+
Bundeswehrsoldaten aus Pöcking brauchen Wohnraum - und finden ihn wohl in Feldafing.

Gemeinde von Nachricht überrascht

Jetzt doch: Teil der Bundeswehr bleibt wohl bis 2027 in Feldafing

  • schließen

Die Feldafinger Pläne auf dem Gelände der Fernmeldeschule werden zurückgeworfen: Die Bundeswehr beansprucht wohl bis 2027 ein Areal mit sieben Gebäuden für Soldaten. Dort wollte die Gemeinde ein Fünf-Sterne-Hotel und bezahlbaren Wohnraum schaffen.

Feldafing – Die Nachricht überraschte Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim am Donnerstag um 11.59 Uhr. „Ich hatte schon im Hinterkopf, dass so etwas passieren könnte – aber wirklich gerechnet habe ich damit nicht“, sagt er und bezieht sich damit auf ein Schreiben von Barbara Wießalla, Leiterin der Abteilung Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen im Bundesverteidigungsministerium.

Die Quintessenz: Die Bundeswehr gibt den Großteil des Fernmeldeschule-Geländes in Feldafing zwar wie geplant im kommenden Jahr auf. Allerdings beansprucht sie einen Teil davon, das Offiziersheim und sechs Wohngebäude, weiterhin für sich –voraussichtlich bis 2027. Den Grund dafür hat der Bürgermeister per Anruf im Ministerium erfahren: In der Schule für Informationstechnik, die in der Pöckinger General-Fellgiebel-Kaserne angesiedelt ist, sollen nach seinen Informationen künftig mehr Soldaten ausgebildet werden – und die brauchen Wohnraum. Dafür vorgesehen seien die Gebäude nahe des Offiziersheims, drei denkmalgeschützte Sturmblockhäuser aus NS-Zeiten sowie drei Mannschaftsunterkünfte aus den 1950er Jahren. Es handle sich grob geschätzt um ein Fünftel der Gesamtfläche.

Zu den Hintergründen will sich ein Sprecher im Verteidigungsministerium auf Nachfrage des Starnberger Merkur nicht äußern. Er verweist auf die Pressemitteilung, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Deren deutschlandweite Botschaft: „Die Bundeswehr wächst wieder und benötigt Platz. Eine Reihe von Liegenschaften werden entgegen ursprünglicher Planung nicht geschlossen.“ In Bezug auf Feldafing ist von einem „temporär erhöhten Ausbildungsbedarf“ die Rede.

„Massiver Eingriff in Planungen“: Bürgermeister Sontheim ist verstimmt 

Bürgermeister Sontheim ist verstimmt. Die Gemeinde will das 31 Hektar große Bundeswehr-Gelände bekanntlich kaufen. „Diese Nachricht greift massiv in unsere Planungen ein.“ Ein Fünf-Sterne-Hotel und zwischen 50 und 100 bezahlbare Wohnungen schwebten der Gemeinde auf dem Areal vor, das nun wegfällt.

Sontheim listet eine Reihe von Vorhaben auf, „die nun alle eingebremst werden“ – unter anderem Gutachten für Artenschutz, Altlasten und Emissionen. Darüber hinaus habe man in der kommenden Woche ein Büro suchen wollen, das den Wert des Geländes ermittelt – eine wichtige Voraussetzung, um den Kaufpreis mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) zu verhandeln.

Anfang Juli hatte die Gemeinde den Bürgern ein Konzept für die Nutzung nach der Konversion vorgestellt, Fragen und Anregungen von den Feldafingern eingeholt. „Darüber wollten wir eigentlich im September im Gemeinderat diskutieren“, sagt Sontheim. Ob das angesichts der neuen Voraussetzungen überhaupt Sinn macht, müsse man sich erst noch überlegen.

Persönliches Gespräch mit Ministerium angekündigt

Ein persönliches Gespräch mit Mitarbeitern aus dem Ministerium habe Barbara Wießalla zugesichert, berichtet Sontheim. Die Gemeinde könne schließlich erst weiterplanen, wenn sie mehr Details kenne. „Bisher weiß ich ja nur die Nummern der Gebäude“, sagt der Bürgermeister. Für die nächsten Schritte muss vor allem eine Frage geklärt werden: Wo zieht die Bundeswehr die Zäune? Also: Um welches Areal handelt es sich genau? Wie wird die Erschließung aufgeteilt? Auf wessen Grund laufen – nach dem Kauf – welche Abwasser- und Stromleitungen?

Für den bezahlbaren Wohnraum müsse man sich nun wohl einen anderen Ort suchen. Sontheim konnte am Donnerstag allerdings – so kurz nach der Info aus Bonn – logischerweise noch nicht alle Konsequenzen vorhersehen. Er sagte abschließend, in ein paar Wochen könne man die neue Situation besser überblicken.

Lesen Sie auch: 

Geld sparen und dabei noch etwas für die Umwelt tun - das gelingt am Feldafinger Kalvarienberg mit dem alten Trinkwasserhochbehälter. Anstatt ihn teuer zurückzubauen soll er bald als Winterquartier für tierische Bewohner dienen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Berufsfischer entdeckt Toten im Starnberger See
Im Starnberger See ist ein Toter gefunden worden. Der noch unbekannte Mann muss mehrere Tage im See gelegen sein. Vermutlich war es ein Badeunfall.
Berufsfischer entdeckt Toten im Starnberger See
Tonnenkontrolle gegen Plastik auf Äckern
Im Landkreis Starnberg werfen Müllwerker künftig schon einmal einen Blick in Biotonnen. Grund: Es ist zu viel Plastik darin.
Tonnenkontrolle gegen Plastik auf Äckern
Feuer zerstört zwei Fahrzeuge
Zwei Fahrzeuge sind in der Nacht auf Freitag bei einem Brand in Percha zerstört worden. Die Ursache ist unklar.
Feuer zerstört zwei Fahrzeuge
Erntebilanz im Landkreis Starnberg: Wenn da nicht der Hagel an Pfingsten wäre...
Wegen des Hagelunwetters an Pfingsten fällt die Getreide- und Obsternte in Teilen des Landkreises äußerst dürftig aus. In nicht betroffenen Gebieten sind Landwirte und …
Erntebilanz im Landkreis Starnberg: Wenn da nicht der Hagel an Pfingsten wäre...

Kommentare