Streit und Versöhnung: Ken Duken als Hans Albers und Picco von Groote als Hansi Burg inszenieren am Starnberger See eine große Auseinandersetzung. Foto: NDR/Zeitsprung Pictures/Michael Ihle
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Streit und Versöhnung: Ken Duken als Hans Albers und Picco von Groote als Hansi Burg inszenieren am Starnberger See eine große Auseinandersetzung.

Dokudrama am Mittwoch

Hans Albers und seine jüdische Liebe: ARD-Film spielt am Starnberger See

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Das Dokudrama „Die Liebe des Hans Albers“ läuft am Mittwoch im Ersten. Der Starschauspieler ist auch heute noch Thema am Starnberger See. Die Zukunft seiner Villa ist weiter ungeklärt. Aber es gibt Pläne.

Garatshausen – Das Erste zeigt am Mittwoch ab 21.45 Uhr das Dokudrama „Die Liebe des Hans Albers“. Schlüsselszenen des Films, der die Beziehung des Starschauspielers (gespielt von Ken Duken) zur Jüdin Hansi Burg (Picco von Groote) thematisiert, wurden Anfang Februar 2020 am Starnberger See gedreht. Er rückt damit auch die ungeklärte Zukunft der Albers-Villa in Garatshausen, die seit Mai unter Denkmalschutz steht, in den Fokus.

Fiktive Szenen mischen sich mit Originalaufnahmen und Ausschnitten aus Albers’ Spielfilmen. Laut ARD-Ankündigung stellt das Werk von Regisseur Carsten Gutschmidt nicht das Idol der 30er-, 40er- und 50er-Jahre, den Frauenheld und Draufgänger in den Vordergrund – sondern konfrontiert Albers „mit existenziellen Fragen von Haltung und Moral: Was hast Du gegen die Nazis getan? Warum hast Du Deinen Freunden und Hansis Eltern nicht noch mehr geholfen? Warum hast Du dich von Goebbels und Co. zwar ferngehalten – aber bereitwillig dem Nazi-System gedient, indem Du Film um Film für sie gedreht hast?“.

Die beispiellose Karriere des „blonden Hans“ erzählt die Zeitsprung-Pictures-Produktion in Rückblenden: Aufgewachsen als Sohn eines Schlachtermeisters in Hamburg-St. Georg, will Albers schon früh zum Theater – doch seine Eltern sind dagegen. Heimlich nimmt er Schauspielunterricht, zieht nach Berlin, um sein Glück zu suchen. Dort trifft er auch seine Jugendfreundin Hansi Burg wieder. Die beiden sind die perfekte Symbiose: Er der Schauspieler mit dem unwiderstehlichen Charme, mit einer Schwäche für Frauen, Alkohol und Glücksspiel. Sie die Disziplinierte, die ihn managt und geschickt seine Rollen auswählt.

Die Albers-Villa in Garatshausen steht seit Mai unter Denkmalschutz. Nach Plänen eines Münchner Vereins soll sie ein deutsch-jüdischer Erinnerungsort werden.

Burg flieht 1938 vor dem Antisemitismus nach London. Albers bleibt in Deutschland, filmt weiter. Ein Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg, 1946, treffen sich die beiden am Starnberger See wieder. Hansi Burg kehrt zurück in das Land der Mörder ihrer Eltern, sucht Albers in dessen Villa auf, es kommt zur großen, spannungsgeladenen Aussprache. Sie dauert einen Tag und eine Nacht.

Auch mehr als 70 Jahre später ist Albers ein Thema am Starnberger See. Die Villa soll nach Jahren des Leerstands wieder öffentlich genutzt werden, der Münchner Verein Respect & Remember Europe bemüht sich um eine Veranstaltungs- und Begegnungsstätte einerseits und um einen deutsch-jüdischen Erinnerungsort andererseits. „Die Albers-Villa bietet die einzigartige Gelegenheit, mit einer Liebesgeschichte an das Thema heranzuführen“, sagt Vereinsvorsitzende Gabriella Meros. Gerade Jugendlichen könne man so die Auseinandersetzung mit Antisemitismus und dem NS-Regime erleichtern. Im Rahmen von Ausstellungen könnte man in der Albers-Villa auch auf andere deutsch-jüdische Beziehungen hinweisen. „Manchmal war die Liebe unzerstörbar, manche Paare gingen gemeinsam in den Tod oder ließen einen Partner fallen“, sagt Meros.

Wie es mit der sanierungsbedürftigen Villa – Eigentum des Freistaats – weitergeht, beschäftigt Landtagsabgeordnete Anne Franke (Grüne) aus Stockdorf. In einer Mitteilung spricht sie von „sehr unbefriedigenden Antworten“, die sie von der Staatsregierung erhalten habe. Die sogenannte Staatsbedarfsprüfung werde sich noch länger hinziehen. Franke findet das „skandalös“. Sie sieht den Freistaat in der „moralischen Verpflichtung, das Gelände für Erholungszwecke der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.“  

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