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Eine vergnügte Gedenkfeier für Friedl Brehm gestalteten (v.l.) Bernhard Setzwein, Dr. Norbert Göttler, Josef Wittmann und Helmut Eckl.

Literatur

Monarchist im Hippie-Look

Im Feldafinger Bürgersaal gab es eine Gedenkfeier für den Autor Friedl Brehm, der heuer seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.

Feldafing – Der Abend hätte Friedl Brehm gefallen. Da war sich Sigrid Friedl-Lausenmeyer ganz sicher. Genau an dem Tag, an dem der Feldafinger Autor und Verleger Friedl Brehm 100 Jahre alt geworden wäre, gab es eine einmalige Geburtstagsfeier im gut gefüllten Feldafinger Bürgersaal.

Es wurde erzählt, es wurden Texte gelesen, die Fraunhofer Saitenmusik und die Gruppe „Sparifankal” mit dem genialen Andi Sturm an der Mundharmonika traten auf. Alles bairisch vernetzt, und es griff wunderbar inein-ander. Unter den Gästen waren nicht nur die Feldafinger Ehrenbürger Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Vera Schmid, sondern auch der radelnde Pöckinger Bürgermeister Rainer Schnitzler, der selbst nachts in die Pedale steigt und Tutzings Ex-Bürgermeister Alfred Leclaire, der jetzt auch nichts mehr dafür tun kann, dass die Tutzinger das Friedl-Brehm-Denkmal wieder rausrücken und den Feldafingern überlassen (wir berichteten).

Selbstlos, bescheiden, ein etwas verrücktes Wesen, ein laufender Meter, so ist Friedl Brehm den Feldafingern in Erinnerung. Aber wie war er wirklich? Brehms Zimmer war eine rauchvernebelte, mit Büchern vollgestopfte Bude, Brehms politische Haltung „immer gegen die Machthaber“. So schildern es die Zeitzeugen. Vier davon saßen auf dem Podium im Bürgersaal, um zu erzählen. Helmut Eckl, Carl-Ludwig Reichert, Bernhard Setzwein und Josef Wittmann, allesamt Schriftstellerkollegen der ersten Stunde, charakterisierten Friedl Brehm als sympathischen Chaoten, der links und konservativ war.

Er hat sich im Bayernbund engagiert und war überzeugt davon, dass die Monarchie die richtige Staatsform für Bayern sei. „Tagebuch hat er geführt wie ein Deutschnationaler“, so Eckl. Ein Monarchist im Hippie-Look also. Die Mundart war kein Glaubensbekenntnis, „er hat ein gepflegtes Oberdeutsch gesprochen“. Sie war ihm als Literatur ein Anliegen.

Seinen Verlag verstand er als Sprachrohr der Stummen. Als Verleger war er ein Avantgardist, der seine Nase im Wind hatte und so zum Wegbereiter einer bayerischen Gegenkultur wurde. Schon 1979 hatte er drei Bücher von Gerhard Polt herausgebracht. Auch Eckl, Setzwein, Reichert, Wittmann haben ihre erste Chance beim Feldafinger Friedl-Brehm-Verlag bekommen.

Die inzwischen weißhaarigen Autoren bedankten sich mit Kostproben aus ihren eigenen Werken und mit der Botschaft von Friedl Brehm, dass „der echte Bayer nicht jodelt, nicht schuhplattelt, nicht wildert (wenn andere dabei sind)“.

Astrid Amelungse-Kurth

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