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Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern Abend.

Kandidatur angekündigt

Merkel macht's noch mal - das sagt die Basis im Landkreis

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Landkreis - Die Bundeskanzlerin hat sich entschieden: Angela Merkel tritt zur Bundestagswahl 2017 wieder an. Was CSU-Amtsträger im Landkreis Starnberg dazu sagen – der Starnberger Merkur hat sich umgehört.

Angela Merkel und die CSU – das ist seit geraumer Zeit eine eher schwierige Beziehung. Angela Merkel und die CSU im Fünfseenland – das ist eine große Bandbreite an Meinungen. 

Starnbergs Ortsvorsitzender Stefan Frey etwa sprach gestern Nachmittag von einem „positiven Signal“. Die CDU habe niemanden, der auch nur annähernd so populär sei wie Merkel und der die Kraft habe, einen Wahlkampf zu gewinnen. Allerdings brauche die Kanzlerin „eine starke CSU an ihrer Seite“, um den konservativen Wählern eine Heimat zu geben. Von Merkel selbst erhofft sich Frey eine klare Aussage in der Flüchtlingspolitik. Die Kanzlerin sei längst zurückgerudert, müsse das aber auch öffentlich klarstellen. 

„Es ist wichtig, dass die Union gemeinsam in den Bundestagswahlkampf geht“, sagte die CSU-Landtagsabgeordnete Dr. Ute Eiling-Hütig aus Feldafing. Von daher sei die Entscheidung Merkels absehbar gewesen. Im Vorfeld seien zwischen ihr und CSU-Chef Horst Seehofer inhaltliche Fragen besprochen worden. Dabei habe man offensichtlich eine gemeinsame Linie gefunden. In der Bevölkerung werde eine erneute Kanzlerschaft Merkels allerdings kontrovers diskutiert, räumte Eiling-Hütig ein. Die einen wünschten sich eine andere Flüchtlingspolitik, zu der die Kanzlerin wohl nicht bereit sei. Die anderen würden sich schützend vor sie stellen und an die Kritiker appellieren: „Hackt doch nicht ständig auf ihr herum.“ 

„Für mich ist das sehr in Ordnung, dass Angela Merkel noch einmal antritt“, äußerte sich die frühere Kreisvorsitzende CSU, Ingrid Frömming. Ohne die Kanzlerin habe die Union keine Chance, wieder stärkste Fraktion im Bundestag zu werden, ist sich die 84-Jährige aus Herrsching sicher. „Ich bin überzeugt, dass das auch die CSU so sieht und Frau Merkel unterstützt. Das bedeutet ja nicht, dass man in einzelnen Fragen nicht unterschiedlicher Meinung sein kann.“ 

In der Flüchtlingspolitik habe die Kanzlerin auch auf Druck der CSU viele Entscheidungen getroffen, „aber es braucht Zeit, bis solche Maßnahmen greifen“. Ein Versäumnis, der rechtzeitige Schutz der Außengrenzen, werde Merkel im kommenden Jahr gemeinsam mit anderen europäischen Regierungschefs angehen. Frömming: „Da bin ich mir sicher.“ 

Nachdenklich äußerte sich Seefelds Bürgermeister Wolfram Gum. „Es wird sich zeigen, ob die CDU damit aufs richtige Pferd setzt“, sagte er. Neben der Flüchtlingspolitik warteten weitere gewaltige Aufgaben auf die Kanzlerin: die Europapolitik, die Umweltpolitik, das Verhältnis zu Russland und den USA – „es werden Schicksalsjahre werden“, ist sich Gum sicher. 

„Ich würde gern mehr über Inhalte diskustieren und weniger über Personen“, sagte die CSU-Kreisvorsitzende Stefanie von Winning. Der einzige Vorteil sei: „Jetzt is a Ruah.“ Es könne ungestört über die Inhalte diskutiert werden. Krisen gebe es genug. 

Die Politikwissenschaftlerin aus Tutzing, die seit über 20 Jahren bei der Hanns-Seidel-Stiftung den Bereich politische Bildung betreut, hat die Wahlen in den USA kritisch verfolgt. „Wir müssen das politische System schon ein bisschen genauer anschauen, wenn sich die Menschen mehr für Personen interessieren als für Inhalte“, sagte sie. „Als ginge es nur um Ämter.“ Am meisten habe sie beunruhigt, dass die Meinungsumfragen alle falsch lagen. „Wenn ich das auf Deutschland übertrage, bin ich in Sorge, was die AfD anbelangt.“

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