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Ein kleiner Code mit großer Wirkung: Gebietsbetreuerin Dr. Andrea Gehrold zeigt Patrick Fontou, Paul Wiecha und Peter Witzan (v.l.) das neue Schildchen. Wich an probiert’s auch gleich erfolgreich aus. 

Landesbund für Vogelschutz

Per Handy wissen, was da fliegt

An der Fähranlegestelle der Roseninsel in Feldafing finden Naturliebhaber seit gestern einen so genannten QR-Code. Mit einem Smartphone können sie damit nun vor Ort erfahren, welche Vögel dort gerade überwintern.

Feldafing – Dichtes Schneetreiben und schlechte Sicht, aber am Fähranleger in Feldafing gegenüber der Roseninsel stehen trotzdem einige dick eingemummte Personen und haben große Spektive aufgebaut. Auf dem See sind im Dunst tausende von Vögeln zu erkennen, die in großen Gruppen ufernah im Wasser schwimmen. Unter den Beobachtern ist auch Dr. Andrea Gehrold, Gebietsbetreuerin Starnberger See des Landesbundes für Vogelschutz (LBV). An diesem dritten Adventssonntag hat der LBV aber nicht nur zur Vogelbeobachtung eingeladen. Gehrold hat auch ein kleines Schild dabei, auf dem ein so genannter QR-Code abgebildet ist – ein neues Projekt, das der LBV in Zusammenarbeit mit dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (Ornithologen) realisiert.

In Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen können sich Vogelbeobachter mit Hilfe dieses Codes schon seit ein, zwei Jahren über die im Umkreis von fünf Kilometern zu sehende Vogelschar informieren. Der Chiemsee und der Starnberger See sind nun die ersten Gewässer in Süddeutschland, an deren Ufer sich QR-Codes befinden. Die Nutzer brauchen nur ein Smartphone und Internet-Empfang. Denn über das Handy und den Code gelangen sie direkt auf die Internetseite der Plattform ornitho.de. Dort finden sie dann die Eintragungen der LBV-Mitglieder und Hobby-Ornithologen, die ihre Beobachtungen hochgeladen haben.

Sechs seltene Schnatterenten waren am Samstag am See

Einer von ihnen ist Pit Brützel aus Krailling – er ist der Leiter der Arbeitsgemeinschaft Starnberger Ornithologen (ASP) und eigentlich unentwegt mit Spektiv unterwegs. Erst am Samstag war er in Feldafing – und hat dort gut 5000 Wasservögel gezählt. Darunter sechs seltene Schnatterenten, eine Samtente, Schwarzhalstaucher und viele mehr. Alle hat er auf der ornitho-Plattform dokumentiert. Den QR-Code probiert er mit seinem Handy auch am Sonntag gleich aus. Schwupps, verbunden. Dann lädt er die Info hoch, dass er soeben einen Zwergtaucher gesehen hat. Auch dies ist sofort nachzulesen.

Unter dem Beifall der Anwesenden montiert Gehrold schließlich das Schildchen mit dem Code unter dem Infokasten nahe der Anlegestelle. Am Starnberger See finden sich QR-Codes bisher an den Dampferanlegestellen in Feldafing, Tutzing, Starnberg und Seeshaupt. Ein fünfter wird in den kommenden Tagen noch bei St. Heinrich installiert. Gehrold hofft, dass die Menschen das Angebot nutzen. „Das vergrößert vielleicht das Verständnis auch dafür, was für einen Schatz wir hier haben und wie wichtig der Starnberger See für tausende von Zugvögeln ist.“

So funktioniert‘s:

Wer den QR-Code ausprobieren möchte: Für Android-Systeme muss ein Barcode-Scanner heruntergeladen werden, diese sind meist kostenfrei. Das iPhone (iOS) verbindet automatisch. In jedem Fall brauchen Sie das Gerät nur so auf den Code zu halten, als wollten Sie ihn fotografieren. iOS bietet dann umgehend die Verlinkung mit der Internet-Plattform an. Dort sind dann die Beobachtungen nachzulesen, die Ornithologen in den vergangenen 15 Tagen in einem Radius von fünf Kilometern dokumentiert haben. Auch die seltenen und häufigen Vogelarten sind dort bei Bedarf aufgeführt. Wer sich auskennt, kann auf der Plattform ornitho.de auch seine eigenen Beobachtungen hochladen. Bis 2017 hatten 21 000 registrierte Personen innerhalb von sechs Jahren mehr als 27 Millionen Vogelbeobachtungen aus dem gesamten Bundesgebiet dort zusammengetragen

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