Gabriella Meros (l.), Vorsitzende des Vereins Respect & Remember, und die Tutzinger SPD-Gemeinderätin Stefanie Knittl, die über den historischen Ort aufklärten und ihre eigenen Ziele damit verdeutlichten.
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Gabriella Meros (l.), Vorsitzende des Vereins Respect & Remember, und die Tutzinger SPD-Gemeinderätin Stefanie Knittl, die über den historischen Ort aufklärten und ihre eigenen Ziele damit verdeutlichten.

Zukunft des historischen Hauses

Tag des geschlossenen Denkmals: Verein kämpft um Hans-Albers-Villa am Starnberger See

Schon etwas paradox: Ein geschlossenes Haus stand beim „Tag des offenen Denkmals“ auf dem Programm. Doch der Verein Respect & Remember nutzte die Gelegenheit: Er kämpft weiter um die Hans-Albers-Villa – obwohl die bereits anderweitig vergeben ist.

Garatshausen – Endlich mal das einstige Heim des Schauspielers Hans Albers von innen sehen: Mit dieser Erwartung kamen etliche Menschen von nah und fern am Sonntag nach Garatshausen. Denn beim „Tag des offenen Denkmals“ stand die Hans-Albers-Villa auf dem Programm. Führungen gab es – aber in Form von Gesprächen neben Bäumen und Büschen unweit der Villa, nicht etwa verbunden mit der Besichtigung des Gebäudes, das die Besucher von besagtem Standort aus nicht mal sehen konnten.

Manche verbargen ihre Enttäuschung nicht – wie Angela Ott, die mit ihrem Mann Christian aus Murnau gekommen war. „Ich bin ein Fan von Hans Albers“, erzählte sie. Am Ende eines schmalen Wegs konnte das Paar aber nur von weitem einen Blick auf das Haus erhaschen, das Albers 1935 gekauft und bis zu seinem Tod 1960 bewohnt hatte.

Dass es das Anwesen überhaupt ins Programm des Denkmaltags geschafft hatte, ermöglichte der Verein Respect & Remember. Er will in der Villa einen öffentlich zugänglichen deutsch-jüdischen Erinnerungsort einrichten. Ganz andere Pläne hat aber der Freistaat Bayern, der das 20 000 Quadratmeter große Grundstück am Seeufer in den 1970er-Jahren von Albers’ Lebenspartnerin Hansi Burg erworben hatte: Er will die Nutzungsrechte auf die Technische Universität München übertragen. Der Verein gibt aber nicht auf. Vorsitzende Gabriella Meros und die Tutzinger SPD-Gemeinderätin Stefanie Knittl nutzten den Tag, um die Ziele öffentlich zu verdeutlichen.

Nur aus der Ferne einen Blick auf die Albers-Villa erhaschen konnten Fans des Filmstars wie (l.) Angela und Christian Ott. 

Hansi Burg, die jüdischer Herkunft war, habe sich in den Siebzigern für den Freistaat entschieden, „damit das Haus geöffnet wird“, sagte Meros: „Das ist aber seit 50 Jahren nicht passiert.“ Und das, obwohl die Villa mit Steuergeldern bezahlt worden sei. Meros erzählte viel über die Geschichte der Villa, über die berühmte Rosenzucht des Schauspielers, über Fischmotive („Albers war ja ein Hamburger Junge“) und über Prominente, die ihn kannten oder auf einem „Mäuerchen“ des Gebäudes gesessen haben: Charly Chaplin, Marlene Dietrich, Jean Gabin, Romy Schneider.

Ihr Verein habe vor, alles im alten Zustand zu belassen. „Wir haben auch viele tolle Kooperationen“, sagte sie. Als Beispiel erwähnte sie die Münchner Hochschule für Film und Fernsehen. Auch mit den Internationalen Hofer Filmtagen gebe es Kontakte. Deren künstlerischer Leiter Thorsten Schaumann war in Garatshausen dabei. Im Gespräch mit dem Starnberger Merkur zeigte er sich angetan von der Idee, bei dem Konzept das Thema Film einzubinden. Aus dem Publikum aber kamen verwunderte Fragen. Ob denn die Entscheidung zugunsten der Universität nicht längst gefallen sei? „Sie tun ja so, als ob Sie noch Chancen hätten“, sagte ein Besucher. Stefanie Knittl sagte dazu: „Wir hoffen, dass sich mit der Bundestagswahl der Wind etwas dreht.“ Wegen einer laufenden Online-Petition werde sich wohl auch der Landtag noch einmal mit dem Thema befassen müssen. „Wir haben die Befürchtung, dass die Universität alles entkernen wird und dass die Fassade komplett wegkommt“, warnte Meros.

Die TU habe in ihrem Konzept den Holocaust vergessen. Weshalb nicht der Zentralrat der Juden und prominente Vertreter wie Charlotte Knobloch mehr einbezogen würden, fragte ein Besucher. Der Einstieg von Knobloch wäre dieser Sache bestimmt sehr dienlich, sagte Gernot Abendt, Tutzings früherer dritter Bürgermeister. Meros betonte: „Wir wollen endlich mal sehen, dass sich andere für uns einsetzen.“ In Deutschland gebe es einen massiven Antisemitismus. „Wir wollen nicht, dass es wieder heißt: Typisch – die Juden kriegen es wieder mal hin durch ihre Weltmacht und ihre Lobby.“

Lorenz Goslich

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