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Ringen um den besten Standort

Das neue Feldafinger Feuerwehrhaus und die Kröte

  • vonSandra Sedlmaier
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Fünf Standorte sind für ein neues Feldafinger Feuerwehrhaus im Gespräch. Einer wurde auf seine Eignung überprüft, für vier weitere hat der Gemeinderat mehrheitlich Machbarkeitsstudien beschlossen.

Feldafing– Dass die Feldafinger Feuerwehr ein neues Gebäude braucht, darüber gibt es im Feldafinger Gemeinderat keine Diskussion. Nur wo – daran scheiden sich die Geister, und zwar seit Jahren. Jetzt wurde im Gemeinderat am Dienstag die Machbarkeitsstudie für die gemeindeeigene Lipp-Wiese vorgestellt – mit dem Ergebnis, dass man sich ähnliche Bewertungen auch für die anderen vier möglichen Standorte wünscht. Das beschloss der Gemeinderat mit deutlicher Mehrheit. Im Herbst sollen die Ergebnisse vorliegen.

Der Weg zum neuen Feuerwehrhaus ist lang und zäh. 2007 schrieb Kommandant Dirk Schiecke den ersten Brandbrief an den Gemeinderat. Damals war schon lange klar, dass das Feuerwehrhaus am Dr.-Appelhans-Weg den Anforderungen nicht mehr genügt. 13 Jahre später gibt es zwar fünf ernstzunehmende mögliche Standorte – Lipp-Wiese, Bahnhofplatz, altes Feuerwehrhaus, ehemalige Artemedklinik, Makarska-Grill – , doch jeder von ihnen hat seine Tücken. Selbst wenn sich der Gemeinderat im Herbst entscheidet, dauert es drei bis vier Jahre mindestens, bis der Neubau steht.

Auf der Lipp-Wiese ist der Lärmschutz gegenüber der Wohnbebauung drumherum mit Sicherheit ein Nachteil, wie die Architekten Manuela Skorka und Sebastian Kukula deutlich machten. Sie präsentierten drei Varianten, wie das Feuerwehrhaus mit einer Grundfläche von 800 bis 1000 Quadratmeter auf der Lipp-Wiese platziert werden könnte. In zwei Fällen gibt es Möglichkeiten zur Erweiterung, in einem nicht. „Positiv an dem Standort sind die zentrale Lage und die niedrigen Einsatzzeiten“, sagte Kukula. Die Wehr wäre in relativ kurzer Zeit in ganz Feldafing. Als problematisch bewerteten die Planer die Erschließung über eine Stichstraße und eben den Lärmschutz. Außerdem sah Skorka große Anforderungen an die architektonische Gestaltung – sprich: An einer der schönsten Stellen Feldafings kann man keine bloße Halle bauen.

Die Gretchenfrage stellte Dr. Michael Keltsch (AUF): „Ist das ein guter Standort für Feldafing?“ Skorka antwortete nicht mit einem klaren Ja. „Man könnte sich andere Standorte vorstellen, die besser geeignet sind – die Frage ist, ob die verfügbar sind“, sagte sie. „Das Grundstück hat eine hohe Wertigkeit.“

Feuerwehrkommandant Dirk Schiecke unterstrich, dass der Gemeinderat handeln müsse. „Nicht weil wir das wollen, sondern bevor was passiert. Wenn ihr nicht in die Puschen kommt, verliert ihr eure Feuerwehr“, sagte er. „Die Feuerwehr ist keine Spaßveranstaltung, sondern es geht darum, Leben zu retten, Sachwerte zu retten“, unterstrich auch Bürgermeister Bernhard Sontheim.

Ähnliches sagte Maximiliane Gerber (BGF). „Die Lipp-Wiese ist ein wertvolles Grundstück, und die Feuerwehr ist die wichtigste Einrichtung, die wir haben. Wir müssen jetzt einfach mal eine Kröte schlucken.“

Anton Maier (Grüne) sah das ganz anders: „Wir sind nicht dazu da, um Kröten zu schlucken, sondern Feldafing für die Zukunft zu entwickeln.“ Er sah den Standort Possenhofener Straße – der nicht im Eigentum der Gemeinde ist – als durchaus praktikabel an, wenn man an der Einmündung eine Bedarfsampel für die Feuerwehr einrichte. Auch am Makarska-Grill sah er Positives und sprach sich für Keltschs Vorschlag aus, alle Möglichkeiten zu prüfen.

Jakob Stillmark (SPD) befürchtete auf der Lipp-Wiese zu viel Versiegelung im Außenbereich: „Wenn wir zu viele Kröten schlucken, sind irgendwann keine mehr da.“

Roger Himmelstoß brachte einen wichtigen Aspekt in die Diskussion ein. Bislang wisse man gar nicht, von welchem Flächenbedarf man tatsächlich rede. „Wenn wir uns auf einen Bedarf festlegen, können wir vergleichen.“

Mit 12:4 Stimmen beschloss der Gemeinderat nach der langen Diskussion, dass die Referenten für Feuerwehr und Liegenschaften mit Kommandant Schiecke und Planerin Skorka einen Minimumbedarf für das neue Gebäude ausmachen. Gleichzeitig soll das Büro Skorka die übrigen Standorte bewerten. Bürgermeister Bernhard Sontheim war es wichtig, dass der neue Standort ausreichend Erweiterungsmöglichkeiten bietet. „Wir wollen kein Feuerwehrhaus auf Kante genäht, sondern für die nächsten 50 Jahre.“

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