard Sontheim steht auf der leicht verschneiten Wiese des Feldafinger Strandbads. Dessen Sanierung ist eines der anstehenden Projekte für 2021.  Foto: Andrea Jaksch
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Der Bürgermeister vor dem Schmuckstück der Gemeinde: Bernhard Sontheim steht auf der leicht verschneiten Wiese des Feldafinger Strandbads. Dessen Sanierung ist eines der anstehenden Projekte für 2021.

DAS BRINGT DAS JAHR 2021 - Bürgermeister Sontheim über Feldafings wichtigste Vorhaben

Feuerwehrhaus, Strandbad und Wohnraum

  • vonSandra Sedlmaier
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Die Gemeinde Feldafing hat sich für 2021 zwei große Projekte vorgenommen: die Planung des neuen Feuerwehrhauses und die Sanierung des denkmalgeschützten Strandbads. Wie Bürgermeister Bernhard Sontheim auf das neue Jahr blickt, erklärt er im Interview.

Feldafing – Herr Sontheim, wie wird sich die Pandemie entwickeln?

Ich gehe davon aus, dass wir bis zum Frühjahr mit erheblichen Einschränkungen leben müssen. Es wird keine Konzerte, keine Veranstaltungen geben. Im Sommer wird es sich wieder entspannen. Dann hoffen wir, dass bis in den Herbst hinein alle so weit durchgeimpft sind, dass die Pandemie so gut wie vorbei ist. Es wird Impfunwillige geben – selber schuld, kann ich da nur sagen.

Wie geht es dem Gewerbe in Feldafing unter diesen Bedingungen?

Den Restaurants geht es momentan nicht gut. Alle bieten einen Bring- und Holservice an. Ich kenne einige Feldafinger, die sich am Wochenende etwas holen, ich auch, um die Gastronomie zu unterstützen. Statt unserer gemeindlichen Weihnachtsfeier haben die Rathausmitarbeiter Restaurantgutscheine bekommen. Wenn die Lokale wieder offen haben, können sie essen gehen. Ein kleiner Beitrag für die Feldafinger Wirtschaft. Von den Geschäften habe ich bisher nichts Negatives gehört. Wir haben ja nicht so viele Geschäfte.

Was steht 2021 an?

Zwei große Projekte: der Neubau des Feuerwehrhauses und die Sanierung unseres denkmalgeschützten Strandbades. Bei beidem kommen wir hoffentlich nächstes Jahr mit der Planung so weit, dass wir 2022 anfangen können. Dazu kommt das Tagesgeschäft: die Bebauung des Areals der ehemaligen Buchheim-Villa, ein Bebauungsplan für die Grüne Villa, ein Architektenwettbewerb für das ehemalige Klinikareal, und wir werden das Baugebiet an der Wielinger Straße überplanen.

Wie lässt sich das alte Klinikgelände so gestalten, dass die Gemeinde etwas davon hat – Stichwort bezahlbarer Wohnraum?

Die Eigentümer haben angeboten, dass sie abhängig von der Baurechtsmehrung der Gemeinde entgegenkommen könnten. Wobei das mittlerweile normal ist. Die Frage ist nur: Wird es mehr Baurecht geben? Darüber haben wir im Gemeinderat noch nicht gesprochen. Ich werde erst in Verhandlungen mit den Eigentümern einsteigen, wenn wir einen Bebauungsplanentwurf haben, der das künftige Baurecht definiert. Dann können wir schauen, ob man für die Gemeinde was rausholen kann. Dann gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen bezahlbaren Wohnraum schaffen, wobei die Bindungsfrist nur 15 Jahre beträgt. Deshalb halte ich davon wenig. Zum anderen könnten wir Flächen kaufen und bebauen. Die könnten wir dann vermieten, wie wir es für richtig halten. Bezahlbarer Wohnraum stünde so nachhaltig und langfristig zur Verfügung.

Wohnraumbewirtschaftung ist aufwendig. Wie viele Wohnungen hat die Gemeinde bereits in ihrem Besitz?

Wir haben 29 Wohnungen, die wir günstig vermieten. Wir überlegen, an der Stadionstraße, wo die alten Tennisplätze waren, als Gemeinde oder mit dem Verband Wohnen, dem PEWU oder einer Genossenschaft einen Geschosswohnungsbau zu schaffen. Wir hatten dort schon einmal einen Bebauungsplan für Doppelhäuser und Reihenhäuser. Diese Bebauung ist aber nicht mehr zeitgemäß. Im alten Gemeinderat haben wir über einen Geschosswohnungsbau bis hinauf zur Turnhalle gesprochen. Das wären vier, fünf Stockwerke, dort könnte man eine schöne Anzahl bezahlbarer Wohnungen zur Verfügung stellen. Das wird aber noch dauern, weil wir einen Bebauungsplan und ein wasserrechtliches Verfahren brauchen.

