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So präsentiert sich aktuell das denkmalgeschützte Feldafinger Strandbad aus dem Jahr 1926. Der Giebel hinter dem Hauptgebäude ist ein Anbau aus den 1970er Jahren. Er könnte durch einen tiefergelegten Anbau ersetzt werden. 

Schwierige Abstimmung mit dem Denkmalschutz

Neuer Anbau fürs Strandbad Feldafing

Die Gemeinde Feldafing will unbedingt ihr denkmalgeschütztes Strandbad sanieren. Probleme machen die Abstandsflächen und eine dafür nötige Ablöse von mehr als 300 000 Euro. Ein neuer Anbau statt der Sanierung des Bestands könnte eine Lösung sein.

Feldafing – Das denkmalgeschützte Strandbad Feldafing ist einzigartig. Seit fast 100 Jahren steht die Anlage mit ihren Umkleiden nahezu unverändert da, ist aber auch dringend sanierungsbedürftig. Die Gemeinde Feldafing als Eigentümerin hat mehrfach ihren Wunsch und Willen zur Sanierung bekundet.

Der ursprüngliche Kiosk, der seinerzeit lediglich der Handtuchausgabe diente, wurde später um einen Anbau erweitert, in dem sich nun das Restaurant befindet. Es genügt den heutigen Auflagen für einen Gaststättenbetrieb nicht. Die weitere Nutzung als Gaststätte kann nur durch einen erheblichen Sanierungsaufwand gewährleistet werden. Details wurden in der jüngsten Gemeinderatssitzung vorgestellt.

Schon im Juli 2018 beschloss der Gemeinderat, die Sanierung in Angriff zu nehmen, wobei das kommunale Planungs-, Erschließungs- und Wirtschaftsförderungsunternehmen PEWU zusammen mit dem Denkmalschutz ein Konzept erarbeiten sollte. Wie PEWU-Chef Andreas Keller im Gemeinderat am Dienstag ausführte, gibt es bei der Sanierung des Altbestands nun Probleme mit den Abstandsflächen zum öffentlichen Weg außerhalb des Strandbades.

Als Lösung gibt es laut Keller zwei Möglichkeiten. Entweder übernimmt die Außenstelle Starnberger See von der Schlösserverwaltung diese Flächen, womit ausgehend vom Seebauwert Kosten in Höhe von 312 313 Euro verbunden sind. Darüber wurde vom Freistaat noch nicht entschieden. Dass die Gemeinde das Grundstück zu diesem Preis erwirbt, lehnt Bürgermeister Bernhard Sontheim ab. „Die Schlösserverwaltung hat sich auf keine Vorschläge eingelassen“, sagte er.

Die zweite Möglichkeit ist, den hinteren Anbau aus den 1970er Jahren abzureißen und durch einen unterkellerten Neubau zu ersetzen. Der müsste sich nach den Vorstellungen der Denkmalbehörde deutlich vom denkmalgeschützten Bereich abheben, dürfe „nicht historisierend“ sein und dabei das alte Ensemble nicht überragen. Von dieser Variante sei die Denkmalbehörde begeistert gewesen, berichtete Keller.

Die erste grobe Planung eines solchen neuen Anbaus stellte Architekt Klaus Pilz vor. Er präsentierte einen mit einem begrünten Flachdach versehenen, tiefergelegten Anbau. Dort könnten Sanitäranlagen sowie Nutz- und Lagerräume unterkommen. Im Zuge der Sanierung würde auch das Obergeschoss des bestehenden Gebäudes renoviert, so dass ein Büroraum und Schlafzimmer entstehen. Nach einer ersten Schätzung blieben dabei die Baukosten mit 1,7 Millionen fast gleich wie bei einem Umbau. Nicht enthalten sind die Kosten für die Fachingenieure.

„Für mich ist das Strandbad ein Kleinod, das mit Sorgfalt in die Zukunft geführt werden muss. Aber mir fehlt die Vision“, kritisierte Tom Schuierer (AUF) die Ausführungen des Architekten, der die wegen des Denkmalschutzes die eingeschränkten Möglichkeiten anführte. Zudem seien die finanziellen Mittel beschränkt. Für Bürgermeister Bernhard Sontheim ist das Ganze ein „Drama“, das die Kosten um zehn Prozent in die Höhe treibe. Er will zur Kostenschätzung erst einen konkreten Entwurf sehen. Auch Stephan Zeckser (Grüne) war „zutiefst beunruhigt“. „Sie wiegen den Gemeinderat in dem Gedanken, für 1,7 Millionen bauen zu können, dabei sind die Fachplaner noch gar nicht enthalten“, sagte er. Auch technische Ausrüstung und Brandschutz seien nicht berücksichtigt. Stephanie Kaufmann-Jirsa (FDP) vermisste zielführende, Schuierer gestalterische Ideen. „Ich fühle mich nicht abgeholt“, sagt er.

Der Architekt betonte, dass die Gaststättenaufsicht mit den ersten Planungen zufrieden sei. Jetzt geht es in die nächste Planungsrunde für das Strandbad, das, wie Dr. Michael Keltsch (AUF) hervorhob, es sonst nirgends gibt. Für Sontheim ist „das Juwel am Starnberger See es wert, monatelang zu planen“.

Der Bauausschuss hatte vor der Ratssitzung die Sanierung der Ufermauer befürwortet. Auch die Stützwände und die Freitreppe werden saniert. Mit den Arbeiten wurde das PEWU beauftragt. Die Schäden an den Ufermauern sind allerdings dermaßen groß, dass die Sicherung der Wand mit einer neuen Stützwand aus Betonfertigteilen erfolgen muss, die rückseitig eingebaut wird. Oberirdisch wird die Konstruktion nicht zu erkennen sein. Das Landesamt für Denkmalpflege hat den Maßnahmen zugestimmt. Die wasserrechtliche Genehmigung ist beantragt.

Astrid Amelungse-Kurth

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