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Geburtsort: DP-Camp Feldafing

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Von: Sandra Sedlmaier

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Auf den Spuren ihrer Eltern: Nachkommen der Bewohner des Displaced-Persons-Camps in Feldafing besuchten das ehemalige Camp-Gelände auf dem Bundeswehr-Areal. Sie stehen vor einem der Sturmblockhäuser, wo nach dem Krieg ehemalige KZ-Häftlinge und jüdische Flüchtlinge wohnten.
Auf den Spuren ihrer Eltern: Nachkommen der Bewohner des Displaced-Persons-Camps in Feldafing besuchten das ehemalige Camp-Gelände auf dem Bundeswehr-Areal. Sie stehen vor einem der Sturmblockhäuser, wo nach dem Krieg ehemalige KZ-Häftlinge und jüdische Flüchtlinge wohnten. © Bundeswehr

Rund 700 Babys wurden im DP-Camp Feldafing geboren. Fünf von ihnen besuchten gestern ihren Geburtsort, zusammen mit rund 20 weiteren Nachfahren von Camp-Bewohnern. Es war 77 Jahre nach Kriegsende eine Spurensuche und ein wichtiges Kapitel für viele von ihnen. Auch für Feldafing.

Feldafing – Der Ort zwischen Hölle und Normalität: Das war Feldafing für viele Überlebende der Konzentrationslager nach dem Krieg. Im dortigen DP-Camp fanden sie nach dem Grauen in den Nazi-Lagern ins Leben zurück. Den Ort, wo ihre Eltern dies erlebten, schauten sich gestern rund 25 jüdische Bürger aus Israel und den USA an. Sie kamen auf Initiative von Claudia Sack und Prof. Dr. Marita Krauss nach Feldafing. Die beiden hatten Kontakt zu einer Facebook-Gruppe von Familien des Feldafinger DP-Camps geknüpft. Abe Mazliach (75) aus San Francisco hat sie vor vier Jahren gegründet.

Die besondere Bedeutung dieses Besuchs unterstreicht Hanna Rosenbaum (74) aus Tel Aviv gleich zu Beginn. „Ich zeige hier am Eingang meinen israelischen Pass – meine Eltern waren damals staatenlos.“ Ihre Eltern haben sie vermutlich in Feldafing gezeugt, geboren wurde sie in Tel Aviv. Aus der Besuchergruppe sind fünf Männer direkt in Feldafing zur Welt gekommen, im Hotel Kaiserin Elisabeth, wo das Krankenhaus untergebracht war. Dort, wo die fünf Männer geboren wurden.

Hauptmann Wolfgang Schmid, der sich mit der Geschichte des DP-Camps beschäftigt hat und den Gedenkraum im kleinen Nachrichtentechnik-Museum pflegt, führt die Gäste über das Gelände. Erklärt, dass die Sturmblockhäuser 1934 für die Reichsschule der NSDAP gebaut wurden. Dass Schüler und Lehrer die Gebäude Mitte April 1945 verlassen haben, sodass die Amerikaner die am Starnberger See aufgefundenen ehemaligen Insassen der Konzentrationslager dort unterbringen konnten. Dass es anfangs chaotisch zuging, sich dann aber dank der Amerikaner, der Internationalen Flüchtlingsorganisationen und der Eigenverwaltung besserte. Die Gäste haben viele Fragen, auch nach organisatorischen Details des Camps. Sie wollen aber vor allem sehen, wo die Eltern gewohnt haben. Alex Ebel aus New York wird schnell fündig: Er lässt sich mit breitem Lächeln vor dem Haus 41, dem damaligen Haus 1A, fotografieren.

Überhaupt ist dieser Besuch, bei aller Trauer über die Nazi-Gräuel und Respekt vor den schlimmen Schicksalen der Eltern, von Freude und Humor geprägt. Die Besucher, die sich noch nie getroffen haben, harmonieren und machen Witze. Es fließen auch Tränen. Die Gäste wertschätzen an Feldafing, dass es für die Eltern ein Ort war, an dem sie endlich durchatmen konnten. „Für Ihre Eltern wurde das DP-Camp ein Ort des Übergangs und der Hoffnung auf dem Weg in ein neues Leben“, sagt Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim beim Empfang der Gäste am Nachmittag im Rathaus. Die Überlebenden hätten eine unglaubliche Kraft besessen.

Zuvor hat die Gruppe den jüdischen Friedhof in Feldafing besucht, ein Relikt aus der Zeit des DP-Camps. Alan Aronovitz aus New York spricht den Psalm 23 vom guten Hirten und das Kaddisch, das jüdische Totengebet.

Dass der Besuch mehr ist als nur Spurensuche,verdeutlicht Alex Ebel. „Ich habe noch nie jemanden getroffen, der in Feldafing geboren wurde.“ Er fühle sich auf besondere Weise mit den anderen verbunden. „Ich genieße den Besuch hier sehr.“ Es sei eine Art Abschluss. Auch für Sontheim ist der Besuch wichtig. Das sei nicht selbstverständlich, sagt er und zeigt den Besuchern das Korbinian-Apfelbäumchen vor dem Rathaus. Es stammt von den Samen ab, die der NS-kritische Pfarrer Korbinian Aigner vor rund 80 Jahren im KZ Dachau züchtete. Man habe den Baum in Gedenken an den Todesmarsch gepflanzt – was die Gäste mit Applaus belohnen.

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