+
Die Perle am See: Die Gemeinde Feldafing erhebt als Erholungsort bereits einen Kurbeitrag. Falls der Berchtesgadener Zweitwohnungsstopp rechtlich sicher ist, könnte es einen solchen auch am Starnberger See geben. 

Wohnraum für Einheimische 

Zweitwohnsitz-Stopp: Feldafing schaut interessiert nach Berchtesgaden

  • schließen
  • Sandra Sedlmaier
    schließen

Mit einem Verbot von Zweitwohnsitzen der Wohnungsnot begegnen: Bürgermeister im Landkreis sehen das Vorgehen der Gemeinde Berchtesgaden kritisch. Nur Feldafing ist begeistert.

Landkreis – In einer touristisch interessanten und landschaftlich herausragenden Gegend wie dem Fünfseenland gibt es eine Menge Zweitwohnsitze. Also Wohnungen und Häuser, die nur zeitweise genutzt werden und damit nicht dem Wohnungsmarkt zur Verfügung stehen. Die Zweitwohnungssteuer (ZWS) hilft da kaum. Die Gemeinde Berchtesgaden – ebenfalls wunderbar gelegen – ergreift nun andere Maßnahmen: Sie will neue Zweitwohnsitze gar nicht mehr zulassen. Die Bürgermeister im Landkreis halten das für interessant, haben aber ihre Zweifel an der Machbarkeit.

Die brennendste Frage der hiesigen Rathauschefs lautet: Wie geht das rechtlich? „Eine äußerst komplizierte Frage“, sagt Matthias Simon, Baurechtler des Bayerischen Gemeindetags. Es gebe kein Gesetz, das regelt, in welchen Fällen Kommunen Zweitwohnsitze ausschließen können. Es müsse stets der Einzelfall geprüft werden. Eine gute Ausgangslage haben laut Baugesetzbuch jedenfalls Gemeinden, die „überwiegend durch den Fremdenverkehr geprägt“ sind – was immer das heißen mag.

Feldafings Bürgermeister Sontheim: „Eine grandiose Idee.“

Schon mit der Zweitwohnungssteuer, die im Grunde ein ähnliches Ziel verfolgt und das zweite Zuhause verteuert, sind einige Gemeinden vor Gericht auf die Nase gefallen. Nicht die Gemeinde Feldafing, die laut Bürgermeister Bernhard Sontheim „ein schönes Geld“ aus der ZWS erhält. „Aber nicht so viel, wie wir aus der Einkommensteuerbeteiligung kriegen würden, wenn das alles reguläre Einwohner wären.“ 5,5 Prozent der rund 4500 Feldafinger haben einen Zweitwohnsitz angemeldet. Sontheim sagt über den Vorstoß Berchtesgadens: „Eine grandiose Idee für Kommunen, die unter einem derartigen Siedlungsdruck liegen wie wir.“ Er werde sich in Berchtesgaden melden und nach der entsprechenden Satzung fragen.

Starnberg will gar nichts machen, sagt Bürgermeisterin Eva John. Die Zahl der Zweitwohnsitze ist mit 992 sehr gering. Auf die 23 498 Einwohner Starnbergs gerechnet sind das vier Prozent.

Auch Wörthsee will sich die Entwicklung in Berchtesgaden erst anschauen. „Wir haben mal darüber geredet, aber keine Beschlüsse gefällt“, sagt Bürgermeisterin Christel Muggenthal. „Zweitwohnsitze betreffen bei uns eher Einfamilienhäuser – und daran haben wir keinen Mangel. Uns fehlen bezahlbare Mietwohnungen.“

Herrsching, Berg, Inning und Pöcking unternehmen nichts

Herrschings Rathauschef Christian Schiller verfolgt die Entwicklung mit Interesse. „Ein für mich nachvollziehbares Vorgehen“, sagt er über den Berchtesgadener Zweitwohnungsstopp. Für Herrsching sieht er allerdings keinen Handlungsbedarf. Auch Bergs Bürgermeister Rupert Monn will nichts gegen neue Zweitwohnsitzinhaber unternehmen. Die Ostufergemeinde hat nicht einmal eine Zweitwohnungssteuer.

Die hat Inning schon – 6,6 Prozent der Wohnsitze sind Nebenwohnsitze. Aber Bürgermeister Walter Bleimaier denkt dennoch nicht über ein Verbot nach. „Unsere Zweitwohnsitze sind für den Wohnungsmarkt nicht entscheidend“, sagt er. Die Hälfte seien Dauercamper – und die nehmen bekanntlich keinen Wohnraum in Anspruch.

Pöckings Bürgermeister Rainer Schnitzler kennt persönlich nur zwei Gebäude in seinem Ort, die als Zweitwohnsitz genutzt werden. „Wir haben da kein Problem“, sagt er auf Nachfrage. Maßnahmen seien deshalb bisher – „und auch künftig“ – kein Thema für die Gemeinde. Eine Zahl zu gemeldeten Zweitwohnsitzen kann die Gemeinde nicht ad hoc nennen: Man müsse auch beachten, dass viele Studenten mit dem Zweitwohnsitz bei ihren Eltern gemeldet seien.

Lesen Sie auch: 

Hunderte Wohnungen fehlen im Landkreis Starnberg - aber es gibt zumindest eine Hoffnung

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Parkausweise für Anlieger in Steinebach: Projekt läuft noch nicht rund
Seit Juni besitzen die Anwohner am Moosbichl- und Brückenweg in Steinebach Anliegerausweise. Damit will die Gemeinde der prekären Parksituation an schönen Sommertagen …
Parkausweise für Anlieger in Steinebach: Projekt läuft noch nicht rund
Vollsperrung nach spektakulärem Unfall
Zu längeren Staus in Starnberg ist es am Montag nach einem Unfall auf der Hanfelder Straße gekommen. Der Sachschaden ist hoch.
Vollsperrung nach spektakulärem Unfall
„Das wünsche ich keinem“
Es kann so schnell gehen: Beim Abbiegen nicht ausreichend aufgepasst - und schon ist ein Unfall passiert und ein Mensch verletzt oder gar tot. Eine 42-jährige Frau …
„Das wünsche ich keinem“
Zweiter Anlauf für das Villino
Die Artemed-Klinik bleibt dabei: Das Villino in Feldafing soll eine Thomas-Mann-Gedenkstätte werden. Der Feldafinger Bauausschuss hat dem Umbau des denkmalgeschützten …
Zweiter Anlauf für das Villino

Kommentare

Leser33
(0)(0)

Bei der heutigen Wohnungsnot ein absolut logischer Schritt.
Eine Zweitwohnung ist ein Hobby, aber eine Wohnung ist eine absolute Notwendigkeit für jeden Menschen, insbesondere für Familien.

Somit ist der Verzicht auf die Ferienwohnung nur eine kleine Unpässlichkeit im Vergleich zur Obdachlosigkeit von Familien. Gemeinwohl geht vor Egoismus.

Droschkenkutsche
(0)(0)

Wenn die "Gmoa" spinnt, einfach zimmerweise an besonders Bedürftige vermieten.
Mal schaun, wie lange der Bürgermeister das durchhält.