Aus der Not hat sie eine Tugend gemacht: Franziska Weidner aus Feldafing hat inzwischen ihren eigenen Foodtruck und einen Verbund mit Kollegen gegründet, der ein großer Erfolg ist. „Der Herr von Schwaben“ steht diesen Samstag beispielsweise beim Samstagsmarkt in Starnberg.
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Aus der Not hat sie eine Tugend gemacht: Franziska Weidner aus Feldafing hat inzwischen ihren eigenen Foodtruck und einen Verbund mit Kollegen gegründet, der ein großer Erfolg ist. „Der Herr von Schwaben“ steht diesen Samstag beispielsweise beim Samstagsmarkt in Starnberg.

Wirtschaft

Verbund der rollenden Kantinen

  • Stephan Müller-Wendlandt
    vonStephan Müller-Wendlandt
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Wenn der Kunde nicht ins Geschäft kommen darf, muss das Geschäft zum Kunden. Nach dieser Devise halten sich die Betreiber sogenannter Foodtrucks – rollende Imbissstände – in Corona-Zeiten über Wasser. Unterstützung erhalten die bisherigen Einzelkämpfer von einer Kollegin aus Feldafing.

Feldafing – Als der erste Lockdown in der Corona-Pandemie vor mehr als einem Jahr das wirtschaftliche Leben fast auf Null abgebremst hat, musste nicht nur die klassische Gastronomie unter den Beschränkungen darben. Auch die Anbieter von Streetfood, die mit ihren Trucks und Trailern von Standort zu Standort fahren, mussten umdenken, um nicht finanziell unter die Räder zu geraten. Streetfood-Festivals und dergleichen sind den Pandemie-Auflagen zum Opfer gefallen. Seitdem hat sich das Geschäft der Foodtrucker mehr und mehr auf die Tage unter der Woche verlagert. Das sollte nicht ihr Nachteil sein – Franziska Weidner aus Feldafing hat diese Erfahrung gemacht.

Die 26-Jährige ist gelernte Veranstaltungskauffrau und war bei einer Agentur für das Management größerer Events zum Beispiel in der Allianz Arena zuständig. Wenn es ihre Zeit erlaubte, half sie ihrem Vater Andreas Weidner, der mit seinem Foodtrailer als „Herr von Schwaben“ in München und im Umland unterwegs ist. Seit Beginn der Beschränkungen steigt die Nachfrage nach dem kulinarischen Angebot des Feldafingers, hauptsächlich schwäbische Spezialitäten wie Maultaschen und Spätzle. Allein konnte er die Nachfrage nicht mehr befriedigen. Tochter Franziska stieg ein und ist seitdem mit einem eigenen, neuen Foodtruck unterwegs, während der Vater weiterhin seinen kleineren Trailer von Standort zu Standort kutschiert.

„Es ist natürlich traurig für uns, dass wir derzeit keine Festivals mehr veranstalten dürfen“, sagt Franziska Weidner – mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Denn dadurch hat das Geschäft unter der Woche immer mehr an Gewicht gewonnen. „Wir haben den Umsatz von montags bis freitags so gut wie verdoppelt“, verrät die junge Unternehmerin. Mittlerweile bespielen Vater und Tochter zehn feste Standorte. Dieser Erfolg hat die 26-Jährige auf die Idee gebracht, das Foodtruck-Geschäft auf breitere Beine zu stellen. Nach dem Motto „gemeinsam sind wir stark“ hat die Feldafingerin im August eine Zweckgemeinschaft ins Leben gerufen: „Food Trucks United“. Auf der Internetseite dieser Community bieten die „Küchenchefs auf Rädern“ ihre Dienste an. Beispielsweise als Alternative für Firmenkantinen, die geschlossen sind. Mit täglich wechselnden Foodtrucks auf den Werksgeländen will die Zweckgemeinschaft Abwechslung in die Mittagspause der Beschäftigten bringen. Dieses Konzept ist bei den Firmenchefs eingeschlagen wie eine Bombe. „Einige Unternehmen werden ihre Kantinen dauerhaft geschlossen lassen oder abbauen, um nur noch auf die Foodtrucks zu setzen“, so Weidner: „Der Kantinenersatz ist für uns Trucker Gold wert.“

Den Einsatzmöglichkeiten der fahrenden Gaststätten scheinen kaum Grenzen gesetzt zu sein. Sie bieten sich auf „Food Trucks United“ für größere Firmen-Veranstaltungen, Hochzeiten oder Geburtstagspartys an. Mittlerweile seien auch Kollegen der klassischen Gastronomie auf den Geschmack gekommen. „Einige Wirte haben sich eigene Trucks oder Trailer angeschafft oder mieten sie an, um ihr To-Go-Geschäft noch variabler und näher am Kunden zu gestalten“, sagt Weidner.

Sie organisiert für dieses Wochenende eine Premiere: Das erste Streetfood-Drive-In geht auf dem Gelände eines Anbieters von Party-Equipment in Feldkirchen über die Bühne. „Wenn das einschlägt, soll es nicht bei der Premiere bleiben“, verspricht die Feldafingerin. Mittlerweile haben sich 73 Food-Trucker der Community angeschlossen. Sie kommen nicht nur aus dem Großraum München. „Es sind Mitstreiter vom Chiemsee dabei sowie Kollegen aus Nürnberg und Augsburg“, sagt Franziska Weidner bescheiden. Denn auf der Homepage von „Food Trucks United“ werden auch rollende Küchen aus Berlin, Aachen, Duisburg, Hamburg, Leipzig, Köln und Hannover aufgeführt. Und das soll nicht das Ende sein.

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