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Feldafinger Fußwaschung: „Jesus“ Michl Keltsch versucht sich an „Tempelhändler“ Franz von Hunoltstein, das „Mädchen“ Leonie von Hunoltstein mag kaum hinsehen.

Theatergruppe Feldafing

Grüner Hügel auf dem Konversionsgelände?

Schauspielerische Leistung, Regie, Kostüme, Bühne: Bei der Premierenaufführung von „Passion“ der Theatergruppe Feldafing passte alles.

Feldafing Passionsspiele sind weit mehr als nur Volkstheater. Vor allem sind sie ein gutes Geschäft für das ganze Dorf. Das täte auch Feldafing gut. Der grüne Hügel auf dem Konversionsgelände? Warum nicht. Dort könnte man nämlich auch mühelos 5000 Touristen unterbringen. Mit solchen Visionen und reichlich Ortsbezug feierte die Theatergruppe Feldafing eine umjubelte Premiere. Der neue Regisseur Franz von Hunoltstein hat mit dem Löw-Klassiker „Passion“ eine Steilvorlage hingelegt, die schon jetzt Lust auf mehr macht. Bürgermeister Bernhard Sontheim sprach nach der Vorstellung das wohl dickste Lob aus: „Die größte Herausforderung für euch ist wohl, schlecht zu spielen.“

Auch das haben die Schauspieler gekonnt drauf, immer schön hölzern, steif und unsicher. Schließlich ist das ganze Stück eine einzige Theaterprobe, auf der sich Möchtegern-Stars eines kleinen Dorfes durch den Text holpern. In Feldafing sollen Passionsspiele etabliert werden, um das Dorf auf Vordermann zu bringen. Schon bei der Rollenverteilung geht das Gezänke los, „die Frau vom Kfz-Mechaniker möcht jetzt auch noch die Maria spuin“, tobt die alte Anni (Gigi Straßner) mit schwingendem Suppenlöffel, der Alfons (Paraderolle für Harry Straßner) nölt in seinem Born-to-be-a-star-Shirt, dass er den Judas nur dann spielt, wenn der auch sympathisch ist.

Und dann tritt der Schorsch auf, der den Jesus spielt. Hilfe! Da steht doch glatt Conchita Wurst und scheitelt sich selbstverliebt das lange Haar. Michl Keltsch ist mit seinen Jesuslatschen und der dunklen Langhaar-Perücke einfach der Hammer und kann so unglaublich deppert mit seinem Weißbier, der Dornenkrone und dem Handy auf der Abendmahlsprobe rumstehen und muss erst mal Selfies posten. Er ist ein Social-media-Heiland in Reinstkultur.

Ein Gag jagt den andern. Statt zwölf Apostel gibt es nur zwei, das Osterlamm ist ein ausgestopfter Haubentaucher, der Chor murmelt als Volkes Stimme Rhabarber, Rhabarber und der ehrgeizige Regisseur (immer schön wichtig: Winni Englisch) rauft sich die Haare und jammert, dass ihm die Szene nicht gefällt. „Das Volk ist zu blöd, das kennt man doch aus dem Gemeinderat.“ Noch jemanden vergessen? Dani Fuchs spielt die stutenbissige Magdalena, Franz von Hunoltstein überzeugt auch als Tempelhändler im Kartoffelsackgwand, Michi Jirsa ist ihm mindestens ebenbürtig, und die Jugend (Moritz Nusser, Florian und Antonia Fuchs sowie Leonie von Hunoltstein) spielt sich lässig für die Zukunft warm. Erwähnt werden müssen noch die Kostüme von Maximiliane Gerber und Martina Nusser. Sie spielt als Maria am besten, wenn sie schniefend auf dem Bankerl im gediegenen Büro-Outfit zusammenbricht.

Diese „Passion“ muss man gesehen haben! Bis zum 22. April täglich ab 19.30 Uhr außer Dienstag.

Von Astrid Amelungse-Kurth

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