Die andere große Entwicklungsfläche für Feldafing ist ja nun völlig aus dem Spiel.

An das Bundeswehrgelände verschwende ich keinen Gedanken mehr. Das Einzige, worüber ich nachdenke, ist: Woher kriegen wir die knapp zwei Millionen Euro, die wir dafür verplempert haben? Das ist allein der Nettobetrag, den Feldafing für Planungen rund um das Bundeswehrgelände investiert hat.

Dazu kommen weitere Fördermittel, etwa die befristete Stelle, die es bei der Wirtschaftsförderung für die Konversion gab.

Ja, die habe ich noch nicht mitgerechnet. Wir haben zusammengezählt, was die Gemeinde in den vergangenen 19 Jahren an Kosten hatte. Davon haben wir abgezogen, was wir direkt an Fördergeldern bekommen haben, und dazugerechnet, was wir an Arbeitsaufwand hatten. Das sind knapp zwei Millionen Euro. Dazu kommen die Fördergelder, die Freistaat, Bund und Europan ausgegeben haben, und die Gelder, die direkt bei der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Tourismus gwt gelandet sind – das ist bestimmt noch mal locker eine Million.

Es war schon sehr würdelos, wie Sie von den Plänen der Bundeswehr erfahren haben: aus der Zeitung. Nach all den Jahren des Verhandelns.

Ja, würdelos ist das richtige Wort dafür. Arrogant, würdelos, ignorant. Ich habe Michael Kießling, den Bundestagsabgeordneten für den Wahlkreis Starnberg, um Hilfe gebeten und ihm unsere Kostenaufstellung geschickt. Er versprach, sich im Verteidigungsministerium für uns einzusetzen. Ministerpräsident Söder habe ich auch geschrieben. Von beiden habe ich noch nichts gehört.

Gibt es Stimmen aus der Bevölkerung, die sich über den Gesinnungswechsel der Bundeswehr ärgern?

Nein. Wir haben 19 Jahre lang eine Riesenchance für Feldafings Entwicklung gesehen. Manche sind vielleicht sogar froh, dass nichts passiert. Andere wiederum sagen: „Schade.“ Lamentieren bringt jedoch nichts. Die Entwicklung der letzten Jahre war immer auf die Bundeswehr ausgerichtet. Deshalb haben wir kein Einheimischenmodell ausgewiesen, keinen bezahlbaren Wohnraum geschaffen, kein Gewerbegebiet ausgewiesen – alles, was uns in der Entwicklung weitergebracht hätte, liegt seit 20 Jahren auf Eis. Jetzt müssen wir schauen, zumindest Teile aufzuarbeiten, aber nicht mehr im Hinblick darauf, dass die Bundeswehr auszieht.

Wo könnte man ein Einheimischenmodell verwirklichen?

Konkrete Pläne gibt es nicht. Auf der Lipp-Wiese wäre ein kleines Einheimischenmodell möglich, ebenso auf der Walser-Wiese. Es gibt Flächen, vielleicht auch in Zusammenhang mit der alten Klinik – aber das sind ungelegte Eier.

Wo könnte man Gewerbe entwickeln?

Dafür sehe ich momentan wenig Chancen. Das kleine Gewerbegebiet in Wieling konnte nur entstehen, weil die Bundeswehr damals ihren Abzug nach hinten verschoben hat. Ansonsten hätten wir dort draußen nie ein Gewerbegebiet genehmigt bekommen. Die drei Betriebe, die dort sind – Packsys, Starnberger Brauhaus und Steinmüller –, passen gut zu Feldafing.

Wie sieht der Plan fürs Strandbad aus?

Das Wesentliche ist, den Küchenbereich so zu bauen, dass der Betrieb vernünftig funktioniert. Es gibt verschiedene Ideen, die als Grundlage für eine Konzeption dienen. Das jetzige Restaurant ist der denkmalgeschützte Bereich, den werden wir sanieren. Die Außenflächen wollen wir komplett neu gestalten und die Auswüchse der Vergangenheit – eine Veranda hier, ein Kiosk da – wegnehmen. Im hinteren Teil werden wir den Küchenanbau aus den 1970er Jahren wegreißen und neu errichten.

