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Dieses Foto von dem Tornado machte Florian Lindner von einem Boot aus.

Am Samstagnachmittag

Tornado über dem Starnberger See - das sagt ein Meteorologe dazu

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  • Stephan Müller-Wendlandt
    Stephan Müller-Wendlandt
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Über dem Starnberger See hat sich am Samstagnachmittag ein Tornado gebildet. Zu Schäden kam es nicht.

Landkreis – Es ist ein ruhiger Samstag am Starnberger See. Kein Sturm, kein Gewitter, die Wasserschutzpolizei in Starnberg wird später keinen Einsatz vermelden.

Florian Lindner aus Berg begleitet an diesem Samstag mit Kameraden als Sicherungsdienst in einem Motorboot eine Segelregatta. Über dem südlichen Starnberger See hat sich eine dunkle Wolkenwalze zusammengebraut. „Die Wolkendecke hing bestimmt drei Stunden über dem See, fast unbeweglich“, erzählt Lindner im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. „Es bildeten sich nur kleinere Wolkenverschiebungen, der Gesamteindruck war ziemlich Respekt einflößend“, schildert der Kommunikationswirt die Stimmung.

„Um 15.56 Uhr hat sich in der Wolkendecke ein weißes Band gebildet. Das hat sich wie ein Rüssel zur Wasseroberfläche bewegt. Als die Windhose den See berührte, bauschte sich das Wasser auf und legte sich wie eine Manschette um den Rüssel“, beschreibt Lindner weiter, was er gesehen und mit seiner Handykamera festgehalten hat. Die Windstille auf dem spiegelglatten See habe die gespenstische Atmosphäre noch verstärkt. Das Naturereignis hat sich nach Lindners Angaben in der Seemitte etwa auf Höhe Garatshausen gebildet – und ging vollkommen lautlos über die Bühne.

Einige Kilometer weiter nördlich sitzen fünf Wasserretter der DLRG Pöcking-Starnberg gerade beim Kaffee an ihrer Station in Possenhofen, als sich der Tornado bildet. „Plötzlich hat sich zwischen Wolken und Wasseroberfläche eine Art Kamin gebildet“, berichtet Sophie Daberkow (28). „Wir haben so etwas vorher noch nie live gesehen“, erzählt sie. „Der Tornado hat alles nach oben gezogen, man hat sogar Gischt gesehen.“

Wie lange das Wetterphänomen gedauert hat, können beide Augenzeugen nicht mit Gewissheit sagen. Florian Lindner spricht von etwa 25 Sekunden, Sophie Daberkow und ihre Kollegen wollen es ein paar Minuten lang gesehen haben. Er sei auf jeden Fall genauso lautlos verschwunden, wie er aufgetaucht sei. 

Der Starnberger Merkur hat die Aufnahmen, die Lindner und Daberkow gemacht haben, einem Meteorologen vorgelegt. Siegmar Lorenz vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Hohenpeißenberg ist „begeistert“, wie er sagt. „Das ist eine klassische Wasserhose, also ein Tornado über Wasser“, erklärt er.

Wie so etwas entsteht? „Wir haben aktuell eine relativ hohe Wassertemperatur. Gleichzeitig kam nach dem Dauerregen am Freitag eine Kaltfront mit Schauerwolken zu uns, was zu einer labilen Schichtung der Atmosphäre geführt hat.“ Das Zusammenwirken der unterschiedlichen Temperaturen habe dazu geführt, dass die Luft mit hoher Geschwindigkeit von der Wasseroberfläche nach oben steigen kann. „Das waren am Samstag nahezu ideale Voraussetzungen für einen Tornado“, sagt Lorenz – und ist gleichzeitig erleichtert, dass er sich aufgelöst hat ohne Schäden anzurichten.

„Wenn die Wasserhose die beiden Segelboote erreicht hätte, die man auf dem Foto sieht, wären die Boote weg gewesen“, sagt er und will sich die Konsequenzen für die Besatzungen lieber nicht ausmalen. „Und an Land hätte dieser Tornado eine Schneise der Zerstörung schlagen können.“ Glück sei auch gewesen, dass am Samstag keine Gewitterwolken unterwegs waren. „Dann wäre das vermutlich ein ganz anderes Kaliber geworden.“ So aber blieb es ruhig am Samstag am Starnberger See. Ruhig und faszinierend.

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