Im Rundbau des BRK-Schlosses in Garatshausen war es im Januar zu einem Corona-Ausbruch mit schlimmen Folgen gekommen. 18 Bewohner der Gerontologie-Station starben in nur vier Wochen.
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Im Rundbau des BRK-Schlosses in Garatshausen war es im Januar zu einem Corona-Ausbruch mit schlimmen Folgen gekommen. 18 Bewohner der Gerontologie-Station starben in nur vier Wochen.

Nach heftigem Corona-Ausbruch in Garatshausen

Impfung als Todesursache in BRK-Pflegeheim? Ärztin und Gesundheitsamt klären auf

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Die Impfung als Todesursache: Der zeitliche Zusammenhang ließ schlimme Vermutungen aufkommen, die auch den Starnberger Merkur erreichten. Sind die verabreichten Dosen etwa (mit)verantwortlich für die vielen Todesfälle im BRK-Schloss Garatshausen seit Anfang des Jahres? Unsere Redaktion hat nun Antworten von der Pandemieärztin in dem Pflegeheim und vom Gesundheitsamt bekommen.

Garatshausen - Schlimm genug waren die Ereignisse auf jeden Fall – und ausgerechnet in Garatshausen. Das muss man so sagen, denn die Bewohner des BRK-Schlosses waren mit denen des Caritas-Altenheims Maria Eich in Krailling Ende Dezember überhaupt die ersten Menschen, die im Landkreis Starnberg geimpft wurden. Umso schockierender war die Nachricht, dass innerhalb der folgenden vier Wochen 18 Bewohner auf der Gerontologie-Station starben. Die meisten von ihnen waren um die 90 Jahre alt und teilweise schwer dement.

Eine besonders belastende Zeit war das auch für die Tutzinger Hausärztin Dr. Alexandra Schöneberger-Lindl, die nicht nur in ihrer Praxis, sondern auch im BRK-Schloss als Pandemiebeauftragte im Einsatz ist. Auf die Merkur-Fragen nach einem möglichen Zusammenhang zwischen der Impfung und den Todesfällen antwortet sie: „Das Gesundheitsamt und die BRK-Verwaltung bestätigen folgende Zahlen: 52 geimpfte Patienten, davon sind 14 verstorben – aber eben an und mit Corona und nicht an der Impfung, die sicherlich zu spät kam, um den Ausbruch komplett zu verhindern.“ Die Impf-Nebenwirkungen hätten „sicherlich nicht zum Versterben der Patienten“ geführt. „Wir sind weiterhin der Meinung, dass ohne Impfung noch viel mehr Patienten sich angesteckt und verstorben wären“, betont Schöneberger-Lindl. Eine Aussage, die zu jenen von Immunologie- und Impfexperten passt: Sie verweisen darauf, dass das Immunsystem erst ein bis zwei Wochen nach der zweiten Impfung den vollen Schutz gegen Covid-19 aufgebaut hat. Schöneberger-Lindl habe keine Impfschäden gemeldet und solche auch nicht „über das übliche Maß hinaus“ beobachtet.

Wie werden Todesfälle in Pflegeheimen in Corona-Zeiten aufgearbeitet?

Aber wie werden Todesfälle in Pflegeheimen in Corona-Zeiten eigentlich aufgearbeitet? Landratsamtssprecherin Barbara Beck antwortet auf diese Frage: „Der die Leichenschau durchführende Arzt stellt eine Todesbescheinigung aus, in welcher er die Todesursache oder den Verdacht hierfür angeben muss. Einen Durchschlag erhält das Gesundheitsamt. In dieser Bescheinigung kreuzt der Arzt auch die Notwendigkeit einer Obduktion an.“ Im Falle des Pflegeheims in Garatshausen „wurde einmalig die Indikation für eine Obduktion gesehen“. Zu dem Obduktionsbericht will das Landratsamt aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskunft geben. Man könne ansonsten relativ leicht Rückschlüsse auf die verstorbene Person ziehen, da es ja nur um einen Fall gehe, erklärt Beck.

Ans Gesundheitsamt richtete der Starnberger Merkur auch die Frage: Kann man ausschließen, dass in einzelnen Fällen körperliche Schwächungen infolge der Impfungen zum Tod geführt haben? Die Antwort: „In der Medizin kann man grundsätzlich nie etwas komplett ausschließen, dem Gesundheitsamt sind aber keine diesbezüglich verursachten körperlichen Schwächungen bekannt.“ Verdachtsfälle von Impfschäden, die bundesweit beim Paul-Ehrlich-Institut registriert werden, seien aus Garatshausen nicht gemeldet worden.

Sorgen macht sich Ärztin Schöneberger-Lindl auch fast zwei Monate nach dem Beginn des Ausbruchs: Im Rundbau, dem Gerontologie-Bereich und Ort der vielen Infektionen, seien noch immer drei Bewohner ungeimpft, einer von ihnen habe sich mittlerweile mit Covid-19 angesteckt.

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Die vielen Todesfälle in Pflegeheimen wirken sich auf ihr Image aus: Einige haben finanziell zu kämpfen, weil sich die Leute aus Angst vor dem Virus scheuen, ihre Angehörigen stationär unterzubringen. Aber: Bei einigen anderen ist die Nachfrage fast unverändert hoch.

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