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Ratsstuben-Bürgerentscheid Feldafing: Auf einmal tauchen Kompromisse auf

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Von: Tobias Gmach

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Tauschten ihre Argumente vor rund 60 anderen Feldafingern aus: Günter Rusche (l.), Mitinitiator des Bürgerbegehrens zum Erhalt der Ratsstuben, und Bürgermeister Bernhard Sontheim im Rathaussaal. Wir haben das Begehren nicht gestartet, um das Feuerwehrhaus zu verhindern. Günter Rusche, Mitinitiator des Bürgerbegehrens
Tauschten ihre Argumente vor rund 60 anderen Feldafingern aus: Günter Rusche (l.), Mitinitiator des Bürgerbegehrens zum Erhalt der Ratsstuben, und Bürgermeister Bernhard Sontheim im Rathaussaal. Wir haben das Begehren nicht gestartet, um das Feuerwehrhaus zu verhindern. Günter Rusche, Mitinitiator des Bürgerbegehrens © Dagmar Rutt

Feuerwehrhausbau oder Wirtshauserhalt? Die gut besuchte Podiumsdiskussion zum Bürgerentscheid über die Zukunft der Ratsstuben in Feldafing am Mittwochabend zeigte, dass in Zukunft vielleicht sogar beides möglich sein könnte. Abseits des Podiums ging es teilweise hochemotional her – aber auch konstruktiv.

Feldafing – Es war 20.16 Uhr, als sich erstmals abzeichnete, dass es nicht nur ein streitsamer, sondern auch ein konstruktiver Abend werden würde. Der erste Teil der Podiumsdiskussion zur Zukunft der Ratsstuben und des Restaurants Makarska-Grill in Feldafing war durch, die Bürger waren dran mit ihren Fragen. Rund 60 hatten am Mittwochabend an den Biertischen im Rathaussaal Platz genommen, um sich vor dem Bürgerentscheid Argumente zu holen. Am Sonntag, 16. Oktober, stimmen die Feldafinger darüber ab, ob an der Possenhofener Straße das neue Feuerwehrhaus gebaut werden soll – oder ob die Ratsstuben und damit ein wichtiger Treffpunkt für Vereine und Bürger erhalten bleiben soll.

Aber warum entweder, oder? Wie wär’s mit einem Bürgertreff im neuen Feuerwehrhaus? Nach diesem Vorschlag aus dem Publikum sagte Bürgermeister Bernhard Sontheim um 20.16 Uhr: „Ich kann mir hervorragend vorstellen, Platz für die Altschützen zu schaffen – im Keller oder im Stockwerk drüber.“ Später kam auch noch die Anregung, über der Feuerwehr ein Wirtshaus zu schaffen. Ebenfalls eine Idee, gegen die weder Sontheim noch anwesende Gemeinderäte Einspruch erhoben.

Doch bevor über solche Projekte wirklich diskutiert werden kann, steht der Bürgerentscheid an. Danach darf die Gemeinde entweder die Planungen vorantreiben – oder, wenn es eine Mehrheit für das Pro-Makarska-Begehren gibt, ein Jahr lang mit und auf dem Grundstück überhaupt nichts unternehmen.

Bürgermeister: Keine neuen Möglichkeiten durch Bürgerbegehren

Auf dem Podium saß Sontheim mit Günter Rusche, Mitinitiator des Bürgerbegehrens mit dem krankheitsbedingt verhinderten Reinhard Anklam. Peter Schiebel, Redaktionsleiter des Starnberger Merkur, moderierte und wollte von Sontheim wissen, was im Falle eines erfolgreichen Bürgerbegehrens nach einem Jahr geschehe. Dass die Gemeinde danach weiterplane, sagte der Bürgermeister nicht (auch wenn er dazu aus dem teils aufgebrachten Publikum aufgefordert worden war: „Sog’s hoid“). Er könne sich aber vorstellen, „dass der Gemeinderat bei seiner Entscheidung bleibt“. Denn: „Es eröffnen sich durch das Bürgerbegehren keine neuen Möglichkeiten.“

Als der Makarska-Wirt die Kündigung von der Gemeinde erhielt, habe er Sontheim gesagt, dass er eh in den nächsten zwei, drei Jahren aufgehört hätte. Die Gemeinde müsse schätzungsweise 700 000 Euro investieren, um das Gebäude grundzusanieren. „Dieses Geld haben wir nicht“, sagte Sontheim laut und verwies auf andere wichtige Projekte: die Turnhallen-Sanierung, die Beteiligung an der Tutzinger Mittelschule in Millionenhöhe und natürlich die Notwendigkeit eines Feuerwehrhauses.

Die bestritt niemand im Raum – auch Günther Rusche nicht. Sein erster Satz des Abends lautete: „Wir haben das Begehren nicht gestartet, um das Feuerwehrhaus zu verhindern. Uns geht es nur um den Standort.“ Er selbst favorisiert die Lippwiese, die die Mehrheit des Gemeinderats aber ablehnt: Die Erschließung durch den schmalen Stichweg sei schwierig und die Lage im Wohngebiet. Rusche betonte mehrfach den Faktor Zeit. „Ein Verein, der mehrere Jahre lang keine Heimat hat, den gibt es danach nicht mehr.“ Und er verwies darauf, dass nicht nur die Ratsstuben, sondern auch das Strandbad (wegen der Sanierung) und das Hotel Kaiserin Elisabeth (wegen der Zwischennutzung durch Siemens) in den nächsten Jahren als Gastronomie wegfallen. Wütende Stimmen aus den Besucherreihen gaben ihm recht. Der Tenor: Warum sollen Besucher überhaupt noch nach Feldafing kommen, wenn sie dort nicht mal zum Essen gehen können?

Feuerwehr-Kommandant: Gemeinde ist spät „in die Puschen gekommen“

Rusche kritisierte außerdem: „Man kann nicht sagen, dass kein Geld da ist, wenn später für zig Millionen doch was gebaut werden soll.“ Eine Anspielung auf mehrere unausgegorene Ideen, ein neues Zuhause für Vereine zu schaffen. Bürgermeister Sontheim brachte Übergangslösungen ins Spiel (Café Rosalie, Kulturkeller) und schlug Lagerplätze für Vereinsausstattung (Keller altes Feuerwehrhauses) vor.

Feuerwehrkommandant Dirk Schiecke, der Rede und Antwort stand und viel zum konstruktiven Austausch beitrug, merkte an: „Die Gespräche laufen sehr viel länger als seit 2017 – die Gemeinde ist erst dann in die Puschen gekommen.“ Rudolf Spöttl, Mitglied in sieben Feldafinger Vereinen, sprach vielen aus dem Herzen. Er warf der Gemeinde vor, sich zu lange zu wenig um die Vereine gekümmert zu haben: „Hätte man uns früher mit ins Boot genommen, wäre es vielleicht gar nicht so weit gekommen.“ Nun aber müssen sich die Feldafinger am 16. Oktober entscheiden: Feuerwehrhausbau oder Ratsstuben-Erhalt?

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