Wieder wohlauf: Die achtjährige Hündin Sunny musste in einer Tierklinik notbehandelt werden.
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Wieder wohlauf: Die achtjährige Hündin Sunny musste in einer Tierklinik notbehandelt werden.

Ärzte vermuten Rattengift am Seeuferweg

Hündin Sunny schwebte in Lebensgefahr: Halter erstatten Anzeige

Eine Hündin schwebt in Lebensgefahr, nachdem sie etwas am Ufer des Starnberger Sees gefressen hat. Die Halter erstatten Anzeige.

Feldafing – Eine achtjährige Hündin hat am Seeuferweg zwischen Feldafing und Tutzing offenbar Gift erwischt. Der Tutzinger Dieter Ulrich führte Sunny, eine Berner Sennenhündin, am Samstagvormittag Gassi. Ein bis zwei Stunden später zeigten sich bei dem Tier auffällige Symptome. Die Hündin hatte am ganzen Körper massive Zitteranfälle und konnte sich nicht mehr bewegen, berichten ihre Besitzer, die Familie Frei, die am Hans-Albers-Weg praktisch an der Grenze von Feldafing und Tutzing wohnt.

Die Halter brachten Sunny sofort in eine Weilheimer Tierklinik. Dort waren sich die Ärzte zunächst nicht sicher, ob Sunny die Nacht überleben würde. Die Behandlung hatte aber Erfolg. Am Sonntagmorgen ging es ihr besser, so dass ihre Besitzer sie wieder mit nach Hause nehmen konnten. Nach den Vermutungen der Ärzte muss es sich um Rattengift oder um ein anderes starkes Gift gehandelt haben, weil die Symptome so drastisch waren. Zwar könnten auch zum Beispiel verdorbene Lebensmittel ähnliche Folgen haben, ihrer Einschätzung nach jedoch nicht in derart starkem Ausmaß.

Rattengift ausgelegt? Gemeinden und BRK dementieren das

In Starnberg hat die Stadt vor einiger Zeit Giftköder zur Rattenbekämpfung an der Seepromenade auslegen lassen. Auf Nachfrage des Starnberger Merkur versichern die Gemeinden Feldafing und Tutzing, dass sie nichts Vergleichbares veranlasst haben. „Wir haben nichts ausgelegt“, sagte Frauke Betz von der Gemeinde Feldafing am Montag. Auch bei der Gemeinde Tutzing gebe es keine solchen Maßnahmen, erklärte Vizebürgermeisterin Elisabeth Dörrenberg. Sie weist darauf hin, dass die Bevölkerung andernfalls darüber ausdrücklich informiert werden müsse. Die Stadt Starnberg gibt quartalsweise routinemäßige Überprüfungen bei einem Schädlingsbekämpfer in Auftrag, sagt Sarah Buckel von der Stadtverwaltung, so besonders an der Seepromenade. Im Jahr 2019 habe es für sechs bis acht Wochen eine Rattenbekämpfung gegeben. Gelbe Zettel wurden damals zur Warnung aufgehängt: „Vorsicht Rattenbekämpfung – Kinder und Haustiere fernhalten“. Im Jahr 2020 war dies jedoch nach Angaben von Sarah Buckel nicht erforderlich. Die Köder seien auch nur spärlich angefressen worden. Und für Hunde seien sie nicht gefährlich.

Wo auf dem Seeuferweg bei Feldafing oder Tutzing sich das Gift befunden hat, ist nicht bekannt. Dieter Ulrich führt Sunny jeden Tag aus. „Ich lasse sie von der Leine“, erzählt er, „und wenn sie keine Lust mehr hat, rennt sie nach Hause“. Er vermutet, dass sie auf das Gelände des BRK-Altenheims in Garatshausen gelaufen ist und dort etwas gefressen hat. „Dort werfen die Leute immer etwas zu essen hinunter“, sagt er. Dass dort Gift ausgelegt wird, sei nicht der Fall, versicherte Marcus Wicke, BRK-Bereichsleiter Senioren und Pflege. Tatsächlich komme es zwar vor, dass Bewohner beispielsweise Futter für Vögel auf die Fensterbank legten. Ratten aber habe man auf dem Gelände noch nie gesehen, und dass Gift ausgelegt werde, sei undenkbar.

Zurzeit ist der Park laut Wicke wegen der Corona-Pandemie gesperrt. Hunde dürften auf dem Gelände auch nicht frei laufen. Sunnys Besitzer haben den Vorfall am Sonntagabend der Starnberger Polizei gemeldet. Sie werden noch eine Zeugenaussage machen. Nähere Angaben konnte die Polizei am Montag auf Merkur-Anfrage noch nicht machen.

Lorenz Goslich

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