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Das Schlafgemach in der Suite 15 des Hotels Kaiserin Elisabeth, wo Sisi logierte. Erika Borchard bewahrt das Andenken an die Monarchin.
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Das Menübuch mit der Speisenfolge vom 8. Juli 1889 und der Menükarte, die auf den Tischen des Hotel-Restaurants auslag. Aufgetischt wurden Forelle blau, Lendenbraten, Kalbsfricandeau, Poularden, Salzburger Nockerln, Chocolade-Creme, Käse sowie Vanille und Erdbeer-Gefrorenes. Fotos: Andrea Jaksch

180. Geburtstag einer Ikone

Sisi auf Schritt und Tritt

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Um Kaiserin Elisabeth „Sisi“ von Österreich ranken sich viele Anekdoten und Mythen – aber noch viel mehr Wahres. Am Heiligen Abend jährte sich zum 180. Mal der Geburtstag der Monarchin. Im Feldafinger Hotel, das ihren Namen trägt, hat Sisi Spuren hinterlassen.

Feldafing – Kaiserin Elisabeth von Österreich und der bayerische Märchenkönig Ludwig II. inspirieren Romanschreiber, Filmemacher, Musical-Librettisten und -Komponisten. Um die glamourösesten Protagonisten der europäischen Herrscherhäuser des 19. Jahrhunderts ranken sich unzählige Geschichten und Anekdoten: Wahres, Halbwahres, Unfassbares, Erfundenes sowie bewusst und hinterhältig Falsches. Wenige Steinwürfe von Schloss Possenhofen entfernt, wo die in München geborene bayerische Prinzessin Elisabeth einen Großteil ihrer Kindheit verbracht hat, lebt Sisi heute noch. Im Hotel Kaiserin Elisabeth in Feldafing.

Erika Borchard leitet in dritter Generation ihrer Familie das 1848 gegründete gastliche Haus. Die Hotelierin ist ein wandelndes Sisi-Geschichtsbuch. Was verbindet sie mit der Monarchin, die mehr als die Hälfte ihres Lebens am Starnberger See und die meisten Sommerwochen in dem Hotel verbracht hat? „Ich bin hier geboren worden und aufgewachsen“, sagt die Geschäftsfrau: „Alles was Elisabeth gemocht hat, mögen auch wir.“

Ein lebendiges Museum

Das Hotel Kaiserin Elisabeth ein Museum? Erika Borchard runzelt die Stirn: „Nein.“ Ein lebendiges Museum? Nach kurzem Überlegen glättet sich die Stirn der Hausherrin. Ja, so gefällt es ihr. Sisi begegnet man in dem Haus auf Schritt und Tritt. Der Gast nimmt die vielen Bilder wahr, die die Wände des Hotels schmücken – gemalte und fotografierte Porträts der Kaiserin, Grafiken der landschaftlichen Umgebung, Abbildungen der kaiserlichen Verwandschaft.

Sisi ist Teil des Hotelbetriebs. Das erlebt, wer sich für eine oder mehrere Nächte in dem Haus einmietet, hautnah, wenn er mag. Und das mögen einige Stammgäste, wie der Botschafter eines Landes, dessen Namen Erika Borchard nicht über die Lippen kommt. Der checkt ein für die Suite 15 im ersten Stock des Hotels: ein Salon und ein Schlafzimmer mit Blick auf den Park des Hauses, der Straße abgewandt. Ein Traum gehobenster Innenarchitektur des 19. Jahrhunderts – nur das kürzlich sanierte geräumige Badezimmer versprüht Modernität. Wobei Erika Borchard mit der auf güldenen Löwenpfoten freistehenden Badewanne dem taghellen und freundlichen Raum noch etwas Nostalgie gegönnt hat.

In Suite 15 logierte die Kaiserin

Der Rest ist fast komplett Sisi pur. In diesen Gemächern hat die Kaiserin ihre Feldafinger Sommer verbracht. Das Mobiliar ist original aus jener Zeit: die Sitzgruppe im Salon, Zweisitzsofa und zwei Sessel, der Schreibtisch mit dem fotografierten Abbild des „Kini“, ein Tisch und ein Spiegel. Und dann das Schlafgemach: ein Doppelbett aus Messing, an der Kopfseite eingerahmt von einem eingezogenen Baldachin, der an einer hölzernen Kaiserkrone Halt findet („Zugegeben, das ist nachträglich eingefügt – etwas Show muss auch sein“, räumt die Hotelbetreiberin schmunzelnd ein) sowie ein schwerer, aus schwarzbraunem Massivholz gefertigter Kleiderschrank mit beeindruckendem Schließmechanismus, einem Hochsicherheitstrakt würdig. Die Tapete an den Wänden (dunkelblau mit goldenen französischen Lilien-Ornamenten) ist neueren Datums, aber dem Original nachempfunden – wie aus dem Ei gepellt.

24 Sommer hat Sisi ihre Sommerfrische in Feldafing genossen. Vier Jahre lang hat sie nach dem Tod von Ludwig II. darauf verzichtet, an den Starnberger See zu reisen. Sie war fest davon überzeugt, dass die bayerische Regierung den Monarchen hat ermorden lassen. Nach dieser selbst auferlegten Vakanz ließ sich Elisabeth wieder in Feldafing sehen. Den Beweis dafür hat die Hotelbesitzerin in der Hand – im Original. Der damalige Küchenchef hat detailliert in einem Buch dokumentiert, welche Speisenfolge Sisi bei ihren Aufenthalten in dem Hotel zu sich genommen hat, in feinster Handschrift nachzulesen (auch als Nachdruck unter dem Titel „Kunst und Genuss“ in mittlerweile zweiter, neu bearbeiteter Auflage erhältlich) – mit exakten Daten dokumentiert. Oftmals hat die Kaiserin ihre Menüwünsche der Küche vorab mitgeteilt. Manche Speisenfolgen sind auch den „gemeinen“ Gästen offeriert worden. Das belegen noch vorhandene Menükarten.

