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„Da unten kannst du Reste sehen“: Besonders die jungen Besuchern waren neugierig, die Besonderheiten des Bodendenkmals am Seeboden zu erspähen.

Welterbetag

Versunkenen Geheimnissen auf der Spur

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Feldafing - Die Roseninsel war am Sonntag Ziel vieler Besucher. Eingeladen hatten das Landesamt für Denkmalschutz und Bayerische Gesellschaft für Unterwasserarchäologie. Sie wollen die Menschen am See sensibilisieren für die unwiederbringlichen Schätze, die sich im Seeboden befinden und zum Welterbe gehören ebenso wie die Pyramiden von Gizeh. 

„Die Roseninsel in ihrer Art geht schnell ins Emotionale“, sagt Professor Dr. Sebastian Sommer. Als Leiter für praktische Denkmalpflege und Bodendenkmäler beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege ist das kleine Eiland im Starnberger See für ihn ein Dauerbrenner, als Ruderer des MRC 1880 eine Positionsmarke und als Beteiligter bei der Beantragung der Roseninsel-Pfahlbauten als Welterbe etwas ganz Besonderes. Auf einer Linie mit den Pyramiden von Gizeh. „Seit den 1870er Jahren weiß man von den Pfahlbauten, seit 1970er Jahren wird die Roseninsel als Denkmal geführt, seit 2011 ist es eine Unterwasserwelterbestätte. Am Sonntag fand auf der Insel der erste Welterbetag statt.

Noch am Vormittag hatten die Organisatoren von Landesamt für Denkmalpflege und Bayerischer Gesellschaft für Unterwasserarchäologie nicht daran geglaubt, dass überhaupt Besucher den Weg mit der Fähre auf die Insel suchen. Aber kaum hörte es zu regnen auf, hatten die Fährmänner jede Menge Arbeit. „Jetzt ist es doch wunderbar“, freut sich Sommer. All diesen Menschen ist es gar nicht möglich, die Bedeutung der Roseninsel, ihrer sie umgebenden Unterwasserwelt, zu entgehen an diesem Tag. An neun Stationen gibt es Informationen über das 2916 Jahre alte Einbaum, das am Ufer der Insel gefunden wurde, die Funde aus keltischer Vergangheit oder die Besonderheit dieser Insel, die es seit der Würmtaleiszeit gibt.

Seit 1980 sind Taucher der Bayerischen Gesellschaft für Unterwasserforschung den versunkenen Geheimnissen auf der Spur. Seit 2014 als Monitoring im Auftrag der Denkmalpfleger. „Eine tolle Partnerschaft“, schwärmt Sommer. Erst seit 15 Jahren sind Reste keltischer Bauten von der Nordspitze der Insel bekannt. Dass sie auftauchten, bereitet den Wissenschaftlern Sorge, denn eingeschlossen in luftverschlossenem Schlamm waren insbesondere Hölzer gut konserviert. Genau hier liegt das Problem, auf das der Welterbetag hindeutet: „Wir wollen die Leute sensibilisieren“, sagt Dr. Tobias Pflederer. Badende, ankernde und vorbeifahrende Boote, Wellenschlag, Sturm und Wind sowie fehlende Wasserpflanzen wühlen den Boden auf und tragen zu Erosion bei. Der nördliche Teil der Roseninsel muss deshalb gesperrt werden. Die Bojen werden bald gesetzt. Drei Stück. „Wir wollen aber nicht nur verbieten“, sagt Pflederer, „wir wollen aufklären und Verständnis finden.“ Ein Faltblatt, dass am Sonntag schon auslag, soll an alle Wassersportler und Anrainer verteilt werden. Denn diese Kostbarkeit vor der Haustür ist so manchem gar nicht bewusst, etwa Hanna und Günter Ciupke. Er ist in Tutzing geboren und war gestern das erste Mal auf der Roseninsel. Das Ehepaar ist beeindruckt. Dass die Pfahlbauten zum Unesco-Welterbe zählen, war Ciupke nicht bekannt, „aber wenn man mal den Anfang gemacht hat...“. Darauf hoffen auch die Denkmalschützer und Unterwasserarchäologen.

Die prähistorischen Funde sind von Land aus gut zu erahnen. Einige Pfähle ragen ausdem See. Vom Boot aus konnten die Besucher sie bei zwei Rundfahrten gut sehen, „verstehen kann man sie aber nur als Taucher“, meint Sommer. Oder als Denkmalschützer wie er, der seine emotionale Beziehung zu diesem Denkmal nicht verheimlicht

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