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Mittlerweile ist die Grüne Galerie in Feldafing auch beheizt und wartet auf Besucher. 

Grüne Galerie

Im Reich der Phantasie

Feldafing – Jeden ersten Samstag im Monat öffnen sich um 14 Uhr die Türen der Grünen Galerie in der Bahnhofstraße in Feldafing, die einst der Kunstsammler Lothar-Günther Buchheim für seine Sammlungen erworben hat.

Während sein Wohnhaus in Feldafing nun abgerissen wird und fast alles, was in dem Haus gestanden hat, nach Bernried ins Museum der Phantasie überführt wurde, herrscht in der Grünen Galerie noch der wahre Geist Buchheims.

Herbertz: „Leider im letzten Jahr nur 50 Besucher“

Schon deswegen lohnt sich der Rundgang immer wieder und hält, was das Museum verspricht: ein Fest für die Sinne. Hunderte Teekesselchen, Industrieflaschen, Flacons, Porzellanblumen, Marionetten, Blechspielzeug, Hinterglasbilder, Muscheln, Nussschalen und Obstkerne, Früchte, Knochen oder eine Gullymadonna, dazu ein Garten der Lüste – die Grüne Galerie ist ein immer noch ein Wunderkabinett, geschaffen von einem besessenen Sammler, „der wie ein Renaissancefürst alles aufhob, was nur tauglich war, die Phantasie zu beflügeln“.

So stellt Eva-Maria Herbertz, eine der Damen, die die Besucher durch das Haus führen, Buchheim vor. „Leider haben im letzten Jahr nur 50 Besucher in die Grüne Galerie gefunden“, sagt sie und weist darauf hin, dass ein Rundgang nun viel entspannter ist. Die Räume sind seit der Komplettsanierung nun beheizt. Der Besuch lohnt. Vor allem auch, weil man beim eineinhalbstündigen Rundgang weit mehr erfährt, als die Geschichte des Kunstsammlers und seines Museums. Was viele auch nicht wissen: Seit dem Sommer steht das Haus unter Denkmalschutz. Nicht etwa wegen Buchheim.

Franziska Rosenberger war Zimmermädchen im Hotel Kaiserin Elisabeth

Im Haus befindet sich auch ein Stresemann-Zimmer, ein holzgetäfelter Raum mit Einbaumöbeln, der einst für den Staatsmann eingerichtet wurde. Er verbrachte hier seine Ferien, als das Haus Stresemanns Schwester gehörte, die mit dem Kammerpräsidenten Kurt von Kleefeld verheiratet war. Überliefert wurde dies alles mündlich. Franziska Rosenberger erzählte der Ortshistorikerin Eva-Maria Herbertz, die oft die Führungen in der Grünen Galerie übernimmt, ihre Geschichte zwei Jahre, bevor sie verstarb.

Franziska Rosenberger war Zimmermädchen im Hotel Kaiserin Elisabeth und brachte als junges Mädchen dem Staatsmann Gustav Stresemann das Essen in sein Feriendomizil. Der Nachwelt ist Franziska Rosenberger als kleine Fanny bei Thomas Mann erhalten geblieben, deren Aufgabe es war, den teuer und gut gekleideten Dichter am Starnberger Bahnhof oder in Possenhofen abzuholen. Fanny hat auch die Geburt der beiden Zwillinge Katja und Klaus Mann in der Dependance des Hotels, schräg gegenüber der Grünen Galerie, mitbekommen.

Grüne Galerie bietet jeden ersten Samstag im Monat Führung an

Dieses Haus gehörte damals Georg Pschorr und beherbergte regelmäßig Sommergäste, unter anderen Richard Strauss, der den Feldafingern als passionierter Tennisspieler im Gedächtnis geblieben ist. Der Komponist hat in Feldafing auch seine spätere Frau kennen gelernt, sich hier mit ihr verlobt und natürlich auch komponiert.

Die Grüne Galerie öffnet jeden ersten Samstag im Monat um 14 Uhr zu einer Führung durch das Haus. Oder auf Anfrage unter Telefon (0 81 58) 99 70 50.

Von Astrid Amelungse-Kurth

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