Menüs handschriftlich notiert

Das Menü-Buch räumt mit einigen Missverständnissen und Fehl- bzw. bewussten Falschinformationen auf, die der Kaiserin nachgesagt werden. „Sisi war eine auf ihre Gesundheit und auf ihren Körper achtende Frau“, sagt Erika Borchard. Die Behauptung, sie habe Tierblut getrunken, sei falsch. Tatsächlich habe sich Sisi Fleischsaft auspressen lassen. Von dem habe sie sich die notwendigen Inhaltsstoffe und Mineralien erhofft, ohne ihrer schlanken Linie zu schaden. Nur Wasser aus dem See habe sie akzeptiert. Kuhmilch habe sie frisch aus dem Euter genossen, allerdings nur von zuvor geimpften Tieren, so Borchard.

Die nach ihrer Meinung gesunde Lebensweise habe Sisi mit Sport unterstützt. „Sie war wohl eine der ersten Joggerinnen in Bayern“, erzählt Borchard. Bis nach Andechs sei die Monarchin gelaufen. Aber auch hoch zur Ross war die Kaiserin unterwegs. Borchard: „Eine begnadete Reiterin.“ Zwei Ställe mit jeweils fünf Pferdeständen („Keine Boxen, wie man heute sagt“, erklärt die Hotelbetreiberin) standen Sisi zur Verfügung. Die sind heute noch erhalten. Zumindest einer der Ställe, der noch mit dem Original-Fußboden und den gekachelten Wänden ausgestattet ist. Augenweide sind die kunstvoll dekorierten gusseisernen Träger für die hölzernen Abtrennungen zwischen den Ständen. Der zweite Stall ist heute nicht mit Pferden, sondern ganz nach Sisis Gusto (sie nutzte auch die Dienste eines Trainers) mit modernen Fitnessgeräten für die Hotelgäste bestückt.

Sisis Angst vor Feuer

Wahr ist auch, so Borchard, dass die Kaiserin Angst vor Feuer gehabt habe. Weil ihre Schwester Sophie bei einem Brand ums Leben gekommen war. Für den kaiserlichen Gast habe der damalige Gasthof-Besitzer Strauch deshalb eine Wendeltreppe als zusätzlichen Fluchtweg ans Hotel anbauen lassen. Und wahr seien auch die regelmäßigen Treffen Sisis mit dem „Kini“ auf der Roseninsel gewesen.

Sisi auf Schritt und Tritt: Um der Vollständigkeit willen sei die Marmorstatue Sisis im Park des Hotels erwähnt. Die Skulptur stand ursprünglich in Franzensbad im damaligen westböhmischen Bäderdreieck. Nach dem 1. Weltkrieg hatte die neue Regierung im heutigen Tschechien keinen Draht mehr zur Monarchie. Das Kunstwerk wurde der Gemeinde Feldafing vermacht.

Millioneninvestition in Sanierung

Sisi und kein Ende – davon ist Erika Borchard überzeugt. Sie hat das Pensionsalter zwar längst erreicht. Aber ans Aufhören denkt die rüstige Geschäftsfrau noch lange nicht. Obwohl sie weiß, dass das Vermächtnis nicht nur des Hauses, sondern auch das der Kaiserin bei der Nachfolge-Generation in besten Händen ist. Ihr Adrenalin-Schub zum Weitermachen läuft in drei Phasen ab: Erstens ist die Sanierung des denkmalgeschützten Hotels nach den aktuellen Brandschutzbestimmungen auch nach zwei Jahren und einer Millioneninvestition noch nicht abgeschlossen („Ich hoffe, dass es Ende 2018 endlich geschafft sein wird.“). Zweitens schöpft sie immer neue Kraft durch das, was auch Sisi an Feldafing und den Starnberger See gefesselt hat: „Die Lage, die Aussicht, die Nähe zu München und zu den Bergen.“ Und drittens freut sie sich über die Gäste, die vor allem wegen Sisi im „Kaiserin Elisabeth“ logieren. Auch wenn es ihrer Schätzung nach nur gerade einmal zwei Prozent des Publikums sind – vor allem Franzosen, die der Kaiserin wegen deren häufiger Aufenthalte bei den Nachbarn sehr verbunden sind. Aber auch deutsche Sisi-Bewunderer, zunehmend Mädchen und junge Frauen, reisen zum Starnberg-See-Westufer.

Kuriose Begegnungen

Zum Abschluss des Gesprächs verrät Erika Borchard noch zwei kuriose Begegnungen mit Sisi-affinen Hotelgästen. Da hatte sich eine Amerikanerin eingemietet, die felsenfest davon überzeugt war, die Reinkarnation von Kaiserin Sisi zu sein. Diese Selbstüberschätzung gipfelte in dem Wunsch dieser Dame, das Schloss Possenhofen kaufen zu wollen. „Aber da hat man wohl rechtzeitig gemerkt, dass mit der Frau irgendwas nicht in Ordnung war“, erinnert sich Erika Borchard.

Zweiter Fall: „Eines Tages meldete mir ein Mitarbeiter aufgeregt: Da läuft eine Braut durch das Haus. Aber niemandem war bekannt, dass eine Hochzeitgesellschaft bei uns gebucht hätte. War da etwa was schief gelaufen, hatten wir etwas vergessen?“, erzählt Borchard. Dem war keineswegs so. Ein weiblicher Sisi-Fan hatte sich als diese verkleidet und geschminkt und war vor Glück taumelnd durch das Hotel geschwebt.

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