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Der neue Vorstand des TSV Feldafing (v.l.): Schatzmeister Guntram von Nordeck, 2. Vorsitzender Peter Arras, 1. Vorsitzender Roger Himmelstoß, Beisitzer Markus Hauser und Schriftführerin Nandl Schultheiß.

TSV Feldafing

Tiefer Riss und tiefes Schweigen

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Die Jahresversammlung des TSV Feldafing am Donnerstagabend verlief unerwartet turbulent. Bei der Vorstandswahl offenbarten sich tiefe Gräben im Verein. Der bisherige 1. Vorsitzende Dr. Heiko Tönshoff wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Feldafing – Eigentlich hätte es die große Abschiedsgala für Dr. Heiko Tönshoff werden sollen. 23 Jahre lang arbeitete der Architekt im Vorstand des TSV Feldafing, am Donnerstag kandidierte der 74-jährige 1. Vorsitzende des gut 1000 Mitglieder starken Sportvereins, wie vor drei Jahren bereits angekündigt, nicht mehr. Aber anstatt einer reibungslosen Amtsübergabe an seinen bisherigen Stellvertreter Roger Himmelstoß und der standesgemäßen Verabschiedung des beliebten Vereinschefs drohte die Jahresversammlung im TSV-Vereinsheim zu eskalieren.

Offenbar geht ein tiefer Riss durch einen Teil der Mitglieder. Die Stimmung auf der Jahresversammlung jedenfalls war äußerst gereizt, mitunter sogar aggressiv. Der Grund für die Disharmonie beim TSV blieb allerdings im Dunkeln. Offenkundig herrscht in der Abteilung Turnen und Leichtatletik große Unzufriedenheit. Abteilungsleiterin Jeanette Oliv deutete in ihrem Jahresbericht den Zwist nur vage an. Selbst auf mehrfache, eindringliche Nachfragen der überraschten Mitglieder hüllte sie sich in Schweigen – wie andere auch. „Dieser Konflikt schwelt schon länger im Verein“, gab der vorher zum neuen 1. Vorsitzenden gewählte Himmelstoß nach der Versammlung im Gespräch mit dem Starnberger Merkur zu. Mehr wollte er aber auch nicht zu den Zwistigkeiten sagen.

Ein Grund für die Querelen könnte der mühevoll für zehn Jahre neu ausgehandelte Vertrag mit dem Wirt des Vereinsheims sein. Erst auf Nachhaken eines Mitglieds, das dem Lager der Unzufriedenen zuzuordnen sein dürfte, räumte Tönshoff ein, dass der Verein damit keinerlei Pachteinnahmen erziele. Himmelstoß erklärte, dass eine reine Vereinswirtschaft ohne Subventionierung nicht zu halten sei. Würde man eine Vollkonzession für eine freie Gastronomie haben, könne die Gemeinnützigkeit des Vereins in Gefahr geraten. Damit wollten sich die Kritiker nicht abfinden. Ihnen gefällt nicht, dass alle TSV-Mitglieder den Gaststättenbetrieb mitfinanzieren müssen.

Dieser Meinung waren wohl auch zwei Mitglieder des bisherigen Vorstands. Kurz vor Beginn der Versammlung hatte Schatzmeister Peter Kreißl seinen Vorstandskollegen mitgeteilt, dass er für eine weitere Amtsperiode nicht mehr zur Verfügung stehe. Und Schriftführerin Marion Kreißl war gar gleich von ihrem Posten zurückgetreten. Als dann auch noch der als 2. Vorsitzender vorgesehene Dr. Markus Hauser seine Kandidatur zurückzog, weil ihm „die Atmosphäre hier überhaupt nicht behagt und ich mich in solch einer Situation nicht zur Wahl stellen möchte“, stand Himmelstoß plötzlich ohne Mannschaft da.

Nun ging die Suche unter den 57 anwesenden Mitgliedern los. Schließlich stellten sich neben Roger Himmelstoß der bisherige Beisitzer Peter Arras als stellvertretender Vorsitzender („Okay, ich mach’s“), Tennis-Sportwart Guntram von Nordeck als Schatzmeister („Das ist ja hier wie bei der Regierungsbildung in Berlin“) und Nandl Schultheiß als Schriftführerin zur Verfügung. Letzendlich wurden alle vier Kandidaten, zum Teil mit ungewöhnlich vielen Gegenstimmen und Enthaltungen, gewählt. Markus Hauser stellte sich dann noch als Beisitzer zur Verfügung. „Ich werde ein Vorsitzender für den ganzen Verein sein. Ich hoffe, dass wir die Vorbehalte ausräumen können und dass die Gräben irgendwann mal zugehen“, sagte Himmelstoß in seiner Antrittsrede.

Ganz am Ende der Versammlung herrschte dann doch noch Einigkeit: Dr. Heiko Tönshoff wurde auf Vorschlag von Himmelstoß einstimmig zum Ehrenvorsitzenden gewählt – standesgemäß. Mehr zu den sportlichen Seiten beim TSV Feldafing lesen Sie auf Seite 15

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