Aus dem Gerichtssaal

Vandalismus-Exzess am Bahnhof

Feldafing – Fünf junge Männer zerlegen in einer Nacht den Feldafinger Bahnhof. Wie konnte es dazu kommen?

Einen Gesamtschaden von 4640 Euro haben fünf junge Männer aus Planegg, Berg, Starnberg und Feldafing in der Nacht von 12. auf 13. Februar rund um den Feldafinger Bahnhofsplatz angerichtet. Jetzt standen sie vor dem Jugendrichter des Amtsgerichts Starnberg. Wie es zu dem umfangreichen Vandalismus gekommen war, vermochte keiner der fünf Angeklagten zwischen 15 bis 19 Jahren mehr zu sagen. Alkoholisiert waren höchstens drei der jungen Männer, und sie nach eigenen Angaben allenfalls mit „zwei, drei Bier“. 

Auch zwei Fahrräder aus der Nachbargarage beschädigt

Richter Ralf Jehle war verwundert, dass die Deliquenten sich gar nicht mehr an Details ihres Wütens erinnern konnten: Davon kriege man doch keine Amnesie? „Wir trinken nur selten was“, so ein 18-jähriger Afghane. Die Schadensstrecke, die der Anklagevertreter vortrug und die der Richter im Prozess buchstäblich „Stück für Stück“ abzuarbeiten hatte, war verheerend: Am Bahnhofsvorplatz hatte das Quintett Terracotta-Pflanzkübel umgeworfen und die Pflanzen herausgerissen, einen Schirmständer, eine Sitzbank und mehrere Mülleimer zerstört. 

Offenbar mit einer zuvor von einer Baustelle in der Bahnhofstraße entwendeten Metallstange war das so genannte Wetterhäuschen vor dem Rathaus bearbeitet worden und eine gesprungene Glasscheibe und Dellen davongetragen. Die jungen Männer hatten zudem bei den Bahngleisen einen Feuerlöscher herausgerissen und leer gesprüht und mindestens ein Schloss der Schuppen neben dem Bahnsteig aufgebrochen – für dort zerstörte Fenster und einige Vasen sah sich indes keiner verantwortlich. Die Scheibe der Kreissparkassen-Filiale, eine Abdeckplane und den Briefkasten eines Immobilienmaklers hatten die sinnlos Wütenden in der Bahnhofstraße ebenso beschädigt wie zwei Fahrräder aus der Nachbargarage eines ortsansässigen Mittäters. 

Angeklagter: Wir waren selber „sehr schockiert gewesen“

„Wir wollten einfach nur wieder nüchtern werden und uns Nachtluft zukommen lassen“, erklärte einer der Angeklagten das Treiben mit den Fahrrädern (geschätzter Schaden 140 Euro). Man sei nach dem „unerklärlichen“ Exzess jedenfalls selber „sehr schockiert gewesen“, allen tue es heute leid. Die Täter waren noch in der Nacht von zwei Polizeistreifen erwischt worden. Strafanzeigen wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung bzw. Hausfriedensbruchs hatten sowohl die Gemeinde Feldafing (knapp 3000 Euro Schaden) als auch die geschädigte Betreiberin des Bahnhof-Cafés (1100 Euro) und der Briefkastenbesitzer (500 Euro) gestellt. Manches hat inzwischen die Versicherung bezahlt. Der Anwalt eines Täters überreichte im Gerichtssaal Bares an die Café-Betreiberin. 

Diese richtete Worte der Enttäuschung an die fünf Beschuldigten: „Wir haben damals zu dritt vier Stunden aufräumen müssen. Die Arbeitszeit zahlt mir keiner. Jeder macht mal Mist, aber ihr habt es in acht Monaten seitdem nicht geschafft, euch bei mir persönlich zu entschuldigen, obwohl ihr zum Teil hier wohnt und jeden Tag am Bahnhof vorbei kommt.“ Das Urteil gegen alle fünf lautete auf je 20 Stunden Öko-Wochenende plus – je nach strafrechtlicher Vorbelastung – 16 bis 32 Stunden weitere soziale Dienste und je 200 Euro Geldauflage zu Gunsten der Brücke Starnberg. Zivilrechtliche Ansprüche dürften noch folgen.

Von Thomas Lochte

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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