Wie wird der Neubau aussehen?

Das ist noch nicht entschieden. Sicher ist, dass wir in den Untergrund gehen. Wir wollten zunächst ebenerdig bleiben, dann hätten wir vom Freistaat, der Schlösserverwaltung, eine Abstandsflächenübernahme auf dem Weg nebenan gebraucht. Dafür wollte der Freistaat erst 310 000 Euro, jetzt sind wir bei 220 000 Euro. Das ist Wahnsinn, deshalb sagen wir: Lieber gehen wir in die Tiefe und haben die Abstandsflächen auf dem eigenen Grundstück.

Woher kam dieser exorbitante Preis?

Der Freistaat hat die Abstandsflächen auf der Basis von Baulandpreisen berechnet. Als ob der Weg, der ums Strandbad herum führt, irgendwann mal Bauland wird.

Im Obergeschoss des Anbaus sind Wohnungen geplant?

Das diskutieren wir noch, wegen der Kosten. Wir könnten nie so viel Miete einnehmen, dass sich das irgendwann rechnet. Zwei Gründe sprechen trotzdem dafür: Die Pächterin hätte es mit Wohnraum leichter, Personal zu finden, und es wäre ständig jemand da, sodass das Strandbad vor Vandalismus geschützt wäre.

Das Lokal bleibt zwischenzeitlich geschlossen?

Das wollen wir eigentlich vermeiden. Wenn wir wissen, wie wir sanieren, können wir uns überlegen, wie man den Betrieb des Strandbads aufrechterhalten könnte. Wir denken an einen Küchencontainer oder eine andere Möglichkeit, damit das Restaurant offen bleiben kann.

Was wird die Sanierung kosten?

Mit zwei Millionen Euro müssen wir schon rechnen.

Der Verein zum Erhalt des Strandbads will sich auch finanziell engagieren.

Ja, die Mitglieder sammeln fleißig Geld. Geplant ist, dass sie ein abgeschlossenes Projekt im Zuge der Sanierung stemmen. Eine Terrassengestaltung wäre etwa eine Möglichkeit.

Wie sieht es mit der Turnhalle aus? Deren Sanierung steht ja auch an, dank eines 900 000-Euro-Zuschusses.

Wir haben die Förderzusage bekommen, müssen aber noch klären, welche Voraussetzungen wir erfüllen müssen. Wir haben ein Volumen von 3,2 Millionen Euro beantragt und eine Million genehmigt bekommen. Nun ist die Frage: Müssen wir eine Planung über 3,2 Millionen Euro machen oder reicht eine Million? Wenn wir das wissen, überlegen wir uns, was wir dringend brauchen. Sicher das Dach, und wir werden auch die Dachkonstruktion verbessern und eine thermische Sanierung vornehmen. Wir brauchen wohl auch einen neuen Turnhallenboden. Wenn wir das alles machen, sind wir ohnehin über die Million Euro drüber.

Thema Feuerwehrhaus: Im Lauf des kommenden Jahres wird sich ein Stand- ort herauskristallisieren. Welchen ziehen Sie vor?

Keiner der möglichen Standorte ist ideal. Wir müssen sehen, welche Kröte wir schlucken.

Das sind große Projekte, die viel Geld kosten werden. Kann sich das Feldafing erlauben?

Wir schließen zum Jahresende voraussichtlich mit bis zu 8,5 Millionen Euro Bestand an liquiden Mitteln ab. Davon können wir uns schon ein bisschen was leisten. Allerdings weiß natürlich niemand, wie es mit dem Steueraufkommen insgesamt weitergeht. Die Einkommensteuer wird sich deutlich reduzieren. Wie sich die Gewerbesteuer entwickeln wird, kann man nicht sagen. Sicher ist: Die Kreisumlage wird uns in den kommenden Jahren so schwer treffen, dass wir für freiwillige Leistungen kaum mehr Geld haben werden. Was der Kreistag veranstaltet, ist vollkommen verantwortungslos gegenüber den Kommunen.

Sie sind in Ihrer letzten Amtsperiode. Macht sich bei all den Knüppeln, die Ihnen zwischen die Beine geworfen werden, eine gewisse Amtsmüdigkeit bemerkbar?

Nein, absolut nicht. Im Gegenteil. In den kommenden fünfeinhalb Jahren möchte ich etwas bewegen, dafür bin ich gewählt worden, und das werde ich auch tun. Ich möchte meinem Nachfolger eine Gemeinde übergeben, in der kein großer Stau herrscht.

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